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Euro/ US-Dollar – Der Druck im Kessel ist riesengroß

Gastautor: Daniel Saurenz
09.01.2017, 11:00  |  3139   |   |   

USA_NewYork_BörseWährend wir beim S&P derzeit die “Mutter aller Aufwärtsbewegungen” sehen – passende Analyse hier – könnte dem Wärungspaar Euro/US-Dollar ebenfalls einen Verwandtschaftsgrad für die Widerstandszone um 1,05 US-Dollar zuweisen. Dazu stellen die technische Analyse der Experten von HSBC Trinkhaus vor.

Das vergangene Jahr war zweifelsfrei an den Finanzmärkten im Allgemeinen und an den Devisenmärkten im Speziellen ein an Herausforderungen gespickter Jahrgang. Mit dem „Brexit-Votum“, dem unerwarteten Ausgang der Präsidentschaftswahl in den USA sowie der Abstimmung über die Verfassungsänderung in Italien möchten wir Ihnen die wichtigsten Ereignisse nochmals ins Gedächtnis rufen. Angesichts der anstehenden Parlamentswahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland birgt auch das Jahr 2017 einiges an politischem Überraschungspotential. Obwohl im Umfeld der o. g. Ereignisse hohe Tagesschwankungen beim Währungspaar EUR/USD zu verzeichnen waren – nach der „Brexit“-Abstimmung am 24. Juni lagen zwischen Tageshoch und -tief rund 5 US-Cents, was der größten Schwankungsbreite seit Dezember 2008 entsprach –, gilt letztlich wohl doch die alte Börsenweisheit, wonach „politische Börsen kurze Beine haben“.

Schließlich zeigte sich der Euro zum US-Dollar – gemessen am Jahresschlusskurs 2015 von knapp 1,09 USD – über weite Strecken des Jahres unter dem Strich wenig beeindruckt (siehe Chart 1). Erst am 15. Dezember wurden unsere Leitplanken aus dem Vorjahr – Stichwort: „2016 als Übergangsjahr innerhalb der Grenzen von 1,05 USD bzw. gut 1,15 USD“ – nach unten verletzt.

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2016 als Übergangsjahr

Börse_USA_NewYork_4Die gute Prognose aus dem letztjährigen Jahresausblick legt die Messlatte für 2017 nun umso höher. Schließlich ist frei nach Sepp Herberger „die nächste Prognose immer die Schwerste“. Deshalb wollen wir uns nicht lange mit Schulterklopfen aufhalten und uns vielmehr dem Blick in die 2017er-Glaskugel zuwenden. Der Tradition unserer technischen Jahresausblicke folgend, möchten wir auf der Devisenseite mit der Analyse der langfristigen Charts beginnen. Auf Jahresbasis steht beim Währungspaar EUR/USD eine Kerze mit recht kleinem Körper zu Buche. Bei der dritten Verlustkerze in Serie fällt aber vor allem der markante Docht ins Auge (siehe Chart 2). Darin spiegelt sich u. E. wider, dass der Euro zur US-Valuta strukturell unter Druck steht. Das kurz vor dem Jahresultimo erreichte neue Verlaufstief (1,0365 USD), mit dem ein klassisches “inside year” verhindert wurde, unterstreicht diese These. Dennoch werten wir das abgelaufene Jahr letztlich als Atempause des Währungspaars, um die dynamischen Kursverluste von rund 1,40 USD auf unter 1,05 USD zwischen Mai 2014 und März 2015 zu verdauen. Bei der Marschroute für 2017 müssen sich Anleger deshalb erneut mit den bereits vor einem Jahr an dieser Stelle diskutierten großen Leitplanken zwischen rund 1,05 USD auf der Unter- und 1,15/18 USD auf der Oberseite auseinandersetzen.

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Der Druck im Kessel ist riesengroß

Die zuletzt angeführten Marken definieren die entscheidenden Sollbruchstellen im Kursverlauf des Euro zur US-Valuta. Zementiert wird diese Aussage, wenn Investoren die betrachtete Zeitebene sukzessive herunterbrechen – eine Vorgehensweise, die wir grundsätzlich für sehr sinnvoll erachten. So lagen beispielsweise in der 6-Monats-Betrachtung zuletzt zwei „inside candles“ in Folge vor (siehe Chart 3). Dabei fällt auf, dass die beiden Innenstäbe zudem jeweils markante Dochte und markante Lunten aufweisen.

Darin spiegelt sich die derzeitige Unentschlossenheit der Marktteilnehmer wider. Hervorheben möchten wir allerdings auch die letzten Verlaufstiefs bei 1,0523/1,0505/1,0461 USD. Während die zuvor beschriebenen Lunten die Bedeutung der Schlüsselunterstützung bei 1,05 USD bestätigen, signalisieren die jeweils tieferliegenden Hochs der letzten drei Halbjahreskerzen, dass der Druck auf diese Bastion wieder zunimmt. Der Chart, der die aktuell aufgestaute Bewegungsdynamik am besten widerspiegelt, ist allerdings der Quartalschart des Währungspaars. Seit dem Ausverkauf vom 1. Quartal 2015 standen hier bis zuletzt sechs „Innenstäbe“ in Serie zu Buche, d. h. die gesamte Kursaktivität der letzten 21 Monate vollzog sich vollständig innerhalb der zu Jahresbeginn 2015 gesetzten Grenzen.

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Achtung: Vola-Impuls voraus!

Allein daran können Anleger erkennen: Schlägt der Euro den Boden bei 1,0538/1,0456 USD nachhaltig aus, müssen Investoren von einem Ende der Seitwärtsphase der letzten sechs Quartale ausgehen (siehe Chart 4). Aufgrund der langen Seitwärtsphase dürfte ein neuer Trendimpuls dann mit hoher Wahrscheinlichkeit schnell, dynamisch und nachhaltig ausfallen. Dieses wichtige Zwischenfazit lässt sich durch einen weiteren Chart manifestieren: In den letzten Jahren haben wir regelmäßig über die Konstellation bei den Bollinger Bändern argumentiert.

Auch 2017 sendet der Volatilitätsindikator eine klare Botschaft aus. Während sich vor einem Jahr der Abstand zwischen oberem und unterem Bollinger Band nahe seines historischen Hochs bewegte, was einen der entscheidenden Aufhänger unserer Prognose einer Trendpause in 2016 darstellte, hat sich die Situation inzwischen ins komplette Gegenteil verkehrt. Schließlich liegen die Begrenzungen des Volatilitätsindikators aktuell so dicht beieinander wie nie zuvor in der bis Anfang der 1990er Jahre zurückreichenden Historie (siehe Chart 4). Damit ist der Abstand auch kleiner als bei den vorangegangenen Extrempunkten von 2013 und 2014. Zur Erinnerung: Vor knapp drei Jahren folgte anschließend der nahezu ungebremste Abverkauf von knapp 1,40 USD auf unter 1,05 USD.

Disclaimer: Wir weisen darauf hin, dass HSBC für die Platzierung dieses Beitrags bezahlt und auch die genannten Produkte ausgewählt hat. Darüber hinaus stellt Feingold Research Produkte von HSBC in ihren Publikationen und Beiträgen vor.



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