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DAX stark überdehnt, doch scharfe Korrektur in kommender Woche und vor Weihnachten unwahrscheinlich

Gastautor: Jens Klatt
09.12.2016, 13:20  |  3501   |   |   

(JK-Trading.com) – Der DAX hat es in der vergangenen Handelswoche geschafft, ist aus seiner mehrmonatigen Trading-Range und auf der Oberseite ausgebrochen, über 11.000 Punkte gelaufen.

 

Getrieben wurde dieser Kursanstieg durch Spekulationen auf die EZB, die ganz besonders nach dem „No“ der Italiener zum Verfassungsreferendum am Donnerstag unter Zugzwang stand geldpolitisch noch einmal zu liefern.

 

Verkündet wurde eine Ausdehnung der Anleiheaufkäufe über März 2017 hinaus bis Dezember 2017 allerdings in reduziertem Umfang von 60 statt 80 Mrd. Euro pro Monat. Als Besonderheit ist anzumerken, dass die EZB nun auch Anliehen zu kaufen plant, die unterhalb des unteren Zinsbandes von -0,4% notieren.

 

Ich persönlich bin von diesen Maßnahmen im erweiterten Sinne „enttäuscht“, hätte mir ein wesentlich umfangreicheres Paket seitens der EZB vorgestellt.

 

Zudem überrascht mich die bullishe Vorstellung des DAX infolgedessen, denn: es handelt sich (auch wenn Draghi dies auf der Pressekonferenz bei mehrmaligem Nachhaken der anwesenden Journalisten vehement bestritt) um einen Taper, also eine Reduktion der Anleiheaufkäufe.

 

Zwar dehnt die EZB ihre Bilanz durch die verkündeten Maßnahmen um weitere 500 Mrd. Euro aus, aber reduziert eben doch die Anleiheaufkäufe was nach der allgemeinen Definition einem Taper entspricht.

 

Und dies wiederum sehe ich vor dem Hintergrund der in den USA seit Trump fiskalpolitischen Andeutungen anziehenden Inflations- und Zinserwartungen mindestens kurzfristig eher bearish für Aktien.

 

Die Kombination aus dieser fundamentalen Einschätzungen und des technisch auf der Oberseite etwas überdehnten Bildes (sowohl im DAX, als aber bspw. auch im Dow Jones oder SPX500 in den USA) lassen mich kurzfristig für das Potential auf der Oberseite skeptisch werden und eine Korrekturbewegung erwarten.

 

Nun ist allerdings anzumerken, dass rein zyklisch vor dem Hintergrund des anstehenden Jahresschlusses und der tendenziell eher abnehmenden Volatilität vor Weihnachten nicht unbedingt ein scharfer Rücksetzer zu erwarten ist, sondern eher ein „Abtropfen“ und eine Drift zurück in den Bereich um das Ausbruchlevel um 10.800/830 Punkte, wenn überhaupt.

 

Dies gilt ganz besonders für die ersten zwei Handelstage der kommenden Handelswoche in welchen ein ruhiger Handel und Konsolidierung deutlich oberhalb 11.000 Punkten anstehen dürfte, bevor dann die FED am Mittwoch zu ihrer letzten Sitzung 2016 vor die Presse tritt.

 

Hier wird dann abzuwarten sein, was Yellen und Co. liefern. Das eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte erfolgt, ist nahezu ausgemachte Sache.

 

Viel interessanter dürfte tatsächlich sein, wie „hawkish der Hike“ wird, sprich: ob die FED weitere Zinsanhebungen in 2017 in Aussicht stellt oder nicht.

 

Sollte sie dies tun, auch um den anziehenden Inflationserwartungen nach Trumps Wahl zum Präsidenten Tribut zu zollen, ist zwar nicht unbedingt initial mit einer stärkeren Korrekturbewegung an den Aktienmärkten zu rechnen sein.

 

Aber das weitere Aufwärtspotential für eine Weihnachts-Rallye würde deutlich beschränkt, ein Großteil der Kursaufschläge dürften wir dann bereits zu sehen bekommen haben.

 

Die technisch relevanten Marken für die kommende Woche sehe ich im DAX bei Überwinden der 11.200 im Bereich um 11.400 Punkte.

 

Sollte es in der Tat zu einem Rücksetzer kommen, so wäre übergeordnet zwar ein Re-Test der 10.800/830er Region wünschenswert um sich prozyklisch Long zu positionieren allerdings setzt dies einen erneuten Fall unter die 11.000er Marke voraus, wobei ich mir kurzfristig vorstellen könnte, dass bereits im Bereich um 11.050/080 erneut erste Käufer auftreten könnten und einen solchen Rutsch verhindern.

 

Chart erstellt mit Go.Guidants

 

Analyse geschrieben von Jens Klatt, Geschäftsführer von Jens Klatt Trading, exklusiv für JFD Brokers

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