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Sex auf Rezept Satire: Ich werde politisch korrekt (III)
Grüne fordern Sex auf Rezept

Gastautor: Rainer Zitelmann
08.01.2017, 11:28  |  4480   |   |   

Die pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen, Elisabeth Scharfenberg, hat in der WELT AM SONNTAG gefordert, dass Pflegebedürftige und Schwerkranke in Zukunft Sex mit Prostituierten bezahlt bekommen. Das ist keine Satire, sondern eine wichtige neue Forderung der Grünen.

Wegen des weltweit grassierenden Rechtspopulismus hatte ich mich entschlossen, ab dem 1.Januar 2017 nur noch politisch korrekt zu denken, zu sprechen und zu fühlen. Jetzt stellt mich die Forderung der Grünen nach Sex auf Rezept auf eine schwierige Probe.

Das bedeutet soziale Gerechtigkeit!

Die SprecherIn der Grünen bezieht sich auf die Niederlande, wo es bereits seit einigen Jahren die Möglichkeit gibt, sich als Pflegebedürftiger die Dienste sogenannter Sexualassistentinnen (das sind zertifizierte Prostituierte) bezahlen zu lassen. Dafür müssen sie nachweisen, dass sie sich weder auf andere Weise befriedigen noch diese Dienstleistung selbst bezahlen können.

Mein erster Gedanke war, dass das ein wichtiger sozialpolitischer Fortschritt für Deutschland wäre. Es kann ja nicht sein, dass Reiche und Besserverdiener sich auch im hohen Alter Sex leisten können, aber die zunehmenden Scharen von armen Menschen in Deutschland sexuell frustriert bleiben, nur weil ihnen das nötige Kleingeld fehlt. In diesem Sinne finde ich, dass die Forderung der Grünen ein enormer Fortschritt für die soziale Gerechtigkeit ist.

Schwule und Lesben nicht ausgrenzen

Mein zweiter Gedanke als neuerdings politisch korrekt denkender Mensch war, dass selbstverständlich auch Schwule und Lesben dieses Recht haben sollten. Ich will Elisabeth Scharfenberg nicht unterstellen, dass sie das nicht auch so sieht und in einem entsprechenden Gesetzentwurf berücksichtigen würde. Denn es wäre ja eine unverzeihliche Diskriminierung - und politisch ganz bestimmt unkorrekt -, wenn Männer zwar die Dienste von weiblichen Prostituierten bezahlt bekämen, aber nicht auch die von männlichen "Sexassistenten". Und natürlich müssten pflegebedürftige Frauen die Wahl haben, ob sie lieber von einem männlichen oder einer weiblichen SexassistentIn befriedigt werden.

Sex auf Rezept für die ganze LGBT!

Und dann sind da noch andere Angehörige der LGBT (=Lesbian, Gay, Bisexuell, Transgender). Ich hoffe doch stark, dass die Sprecherin der Grünen auch an deren Rechte gedacht hat. Was ist etwa mit Bisexuellen? Die müssten abwechselnd männliche und weibliche "Sexassistenten" bezahlt bekommen. Und auch Transgender sollten auf keinen Fall ausgegrenzt werden, was jedoch schon durch den Begriff "Sexassistentinnen" geschieht. Politisch korrekt wäre es, das habe ich so gelernt, von "Sexassistent*innen" zu sprechen, die sich dann auch auf die sexuellen Vorlieben von Transsexuellen und Transgendern einstellen müssten. Der Antrag für "Sex auf Rezept" müsste also künftig drei Nachweise enthalten:

  1. Nachweis, dass man sich nicht anders befriedigen kann.
  2. Nachweis der sozialen Bedürftigkeit, dass man also den Sex weder kostenlos bekommt noch in der Lage ist, eine Prostituierte selbst zu bezahlen.
  3. Nachweis der sexuellen Orientierung und der sexuellen Vorliebe, damit das Rezept korrekt ausgestellt werden kann.


Ich gebe zu, damit wäre ein gewisser bürokratischer Aufwand verbunden, aber wenn es zugleich um soziale Gerechtigkeit und Gender-Gerechtigkeit geht, dann sollte es das allen gesetzlich Krankenversicherten Wert sein. Und selbstverständlich müsste man bzw. frau dann auch perspektivisch über eine Anhebung der Beiträge für die Pflegeversicherung nachdenken, denn billig wird das alles nicht.

Nur ein erster Schritt

Zudem kann das alles nur ein erster Schritt sein. Was für Pflegebedürftige gilt, sollte generell für alle sozial Ausgegrenzten gelten, also auch für Hartz IV-Empfänger, für die es nachgewiesener Weise oft schwerer ist, attraktive Sexpartner zu finden als für Reiche. Auch da liegt es mit der sozialen Gerechtigkeit im Argen, und man sollte also durchaus einmal darüber nachdenken, ob die Bezahlung von SexassistentInnen nicht auch im Rahmen der Hartz IV-Regelung richtig wäre. Schließlich ist Sex ein menschliches Grundbedürfnis so wie Wohnen, Essen und Trinken. Die Ungleichverteilung sexueller Zugangschancen ist ein Problem, das wir bislang alle verdrängt haben.

"Sexkauf muss verboten werden"

Obwohl ich also zunächst einmal begeistert von dem neuen Vorstoß der Grünen war, kamen mir dann doch einige Zweifel. Ist es wirklich politisch korrekt, dass Männer, die ihr ganzes Leben lang Frauen als Sexobjekt missbraucht haben, dies nun noch im hohen Alter und Zustand der Pflegebedürftigkeit von der Krankenkasse bezahlt bekommen? Ist das nicht zumindest frauenfeindlich oder gar menschenverachtend? Vielleicht sollte man also sogar heterosexuelle Männer von der Regelung, wonach man als Pflegebedürftiger Sex auf Rezept bekommt, ausschließen, so schießt es mir durch den Kopf. Das könnte eine politisch korrekte Lösung des Problems sein.

Zudem bin ich verwirrt, dass die Grünen jetzt Sex auf Rezept wollen, obwohl erst kürzlich FrauenrechtlerInnen gefordert haben, "Sexkauf muss verboten werden". Sie haben die Initiative "Stopp Sexkauf" gegründet, da Prostitution immer "Gewalt gegen Frauen" sei. Nach den Vorstellungen dieser Initiative sollen allerdings nicht die Prostituierten bestraft werden, sondern die Freier. Also, wenn das alles richtig ist, dann kann es doch politisch nicht korrekt sein, diese beschönigend als "Sexassistenz" beschriebene Gewalt nun auch noch durch die Krankenkasse bezahlen zu lassen.


24 Besprechungen, Interviews und Artikel zu Rainer Zitelmanns aktuellem Buch "Reich werden und bleiben": http://www.reichwerdenundbleiben.net/

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9 Kommentare

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Kommentare

Aujourd'hui, samedi 14 janvier 2017 nous fêtons Sainte Nina

. Nina, diminutif de Kristinina.
. Prénoms dérivés : Nine, Ninon.
. Les Nina sont très actives et parfois un peu brusques verbalement, mais elles sont sensibles et attachantes. Précises et sincères, on peut se reposer sur elles. Elles apprécient les mondanités mais se sentent proches de la nature, des exutoires très différents à leur trop plein d'énergie.
. Sainte Nina (captive chrétienne qui vécut au IVe siècle en Ibérie, région intérieure de l'actuelle Géorgie, sur le continent asiatique. Après avoir guéri la reine, elle obtint sa conversion puis celle du roi qui entreprit de faire évangéliser le royaume.)

Bild: 573_20170114113553_Nina NiNa
Ein sehr schöner Artikel, der mir als Startschuss ins neue Jahr dient und uns wieder unsere ganzen Wohlstandskrankheiten und Macken vor Augen führt.
Ich hoffe nur, dass Oma Lotte damit klar kommt, wenn ihr demenzkranker Mann sich eine Assistentin kommen lässt und sie das Zimmer dann für eine halbe Stunde verlassen muss.

Hoffentlich wird später in den Kriterien auch noch berücksichtigt ob man Fleischfresser, Vegetarier, oder sogar Veganer ist. Nicht auszudenken wie weh das der Psyche eines homosexuellen Veganer tun würde, käme dort ein Sexualassistent der keine speziellen Schinkenspicker auf dem Brot hätte...

Oh, fast vergessen... was wird eigentlich aus den Leuten die Tiere mögen?
Dürfen homosexuelle Pferde eigentlich Heiraten?

Ich finde wir haben deutlich größere und wichtigere Probleme als diese.

Ist zum Beispiel mal jemandem aufgefallen wie wenige Gebetsräume es in Altersheimen gibt? Sind die Zimmer eigentlich nach Mekka ausgerichtet?
interessant dazu:


Laut World Health Report 2000 der WHO liegt die Lebenserwartung in Deutschland unter dem Durchschnitt der Länder der Europäischen Uni­on. Vergleicht man die Sterblichkeit auf Grund eines Schlaganfalls, Diabetes mellitus, Darm­krebs und Brustkrebs in Deutschland mit der Sterblichkeit in Frankreich, Italien, England, Finnland, Schweden und den Niederlanden, so belegt Deutschland für jede dieser Erkrankun­gen einen der drei schlechtesten Plätze. Mit 10,7 Prozent hat Deutschland darüber hinaus mit Abstand die höchsten Gesundheitsaus­gaben in Relation zum Bruttosozialprodukt in Europa.

Das Gesundheitssystem der Niederlande gilt als eines der effizientesten und fortschrittlichsten der Welt mit Vorbildcharakter bei der Umset­zung von Reformen in anderen Ländern.

erst einmal sollten Grundsätzliche Reformen schnellstens durchgeführt werden!!!
Diesen Vorschlag gab es tatsächlich schon ;)

Allerdings wollte der bayerische Pfarrer dafür nach einem Unterstützerkreis und Bordell-Betreibern mit einer sozialern Ader suchen.

Die Frage, was die Prostituierten dazu sagen würden, hat er sich aber anscheinend nicht gestellt.

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