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Forex-Report Grundsätzliches zum USD – Europas Daten „spitze“!

Gastautor: Folker Hellmeyer
01.02.2017, 10:28  |  1656   |   |   

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.0783 (07.46 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.0685 im europäischen Handel markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 113.30. In der Folge notiert EUR-JPY bei 122.15. EUR-CHF oszilliert bei 1.0686. 
 
Der US-Handelsberater Navarro griff Deutschland an. Deutschland würde den krass unterbewerteten Euro nutzen, um Vorteile gegenüber den USA und anderen Partnern in der EU herauszuschlagen. In der Folge verlor der USD gegenüber dem Euro an Boden. Wir haben an dieser Stelle mehrmals darauf verwiesen, dass die USA mit der Agenda Trumps kein Interesse an einem festen USD haben können, wenn sie es mit der Reindustrialisierung ernst meinten.  Die US-Kritik ist fundamental durchaus berechtigt, denn der Euro ist unterbewertet.  
 
Das jedoch solitär auf die Politik Europas zu reduzieren, ist absolut unangebracht.  Herr Navarro sollte sich einmal damit auseinandersetzen, was der internationale Wirtschaftsmedienchor als auch die westlichen Ratingagenturen bezüglich der strukturellen Schwächen der USA latent ausblenden, um jede noch so kleine Problematik der EU und Eurozone in den Fokus zu rücken.  Wenn wir beispielsweise öffentliche Haushaltsprobleme in Europa haben, brechen wir laut Expertenmeinung aus den USA und UK (und auch in Teilen aus der EU) zusammen. Wenn die USA sie haben, ist es irrelevant. Wenn wir diese Probleme lösen, spricht man außerhalb Bremens kaum davon. Wenn sich daraus eine massive Divergenz in der Bewertung der Qualität der wirtschaftlichen Expansion zu Gunsten Europas ergibt, sind wir hier nach meinem Kenntnisstand die einzigen Teilnehmer, die das auch aufnehmen, um jedoch kaum mediale und damit breite Resonanz auszulösen.   Es ist genau diese Asymmetrie, die ein wesentlicher Hintergrund für die Schwäche des Euros ist. Mehr noch täte der gute Herr Navarro sich einen Gefallen, sich mit Herrn Trump zusammenzusetzen, der ja gerade das Scheitern Europas vollmundig und lautstark thematisierte. So was macht den USD stärker … Das ist aber auch nur eine von vielen Facetten dieses Gesamtkomplexes. Fakt ist bezüglich Deutschlands, dass wir circa 1300 der 2700 „Hidden Champions“ stellen.  Anders ausgedrückt stellen wir mit 1,1 Prozent der Weltbevölkerung 48 Prozent der „Hidden Champions“. Die Welt will diese Qualität. Was wir von den USA hören ist quantitatives Getöse, ohne den qualitativen Hintergrund auch nur in zarten Ansätzen ernst zu nehmen. Das ist nicht nur unprofessionell, es ist dreist, denn im Hintergrund bemüht sich das US-Kapital, unsere Marktführer aufzukaufen (Blackrock, Buffett  & Co.). Es gibt aber noch einen Aspekt der bezüglich des USD von höchster Relevanz ist. Die USA nehmen gerne die Vorteile des Status der Weltleitwährung an, um nach Belieben Handelsbilanzdefizite zu fahren oder keine Konsequenzen für liederliche öffentliche Haushaltsführung befürchten zu müssen. Wer diese Seite der Medaille für sich nutzt, muss auch die andere Seite der Medaille ertragen oder in Kauf nehmen. 
 
Fazit:  Die intellektuelle Inkontinuität dieses Anwurfes ist erheblich -  sie erfordert sensible und intellektuell unbestechliche Antworten. 

Europas Daten setzen sehr starke unerwartete positive Akzente! 
 
Die wirtschaftliche Expansion nimmt in der Eurozone Fahrt auf, Brexit hin oder Trump her. Die Basis der Expansion ist maßgeblich basierend auf Einkommen, sie ist damit von hoher Qualität im Gegensatz zu den USA und sie ist vor diesem Hintergrund auch widerstandsfähig(er). Den Erwartungen entsprechend legte das BIP der Eurozone laut vorläufigen Berechnungen per 4. Quartal 2016 um 0,5 Prozent im Quartalsvergleich zu. Der positive Akzent wurde durch die Revision des Vormonatswerts von 0,3 Prozent auf 0,4 Prozent geliefert. Damit kam es in den letzten beiden Quartalen zu einem Wachstum um 1,8 Prozent im Jahresvergleich. 
 

© Reuters 

Arbeitsmarktdaten sind nachlaufende Indikatoren- Die Arbeitslosenquote der Eurozone sank vom Mainstream völlig unerwartet um 0,1 Prozent auf 9,6 Prozent, da der Vormonatswert unerwartet von 9,8 Prozent auf 9,7 Prozent revidiert wurde. Die Prognose lag bei 9,8 Prozent. Damit wurde die niedrigste Quote seit Mai 2009 markiert! Innerhalb von 12 Monaten sank die Anzahl der Arbeitslosen um, 1,3 Millionen. Die Quote sank in diesem Zeitraum von 10,5 Prozent auf jetzt 9,6 Prozent. 
 

© Reuters 

Auch die deutsche Arbeitslosenquote sank in der saisonal bereinigten Fassung. Es kam zu einem Rückgang der Quote von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent (Prognose 6,0 Prozent). 
 
Auch an der Preisfront kommt es zu unerwarteten Entwicklungen.  Die Verbraucherpreise legten laut Erstschätzung per Januar im Jahresvergleich um 1,8 Prozent (Prognose 1,6 Prozent) nach zuvor 1,1 Prozent zu. Im Januar 2016 lag der Anstieg bei 0,3 Prozent. Innerhalb der Jahresfrist ist es zu einer Zunahme um 1,5 Prozent gekommen. Das Verbraucherpreisniveau hat damit den höchsten Wert seit Anfang 2013 erreicht. 

© Moody’s Analytics 

Wir sind durchaus erstaunt, dass der EZB-Rat diese vor 12 Monaten überhaupt nicht erwartete Entwicklung ernster nimmt. Das gilt für das Wachstum, den Arbeitsmarkt und die Preisentwicklung. Alles wurde so nicht erwartet und man ist in diesem Gremium nicht bereit, diese Veränderungen auch in veränderte Handlungsmuster umzusetzen? Fragen, viele Fragen müssen gestellt werden! 
 
Die Daten aus den USA bestätigen uns! 
 
Nachdem die US-Sentimentindikatoren durch die Decke gingen, ohne dass die harten Fakten Bewegung zeigten, kommt es jetzt zu einer ersten ansatzweisen Einengung dieser Divergenz. Sentiment mag glücklich machen, es kann einen aber nicht solitär ernähren. Dafür bedarf es harter „Cash Flows“, die nur den harten Daten folgen. 
 
Das notorisch volatile Verbrauchervertrauen nach Berechnung des Conference Board sank. Der Index fiel vom 16 Jahreshoch bei 113,3 Punkten (revidiert von 113,7) auf 111,8 Zähler. Die Prognose lag bei 112,9 Punkten. Aber auch die Einkaufsmanager aus Chicago spüren ansatzweise einen „Blues“. Der Index sank von zuvor  53,9 (revidiert von 54,6) auf 50,3 Punkte und markierte damit den tiefsten Stand seit 11 Monaten. Die Prognose lag bei 55,0 Punkten. 
 
Hinsichtlich der Nachrichtenlage und der Datenlage ist die Reaktion in dem Währungspaar EUR-USD als äußerst moderat zu klassifizieren.    
 
Aktuell ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Erst ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0350-1.0320 dreht den Bias zu Gunsten des USD. 
 
Viel Erfolg! 



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