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Kakao kostet Zu Weihnachten 'ne Schokoaktie? Ja bitte, am liebsten fair und nachhaltig!

21.12.2016, 13:55  |  2034   |   |   

Wertpapiere großer Schokoladenhersteller sind ein besonderes aber auch kostspieliges Geschenk. Anleger sollten sich genau überlegen, ob sie mit den Aktien nur sich selbst und ihren Lieben oder auch den Kakaobauern sowie der Umwelt etwas Gutes tun wollen.

Was soll man nur jemandem schenken, der schon alles hat? Zugegeben, diese Frage stellt sich mittlerweile reichlich spät, dauert es doch nur noch drei Tage, bis der ganze Weihnachtsspuk endlich wieder ein Ende hat. Bekanntermaßen gibt es aber Jahr um Jahr einige Spätzünder, die sich so kurz vor knapp noch immer nicht mit dem leidlichen Thema auseinandergesetzt haben. Oft läuft es dann auf eine unoriginelle Packung Schokopralinen heraus, die schon bald im hintersten Regal der heimischen Speisekammer in Vergessenheit geraten. 

Dabei könnte man die süße Versuchung doch mal auf ganz andere Art und Weise verschenken - zum Beispiel als verbrieftes Recht auf eine Gewinnbeteiligung oder Mitbestimmung an einem Schokoladenhersteller. Bei den meisten Unternehmen zahlt sich so ein Investment über einen längeren Zeitraum in jedem Fall mehr aus, als wenn man das Geld in normale Zinsprodukte anlegt. Oder eben in die eigenen Fettreserven. 

Kinderarbeit als unmittelbare Folge der Ausbeutung

A propos Fett: Neben dieser Zutat ist der wohl wichtigste Bestandteil einer jeden Schokolade natürlich der Kakao - ein Rohstoff, der nur unter äußerst komplizierten Bedingungen zu erzeugen und dementsprechend teuer ist. 

Dennoch werden gerade die Kleinbauern in Afrika, Südamerika und Südostasien aus Unwissenheit oftmals noch extrem unterbezahlt. Laut dem "Cocoa Barometer" betrug der tägliche Lohn für Kakaobauern im Jahr 2012 nur etwas über einen Dollar. Aus diesem Grund muss meist die ganze Familie bei der schweren und teilweise gefährlichen Arbeit mithelfen - selbst die Kleinsten. Allein in Ghana und der Elfenbeinküste schuften Schätzungen zufolge noch immer mehr als zwei Millionen Kinder regelmäßig auf Kakaoplantagen. Verantwortungsbewussten Menschen vergeht da der Appetit recht schnell wieder.

“Die finanzielle Lage dürfte sich zusätzlich verschärfen, da bei einem Großteil der Plantagen zukünftig Ernteausfälle durch überalterte Kakaobäume und ausgelaugte Böden als Folge intensiver Monokulturen drohen", erklärte Marion Swoboda, Senior Analystin Nachhaltigkeitsresearch Swisscanto Invest. "Aufgrund dieser Faktenlage erscheinen Investments in Schokoladenhersteller, die eine Ausbeutung der Kleinbauern tolerieren, als bittersüße Versuchung für Anleger“.  

Mit gutem Gewissen sündigen

Es gibt jedoch vereinzelt Schokoladenhersteller, die sich das Thema der Sozial- und Umweltverträglichkeit vom Kakaoanbau verstärkt auf ihre Fahne geschrieben haben. Für Swoboda zählen dazu die Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli sowie der weltweit größte Schokoladenproduzent, Barry Callebaut. Beide Unternehmen haben sich freiwillig zur Einhaltung eigens gesetzter Nachhaltigkeitsstandards verpflichtet.

So stellt man beispielsweise bei Lindt & Sprüngli mittels eines speziellen Einkaufsprogramms sicher, dass sich die eingekauften Kakabohnen stets bis zum ursprünglichen Anbauort zurückverfolgen lassen. Außerdem legt die Gesellschaft Wert auf Hilfe zur Selbsthilfe, indem sie die Bauern durch verschiedene Weiterbildungsmaßnahmen und-programme fördert. Daneben kommt nur nachhaltig produziertes Palmöl zum Einsatz. 

Barry Callebaut hat sich seinerseits zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 eine gänzlich kinderarbeitsfreie Lieferkette vorweisen zu können und gleichzeitig 500.000 Bauern aus der Armut zu verhelfen. Und auch dort soll sich der Anteil der nachhaltig angebauten Zutaten in den nächsten Jahren auf vollständige 100 Prozent erhöhen.

Schokoaktie keine "Kleinigkeit" 

An dieser Stelle muss natürlich angemerkt werden, dass die Kurse beider Unternehmen nicht gerade etwas für jeden Geldbeutel sind. Tatsächlich beläuft sich der Preis für eine Namensaktie der Lindt & Sprüngli AG zurzeit auf gewichtige 55.820,30 Euro. Für etwas unter 5.000 Euro gibt es immerhin die gleichsam an der Börse gehandelten Partizipationsscheine zu haben. Diese ähneln dem deutschen Genusschein, verbriefen aber kein Stimmrecht. Beide Papiere konnten in den letzten sechs Jahren ein Wachstum von rund 30 Prozent erzielen.

Verhältnismäßig günstiger kommt man da mit der Barry-Callebaut-Aktie weg, aktuell kostet sie knapp 1.123,15 Euro. Hier betrug der Wertzuwachs seit 2010 sogar knapp 45 Prozent. 

 

 

 



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