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    „Du und deine Software!“  5373  0 Kommentare Über Wahrheit und Marktmanipulation: Wie viel wusste EX-VW-Chef Martin Winterkorn?

    Wird es eng für Martin Winterkorn? Medienberichten zufolge belasten VW-interne Dokumente den früheren Chef des größten europäischen Automobilkonzerns in der Abgas-Affäre.

    Wie die „Bild am Sonntag“ berichtet, zeigen vertrauliche Papiere, die am 27. Juli 2015 bei einer Sitzung mit Winterkorn in Wolfsburg präsentiert wurden, wie knapp zwei Monate vor Bekanntwerden des Skandals der Konzern kühl kalkulierte, wann man den US-Behörden die Wahrheit sagen soll.  

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    Akustikmodus = Synonym für Betrugssoftware

    Gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätigten viele der rund 15 Teilnehmer, dass während der Besprechung der verantwortliche Ingenieur Thorsten D. die Schaubilder erläuterte. Dem Bericht zufolge heißt es in einem Dokument: „keine Rohemissionsänderung im Akustikmodus“. Heißt: dass Abgase ungefiltert aus dem Auspuff gepustet werden. Den Begriff „Akustikmodus“ verwendete VW intern für die Betrugssoftware.

    „Wir haben darüber gesprochen, dass etwas Illegales in unsere Autos installiert wurde.“ In seiner Vernehmung sagte Thorsten D. gegenüber der „BamS“: Er dachte, dass er spätestens bei der dritten Folie „weggeblasen“ wird. Doch Winterkorn sei erstaunlich ruhig geblieben. Er habe später in der Sitzung lediglich zu einem Techniker, der die Betrugssoftware mitentwickelt hat, gesagt: „Du und deine Software!“

    Teilweise Offenlegung im Juli beschlossen?

    Nach Informationen der Zeitung diskutierte die Runde darüber, ob und wann man den US-Umweltbehörden den Abgasbetrug gestehen soll. In dem Dokument „Dieselfahrzeuge USA, Testzyklus: Behördenstrategie“ wurden dabei die „Chancen“ und „Risiken“ abgewogen. So rechnete VW bei einem „defensiven“ Vorgehen mit einer sicheren Zulassung für neue Modelle, allerdings auch mit „sehr hohen Strafzahlungen“. Die Teilnehmer seien sich aber einig gewesen, die Angelegenheit „offensiv“ (geringere Strafzahlungen, unsichere Zulassung neuer Modelle) mit den Amerikaner zu klären. In einem VW-Vermerk vom 30. Juli ist allerdings keine Rede mehr von totaler Transparenz gegenüber den Behörden. Dort heißt es, dass „Prof. Winterkorn“ am 28. Juli folgendes Vorgehen bestätigt habe: „Teilweise Offenlegung der Gen 1 und Gen 2 Problematik“. 

    Offenlegung folgte erst im September

    Den ganzen Betrug beichtete VW erst im September. VW-Aktionäre klagen deshalb auf Schadenersatz in Milliardenhöhe, die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen Winterkorn wegen des Verdachtes der Marktmanipulation (wallstreet:online berichtete; Ebenfalls im Visier der Ermittlungen: VW-Chef Matthias Müller und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch). Volkswagen und Winterkorn weisen die Vorwürfe zurück. VW behauptet, angesichts widersprüchlicher Zeugenaussagen seien die Inhalte der Sitzung nicht rekonstruierbar. Winterkorn will sich nur an eine kurze Besprechung zu dem Thema am 27. Juli erinnern, bei der ihm versichert worden sei, die Probleme mit den US-Behörden würden gelöst werden.

    Winterkorn ordnete Vermögensverhältnisse neu

    Interessant in diesen Zusammenhang: Winterkorn hat im vergangenen Sommer und Herbst seine persönlichen Vermögensverhältnisse neu geordnet. Wie wallstreet:online berichtete, gründeten der Manager und seine Frau Anita zwei Immobilienfirmen - eine kurz bevor der VW-Abgasskandal bekannt wurde, die andere wenig später. Geschäftsführerin und persönlich haftende Gesellschafterin ist Anita Winterkorn. Der Anwalt der Familie dementierte einen Zusammenhang mit der Abgasaffäre. „Der angesprochene Sachverhalt geht zurück auf eine bereits im Jahr 2013 initiierte Neuordnung des Immobilienvermögens der Familie Winterkorn“, so Kersten von Schenck im März vergangenen Jahres gegenüber der „Welt am Sonntag“. Ein Zusammenhang mit Vorgängen bei Volkswagen bestehe nicht. „Mit den Beurkundungen aus August und Oktober 2015 wurde das seinerzeit beschlossene Konzept umgesetzt.“
     




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