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3 „Pennystocks“, die man sich jetzt mal anschauen kann

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
27.02.2017, 08:28  |  29590   |   |   

Von Pennystocks, also Aktien die weniger als ein Euro wert sind, sollte man normalerweise seine Finger lassen, wenn man es ernst meint mit dem Anlegen.

Meistens stecken Unternehmen dahinter, deren Fortbestand akut gefährdet ist und die nur noch von hartgesottenen (oder naiven) Zockern gehandelt werden.

Aber nicht alle kleine Unternehmen sind gefährlich oder nur für Zocker. In der Tat, können viele kleine Unternehmen (und seine Aktien) sehr gute Investitionen sein. Um Verwirrung zu vermeiden, nennen wir diese Unternehmen statt „Pennystocks“ Microcaps.

Und heute, ich habe drei solche Microcaps genauer angeschaut (alle genannten Kurse vom 17.02.).

Das macht interessante Microcaps aus

Für manche ist es der Reiz des potenziell schnellen Gewinns, ähnlich wie etwa bei Sportwetten. Davon raten wir Fools aber strickt ab. Pennystocks kommen nur in Ausnahmefällen in unser Visier, wenn das dahinterstehende Unternehmen echtes Potenzial hat, um langfristig wieder ein solides Unternehmen zu werden. Und wie gesagt, dann nennen wir sie Microcaps.

Der Markt ist oft übertrieben nachtragend, wenn ein Unternehmen in früheren Jahren enttäuscht hat, selbst wenn effektive Maßnahmen zur Stabilisierung bereits eingeleitet wurden.

Im letzten Jahr hatte ich mir QSC (WKN:513700) (Artikel vom 17.6.2016) und Mologen (WKN:663720) (Artikel vom 29.6.2016) angeschaut, die beide zeitweise an der Euromarke kratzten. Heute pendelt QSC um 2 Euro und Mologen ist sogar auf weit über 3 Euro hinausgeschossen. Das muss bei beiden noch nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Bei Microcaps hat jeder die Möglichkeit, sich seine ganz eigene Meinung bezüglich der Zukunftschancen zu bilden, weshalb es riesige Bewertungsunterschiede gibt. Der richtige Gedanke — also einsteigen oder fernbleiben — kann Gold wert sein.

Microcap Nr. 1: Gigaset

Das Siemens-Spin-off Gigaset (WKN:515600) ist ein Marktführer bei der drahtlosen Festnetz-Telefonie. Weil dieses Geschäft seine besten Tage hinter sich hat, werden seit einiger Zeit neue Märkte entwickelt. Zum Beispiel hatte das Management die Hoffnung, dass unter dem Stichwort „Internet der Dinge“ etwas gehen könnte. Die funkenden Sensorelemente schlugen aber bisher nicht so richtig ein.

Sogar mit richtigen Mobiltelefonen hat man es versucht, nachdem 2013 ein chinesischer Investor eingestiegen war. Vom Erstmodell konnten aber trotz recht guter Testergebnisse nur wenige Exemplare abgesetzt werden. Schon Mitte 2016 wurde die Einstellung der Produktlinie diskutiert. Aber Ende 2016 wurde ein neues Modell vorgestellt, das mit guter Ausstattung zum günstigen Preis Käufer sucht.

Die Strategie von Gigaset besteht jetzt darin, das durchaus erfolgreiche aber noch relativ kleine Geschäft mit Business-Kunden auszubauen, im Bereich der sicherheitsorientierten Heimvernetzung den Vertrieb stärker aufzustellen und als „Taktgeber“ (!) neue Kommunikationslösungen zu entwickeln, wohl vor allem rund um die IP-Telefonie. Gemeinsam mit neuen Partnern soll dann wieder ein stabiler Wachstumskurs eingeschlagen werden.

Dank umfassender Sparmaßnahmen über die letzten Quartale sah es zuletzt auf der Ergebnisseite freundlicher aus, sodass die schwarze Null in Sichtweite ist. Wenn jetzt auch der Umsatz noch in die Gänge käme, könnte Gigaset die Pennystock-Zone bald verlassen. Ansonsten sieht es bei einer Eigenkapitalquote von 0,9 % zum 30.9. ganz schön düster aus.

Microcap Nr. 2: NEL asa

Mit NEL (WKN:A0B733), einem Spin-off von Norsk Hydro, kommen wir zu einem meiner Lieblingsthemen, der Wasserstoffwirtschaft. Die Norweger sind eigentlich gar keine Pennystock, denn an der Heimatbörse ist sie derzeit etwa 2Nnorwegische Kronen wert. An der Börse Stuttgart pendelt die Aktie aber entsprechend um den Wert von 20 Eurocent. Das sah früher mal ganz anders aus, aber zwischenzeitlich haben eine Reihe von Kapitalerhöhungen den treuen Anteilseignern mächtig zugesetzt.

Aber was früher war, muss alle anderen nicht kümmern. Schließlich wurde das eingesammelte Geld eingesetzt, um sich bestmöglich im Markt zu positionieren. Von der Erzeugung von Wasserstoff bis zur Tankstelle hat das Unternehmen heutzutage ein umfassendes Technologie- und Lösungsportfolio.

Dass man insgesamt auf gutem Weg ist, zeigen die jüngsten Aufträge. Im Februar wurde gemeldet, dass Island NEL ausgewählt hat, um das Inselreich schrittweise mit entsprechender Infrastruktur auszustatten. Die Tankstellenfertigung soll bald in Serie übergehen. Außerdem wird aktuell mit dem Partner SunPower ausgelotet, ob aus einer integrierten Kombination von Photovoltaik und Wasserstoff ein Geschäftsmodell werden kann. Im Projektgeschäft beabsichtigt NEL eine Allianz mit dem Spezialisten für leichte Hochdruck-Gasbehälter Hexagon Composites und dem Brennstoffzellen-Hersteller PowerCell Sweden.

Das Orderbuch ist nun prall gefüllt und lässt gemeinsam mit dem insgesamt reif werdenden Marktumfeld auf gutes Umsatzwachstum für die kommenden Jahre hoffen. Noch reicht es allerdings nicht aus, um auch profitabel zu sein. Eine operative Marge von minus 48 % im vergangenen Jahr ist Grund zur Sorge, auch wenn der Wert im 4. Quartal auf minus 11 % reduziert werden konnte. Andererseits konnten die flüssigen Mittel der nur gering verschuldeten Skandinavier auf einem Niveau des zweifachen Umsatzes stabilisiert werden, sodass eine weitere Kapitalerhöhung vorerst wohl nicht notwendig sein wird.

Microcap Nr. 3: Air Berlin

Vielleicht das umstrittenste der drei hier vorgestellten Unternehmen ist Air Berlin (WKN:AB1000). Die Fluglinie bereitet allen betroffenen Interessengruppen bereits seit vielen Jahren Kopfschmerzen. Das schwächelnde Fluggastaufkommen, der Preisdruck und hohe Sanierungskosten im Jahr 2016 setzte den Berlinern zu und es wird offen von einer Konkursgefahr gesprochen. Allein im 3. Quartal 2016 stand am Ende ein Verlust von 45,6 Mio. Euro in den Büchern.

Um diese abzuwenden werden aktuell mit Hochdruck neue Geldmittel eingeworben. Inhaber der auslaufenden Wandelschuldverschreibung werden aufgefordert, diese in länger laufende neue Papiere umzutauschen, die happige 8,5 statt zuvor 6,0 % bezahlen und zudem das Recht beinhalten, zum Kurs von 1,15 Euro in Aktien der Gesellschaft zu wandeln.

Zusätzlich verkaufte die Gruppe im Dezember die Fluggesellschaft NIKI an Etihad und vereinbarte mit der Lufthansa ein Leasing-Geschäft über 38 Flugzeuge. Gleichzeitig wurde mit Thomas Winkelmann mal wieder ein neuer Chef bestellt, der das Ruder nun endlich herumreißen soll. Sein Vorgänger warf freiwillig das Handtuch.

Die bevorstehenden Aufgaben sind alles andere als leicht, aber über die zuletzt eingeleiteten Maßnahmen wurde zumindest das Liquiditätspolster soweit aufgefüllt, dass Air Berlin noch mehrere Quartale in den roten Zahlen fliegen kann. Sollte die Strategie bis zum Ende des Jahres Erfolge zeigen, dann könnte aus dem Anlegeralbtraum doch noch ein kleines Märchen werden.

Microcaps sind nicht für jedermann

Sicher ist, dass man bei solchen Unternehmen ganz genau hinschauen muss. Eine Microcap aufgrund eines schnellen Tipps zu kaufen, ist keine gute Idee. Wenn du aber durch deine Kenntnisse, Analysen und Recherchen zur Erkenntnis gelangst, dass die Strategie des Managements schlüssig ist und einem Turnaround nicht mehr viel im Wege steht, dann locken hier große Gewinne.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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