Daten statt Bauchgefühl

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    Robo-Advisor: Wenn der Vermögensverwalter im Computer steckt

    Daten statt Bauchgefühl - Robo-Advisor: Wenn der Vermögensverwalter im Computer steckt

    Digitale Vermögensverwaltung ist die derzeit wohl entspannteste Methode der Geldvermehrung. Je nach Risikotyp trifft der Robo-Advisor die Anlageentscheidungen – Emotionen oder Bauchgefühle spielen keine Rolle. Und das zahlt sich aus.

    In der Uni gehört es zum Standardprogramm für angehende Wirtschaftswissenschaftler: die Lehre des rational handelnden Menschen. Der Homo Oeconomicus strebt stets nach dem höchsten Nutzen, völlig ungeachtet seiner jeweiligen Gefühlslage. Dass dem nicht immer so ist, ahnen viele Studenten bereits in den ersten Semestern – oder sie erfahren es am eigenen Leibe, wenn sie zum Beispiel Geld in Aktien anlegen. „Bei Gewinnen zu schnell zu verkaufen und eisern an fallenden Kursen festzuhalten: typische Fehler, die durch emotionales Handeln entstehen“, sagt Birte Rothkopf. Die Finanzexpertin hat in der Fachdisziplin „Behavioral Finance“ promoviert, die sich mit der Psyche des Menschen in Geldfragen befasst.

    Rothkopf zog die Lehre, dass Emotionen in der Geldanlage nichts zu suchen haben – und gründete den digitalen Vermögensverwalter Whitebox, heute einen der erfolgreichsten Robo-Advisor. Das Start-Up gehört zu einer wachsenden Gruppe an Online-Vermögensverwaltern, die das Geld von Sparern vermehren, indem sie auf datengetriebene Analysen setzen – ganz ohne Emotionen.

    Auch Finanzprofis lassen sich von Emotionen leiten

    Während Gefühle ein soziales Miteinander überhaupt erst möglich machen, können sie bei finanziellen Entscheidungen so manches Mal zum Verhängnis werden. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das Brexit-Votum im Juni vergangenen Jahres. Rund um den Wahlausgang hatte sich gezeigt, wie angreifbar die Festlegungen vieler Finanzexperten im Vorfeld waren. Denn trotz entsprechender Prognosen hatten die wenigsten Portfoliomanager ernsthaft mit einem EU-Austritt Großbritanniens gerechnet. Sie ließen sich von ihrem Bauchgefühl beeinflussen. Ein fataler Fehler – bei den meisten Hedgefonds kam es zu Verlusten.

    Nicht so jedoch bei jenen, die sich auf ihre Trading-Programme und ausgeklügelten Risikomodelle verließen. Gänzlich unbeeindruckt von der politischen Grundstimmung legten die Robo-Advisor das Geld an. Mit Erfolg: Nicht nur, dass Verluste dank der Algorithmen und Datenanalysen zum großen Teil abgewehrt werden konnten. Nein, hier und da wurden sogar erfreuliche Gewinne erzielt.

    Einer Umfrage der „Welt am Sonntag“ zufolge haben auch die hiesigen Robo-Advisor ihren Brexit-Test mit Bravour bestanden. Demnach musste kein Kunde der rund zwölf deutschen Anbieter mit einem Minus aus dem Referendum gehen.

    Wie erfolgreich die Online-Vermögensverwalter wirtschaften, zeigt auch ein Echtgeld-Test von Brokervergleich über mehrere Monate. Der schwächste Anbieter kommt immerhin noch auf ein Plus von 4,7 Prozent, ganz vorne liegt Whitebox mit 9,5 Prozent.   

    Niedrige Kosten als erster Schritt zu mehr Ertrag

    Bevor das Geld angelegt wird, klopfen die Online-Vermögensverwalter die Risikoneigung der Kunden ab. Statt eines Bankberaters gibt der Kunde seine Präferenz online ein – auch ein Grund, weshalb die Gebühren wesentlich günstiger sind als bei klassischen Anbietern. Wer sein Geld lieber konservativ investiert haben will, der ist bei den Robos ebenso gut aufgehoben wie renditeorientierte Anleger. Die Programme erkennen die Vorlieben ihrer Kunden, indem sie zunächst das Sparverhalten abfragen. Nach der Auswertung werden passende Anlagestrategien empfohlen. Je nach Marktlage werden, zumindest bei den meisten Vermögensverwaltern mit BaFin-Lizenz, Anpassungen in den Kundenportfolios vorgenommen.

    Bei der Produktauswahl setzen die Anbieter auf passiv gemanagte Indexfonds (ETFs), deren breite Streuung das Verlustrisiko minimal halten soll. Da sich ETFs fast von allein verwalten, bieten sie zudem ein enormes Sparpotential gegenüber aktiv gemanagten Fonds. Zusammen mit den verhältnismäßig niedrigen Robo-Gebühren ist diese Art des Sparens auch schon bei sehr kleinen Anlagevolumina profitabel.

    Traditionsbanken hängen hinterher

    Whitebox verfügt als einer der wenigen Anbieter über eine BaFin-Lizenz und kann so aktiv in die Zusammensetzung der Portfolios eingreifen. So schraubte Whitebox im vergangenen Jahr dank seiner umfassenden Analyse den Anteil von Aktien und Anleihen aus Schwellenländern hoch, die denn auch zu den großen Gewinnern zählten. „Unsere Anlagemethode hat sich in der Praxis bewährt: ein globales Portfolio, niedrige Gebühren, dazu der Kauf fundamental starker Anlagen, die am Markt unterbewertet sind“, sagt Whitebox-Mitgründerin Salome Preiswerk. „Daten statt Emotionen – eingesetzt nach den neuesten finanzwissenschaftlichen Methoden.“ Die Schweizerin hatte lange Zeit selbst als Strategieberaterin für Banken gearbeitet und früh das Potential der digitalen Vermögensverwaltung erkannt. Entstanden ist Whitebox.

    Bis heute handelt es sich bei den meisten Anbietern eher um kleinere Startups, mit deren Plattformen sie ihren Kunden den Handel mit Wertpapieren ein Stück weit näherbringen wollen. Neben Whitebox sind es in Deutschland um die zwölf Robo-Advisor, darunter, LIQID, growney, Scalable, Easyfolio, Vaamo, Visualvest und Ginmon.

    Die Großbanken versuchen derweil, auf den Zug aufzuspringen. Die Commerzbank verkündete Ende letzten Jahres, sich dem Thema bald annehmen und für die Online-Tochter Comdirect einen eigenen Investment-Roboter auf die Beine stellen zu wollen. Die Deutsche Bank schaffte dies schon ein Jahr zuvor. Ihr „AnlageFinder“ entpuppte sich jedoch als Flop. 



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