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Rohstoffe: Gold stark gefragt, Öl unter Druck
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Rohstoffe Gold stark gefragt, Öl unter Druck

Gastautor: Eugen Weinberg
07.02.2017, 14:47  |  1834   |   |   

Energie: Die Ölpreise sind gestern um bis zu 2% gefallen. Brent handelt am Morgen unterhalb von 56 USD je Barrel, WTI bei rund 53 USD je Barrrel. Ein festerer US-Dollar und der erneute Anstieg der Ölbohrungen in den USA setzten die Preise unter Druck. Zudem lastet das rekordhohe Niveau an spekulativen Netto-Long-Positionen auf den Preisen. Wie die ICE gestern berichtete, stiegen die Netto-Long-Positionen der spekulativen Finanzanleger bei Brent in der Woche zum 31. Januar um weitere 30,2 Tsd. auf 472,6 Tsd. Kontrakte. Bereits am Freitag hatte die CFTC in derselben Berichtswoche bei WTI einen Aufbau um 7,6 Tsd. auf 374,5 Tsd. Kontrakte vermeldet. Zusammengenommen liegen die Netto-Long-Positionen damit bei knapp 850 Tsd. Kontrakten, was umgerechnet fast 850 Mio. Barrel, dem 1,7-fachen der nahezu rekordhohen US-Rohöllagerbestände oder fast neun Tagen des weltweiten Ölverbrauchs entspricht. Wenn die Ölpreise nicht weiter steigen, erleiden die Finanzanleger aufgrund der am vorderen Ende steigenden Terminkurve Ertragseinbußen. Aus diesem Grund dürften insbesondere die zuletzt eingestiegenen Anleger ihre Long-Positionen wieder abstoßen, wenn sich ihre Erwartung an steigende Preise nicht erfüllt. Bislang war es allerdings so, dass Preisrückgänge von anderen Marktteilnehmern als Kaufgelegenheit erachtet wurden und somit begrenzt blieben. Dies dürfte vermutlich so bleiben, solange es nicht zu einem Ausbruch nach unten aus der aktuellen Handelsspanne von 54,0-57,5 USD je Barrel kommt.

Produktideen: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD4H72 Long WTI Light Crude Future Mar 2017 Faktor: 4
CD4H79 Short WTI Light Crude Future Mar 2017 Faktor: -4

Edelmetalle: Eine höhere Risikoaversion der Marktteilnehmer, die sich unter anderem in fallenden Aktienmärkten widerspiegelte, ließ den Goldpreis gestern einen Satz nach oben machen. Das gelbe Edelmetall verteuerte sich um 1,2% auf ein 3-Monatshoch von 1.235 USD je Feinunze. Selbst ein festerer US-Dollar konnte den Preisanstieg nicht verhindern. Die aufwertende US-Währung führte dazu, dass Gold in Euro gerechnet noch stärker um 1,6% auf 1.150 EUR je Feinunze zulegte, ebenfalls ein 3-Monatshoch. Der Anstieg setzt sich heute Morgen fort. Im Fahrwasser von Gold zogen auch die anderen Edelmetalle an, wobei Palladium mit einem Plus von über 3% hervorstach. Die Marktteilnehmer zeigen sich wohl vor allem besorgt über die Auswirkungen der Politik des neuen US-Präsidenten Trump. Daneben werfen offenbar bereits die Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April ihre Schatten voraus. Denn dort dürften Anti-Establishment-Kräfte nach der Veruntreuungsaffäre des bisherigen Favoriten Fillon deutlichen Zulauf erhalten. Der weltweit größte Gold-ETF, SPDR Gold Trust, registrierte auch gestern Zuflüsse von gut vier Tonnen. Die US-Münzabsätze verzeichneten im Januar einen ähnlich guten Jahresstart wie ein Jahr zuvor. Daten der US-Münzanstalt zufolge wurden letzten Monat 117,5 Tsd. Unzen Goldmünzen verkauft, gut 5% weniger als im Vorjahr. Die Absätze von Silbermünzen lagen mit 5,13 Mio. Unzen knapp 14% unter dem Vorjahreswert. Zudem wurden 20 Tsd. Unzen Platinmünzen verkauft, nachdem die US-Münzanstalt hier ein neues Verkaufsprogramm aufgelegt hatte.

Produktideen: Unlimited Turbo-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CE77WE Bull Palladium Hebel: 10,2
CN2BYA Bear Palladium Hebel: 7,4

Industriemetalle: Die Metallpreise haben gestern fast alle ihre anfänglichen Verluste wieder aufgeholt und teilweise sogar deutlich im Plus geschlossen. Zum heutigen Handelsstart zeigen sie sich wieder von ihrer schwachen Seite. Während der festere US-Dollar gestern offenbar kaum eine Rolle gespielt hat, ist er heute Morgen der größte Belastungsfaktor. Die höchste Volatilität verzeichnete einmal mehr Nickel. Nach einem Plus von über 2% gestern, gibt das hauptsächlich in der Edelstahlindustrie verwendete Metall am Morgen etwa 1% nach. Die Minenkammer auf den Philippinen hat davor gewarnt, dass die angekündigten Minenschließungen mehr als 1,2 Mio. Leute in die Armut treiben und Investitionen von 22 Mrd. USD im Land verhindern könnten. Noch unklar ist, ob Lagerbestände exportiert werden dürfen, was die bevorstehenden Angebotsausfälle auf den Philippinen etwas abfedern würde.
Negativ hat gestern Zinn herausgestochen, das um knapp 3% auf gut 19.000 USD je Tonne gefallen war. Aussagen des größten indonesischen Zinnproduzenten, PT Timah, wonach Indonesien in diesem Jahr etwa 60 Tsd. Tonnen Zinn exportieren dürfte, gaben dem Zinnpreis keine Unterstützung. Die erwarteten Ausfuhren könnten nochmals unter dem schon schwachen Vorjahresniveau (63,6 Tsd. Tonnen) liegen, das ein 13-Jahrestief dargestellt hatte. Der globale Zinnmarkt dürfte daher weiter unterversorgt sein, was eigentlich für höhere Preise spricht.

Produktidee: Classic Turbo-Zertifikat
WKN Typ Basiswert Merkmale
CE4QLR Bull Copper Future Mar 17 Hebel: 5,7
CE5NRK Bear Copper Future Mar 17 Hebel: 3,3

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Rechtliche Hinweise: Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise. Bitte beachten Sie zusätzlich den wichtigen Hinweis zu allen abgebildeten Charts und Kursverläufen: Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

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Eugen Weinberg
Leiter Rohstoffanalyse, Commerzbank AG

Eugen Weinberg leitet seit März 2007 das Rohstoff-Research-Team bei der Commerzbank. Der Diplom- Wirtschaftsmathematiker ist in Russland geboren, kam im Jahr 1999 für ein MBA-Studium nach Deutschland. Danach war er als Fondsmanager und Rohstoffanalyst bei der BW-Bank in Stuttgart beschäftigt und baute im Anschluss den Bereich Rohstoff-Research bei der DZ Bank in Frankfurt auf. Bei der Commerzbank ist er mit seinem Team maßgeblich für die Erstellung der Prognosen und der Strategien im Rohstoffsektor verantwortlich.

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