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Rendite dank Robos Whitebox-Gründerin Salome Preiswerk: „Ein Sparkonto ist das größte Risiko“

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24.01.2017, 10:55  |  10971   |   

Robo-Advisor erwirtschaften satte Renditen, weil sie auf wissenschaftliche Methoden setzen. Im Gespräch mit wallstreet:online verrät Whitebox-Mitgründerin Salome Preiswerk, wie sie gleich im ersten Jahr fast 20 Prozent Rendite erwirtschaftet hat.

Frau Preiswerk, Sie haben gerade die Renditen für das erste Jahr veröffentlicht. Die Kundengelder haben zwischen 5,2 und 19,6 Prozent zugelegt. Wie haben Sie das gemacht?

Salome Preiswerk: Ganz kurz gesagt: Führende, aktuelle Wissenschaft in ein weltweites Portfolio gegossen. Aus unserer Sicht die beste Methode auf dem Markt, sein Geld zu vermehren.

Was heißt das?

Preiswerk: Wir gehen an die Geldanlage sehr rational ran: ein globales und über viele Anlageklassen gestreutes Portfolio, niedrige Gebühren, Daten statt Emotionen.

Das wüssten wir gern genauer.

Preiswerk: Unser hoch-wissenschaftlicher Anlageansatz verbindet das Beste aus zwei Welten: aktives Risikomanagement, umgesetzt mit passiven Produkten. Dabei spielt auch unser Value-Ansatz eine entscheidende Rolle: Der Kauf fundamental starker Anlagen – Anlagen also, die unter ihrem fairen Wert gehandelt werden – ist unseres Erachtens eines der effektivsten Mittel, um Risiken zu managen. Bei uns gilt: Risiko runter, Rendite rauf!

Sie sagen, Sie seien ein „echter Vermögensverwalter“. Was heißt das?

Preiswerk: Manche Robo-Advisor bieten lediglich starre Portfolios mit einer festen Quote von beispielsweise Anleihen und Aktien an. Dort passiert also nach dem Festlegen besagter Quote konkret: nichts. Derartige Portfolios gibt es auch gratis. Nur ein Anbieter mit BaFin-Lizenz darf im Zeitverlauf aktiv auf die Portfoliozusammenstellung einwirken – wobei das längst nicht alle tun. Diese Aktivität ist jedoch dringend nötig. Denn ohne Aktivität kein Risikomanagement. Und Risikomanagement ist das A und O in der Geldanlage. Wir greifen also aktiv – aber ausdrücklich nicht aktivistisch – in die Portfolios ein.

Wo zum Beispiel?

Preiswerk: Konkret haben unsere Kunden zum Beispiel davon profitiert, dass wir die Anleihenquote im zweiten Halbjahr 2016 gesenkt haben – was bei starren Portfolios nicht möglich gewesen wäre. Oder stellen Sie sich vor, ein starres Portfolio hat einen hohen Anteil an US-Aktien. Dann frohlockt man vielleicht kurzfristig, wenn der irrationale Trump-Effekt einsetzt – wenn jedoch unsere Berechnungen der Fundamentalwerte zutreffen, sollte man längerfristig sehr skeptisch sein und die Quote entsprechend reduzieren. Ein starres Portfolio kann solche Aspekte – die sich über die Zeit zudem verändern können –  naturgemäß nicht reflektieren. Unser Ansatz wird sich gerade in „schlechteren“ Zeiten und über einen längeren Zeitraum voll ausspielen.

Aus welchem Grund ist Whitebox hauptsächlich auf ETFs ausgerichtet?

Preiswerk: Wir sind Datenfreunde. Und die Finanzmarktforschung zeigt, dass ETFs, die einen Index abbilden, in der Regel bessere Renditen abwerfen, als wenn man einzelne Titel herausfischt oder versucht, den Markt zu timen. Rendite heißt für uns auch: Kosten minimieren! Und da sind passiv verwaltete Produkte wie ETFs deutlich im Vorteil.

Ist es für Sparer nicht günstiger, sich selbst passende ETFs zusammenzusuchen?

Preiswerk: Nein. Ein Portfolio ist auch nicht einfach die Summe von vermeintlich „guten“ Einzelprodukten. Es kommt auf die Zusammenstellung an, zu über 90 Prozent. Die wenigsten Privatanleger sind in der Lage, diese Aufgabe zu bewältigen – weder zeitlich noch inhaltlich. Zudem: Unsere Gebühren starten bei 0,35 Prozent und beinhalten alles, was man zum erfolgreichen Anlegen braucht: etwa eine professionelle Portfoliokonstruktion und Produktauswahl, ein handels- und steuereffizientes Rebalancing sowie die Konto- und Depotführung. So günstig wie heute war eine professionelle Vermögensverwaltung noch nie.

„Vermögensverwaltung“ klingt aber erst einmal nach größeren Einkommen. Zielen Sie nur auf Spitzenverdiener? Oder lohnt es sich auch für kleinere Vermögen?

Preiswerk: Eine professionelle Vermögensverwaltung macht eigentlich für jeden Sinn – nur gab es sie bislang eben nicht für jeden. Diese Lücke schließen wir. Mit unserer Plattform können wir unsere sehr breite Diversifikation – wir arbeiten gegenwärtig mit 23 Anlageklassen – auch für kleinere Beträge anbieten. Ob es sich für diese auch lohnt? Ja klar. Rechnen Sie doch mal: Hätten Sie im Januar 2016 bei uns 100.000 Euro angelegt, hätten Sie bei einer mittleren Risikoneigung heute 14.400 Euro Gewinn auf dem Konto – 14,4 Prozent Rendite. Bei 10.000 Euro wären es eben 1.440 Euro. Haben oder nicht haben?

Ist Ihr Robo-Advisor eher was für risikoscheue oder für renditeorientierte Anleger?

Preiswerk: Seltsamerweise setzen manche Risikomanagement mit Risikofreude gleich. Doch Risikomanagement heißt, dass wir für jeden Risikoappetit – egal ob groß oder klein – das Risiko- und Renditeprofil optimieren. Also mehr Rendite bei gleichem Risiko oder eben weniger Risiko bei gleicher Rendite. Das müsste eigentlich alle, aber gerade auch die – nennen wir sie – Risikobewussten erfreuen. Den Risikoappetit wiederum bestimmen unsere Kunden pro Anlageziel jeweils individuell. Aber wissen Sie, was für mich das größte Risiko ist? Das Geld einfach nullverzinst auf dem Sparkonto zu lassen: Da haben Sie nämlich jedes Jahr ein schönes Minus durch die Inflation – und das garantiert.

Das heißt für Anleger?

Preiswerk: Die Inflation könnte nach Schätzung der Bundesbank im Januar schon die zwei Prozent knacken. Das heißt für mich: Angelegtes Geld sollte eine gute Rendite erwirtschaften. Gleichzeitig rechnen wir an den Märkten weiterhin mit einiger Unruhe. Deshalb ist eine rationale und ruhige Anlagestrategie nötig, die Risiken minimiert. Genau das bietet Whitebox.

Welche Ziele hat sich Whitebox für das zweite Jahr am Markt gesetzt?

Preiswerk: 2017 wird ein aufregendes Jahr. Wir merken, wie schnell sich unsere Arbeit herumspricht. Und deshalb arbeiten wir mit voller Kraft daran, Whitebox noch besser und bekannter zu machen. So haben wir die Anmeldung neuer Kunden vereinfacht und voll digitalisiert. Seit Januar steht Whitebox nun auch Firmenkunden und Stiftungen zur Verfügung. Gemeinnützige Stiftungen können sogar zu besonders günstigen Konditionen investieren. Sie profitieren durchgängig von einer Verwaltungsgebühr von 0,35 Prozent.

Frau Preiswerk, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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