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Die historische Dow Jones-Serie: bullish oder bearish?

Gastautor: Sven Weisenhaus
01.03.2017, 09:53  |  3442   |   |   

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

während die Jecken in Köln und anderswo ausgelassen feierten, haben die Anleger im Dow Jones ganze Arbeit geleistet. Bis vorgestern trieben sie den Index zwölf Mal in Folge nach oben. Das hat historische Dimensionen, denn das gab es im Dow Jones erst vier Mal. Es ist ein ganz klar bullishes Signal, weckt aber auch ungute Erinnerungen an die finstersten Ereignisse der Börsengeschichte des 20. Jahrhunderts. Aber der Reihe nach.

Nur drei ähnliche Signale in der Historie des Dow Jones!

Seit Anfang Februar geht es mit dem Dow Jones wieder aufwärts. Seitdem er dabei am 9. Februar ein neues Allzeithoch markierte und tags darauf die „Unsicherheits-Trumpet(e)“ nach oben auflöste, stieg er jeden Tag ein kleines Stückchen weiter an (gemessen am Tagesschlusskurs). Inzwischen zählen wir 12 Anstiege in Folge.

Solche Serien gab es seit dem Start des Dow Jones Index Ende Mai 1896 nur vier Mal, und zwar alle im 20. Jahrhundert. Die vorherigen drei Serien gab es am 08.07.1929, am 07.12.1970 und am 19.01.1987 (siehe Chart):

Historische Kursanstiege im Dow Jones

(Quelle: MarketMaker)

Die Jahreszahlen 1929 und 1987 dürften Sie sofort aufhorchen lassen: Eine solche Serie gab es jeweils wenige Monate, bevor die Aktienmärkte zwei ihrer spektakulärsten Einbrüche erlebten? Ist diese Serie dann nicht eher ein Menetekel als ein Bullensignal?

Brisanz und Tücken seltener Ereignisse

Solche statistischen Auswertungen sind stets zweischneidig. Umso seltener ein Ereignis auftritt, desto bedeutsamer erscheint es uns. Hinzu kommt gegebenenfalls die entsprechend große Resonanz in den Medien. Der Statistiker fühlt sich hingegen mit derart seltenen Ereignissen äußerst unwohl, denn mit einer Handvoll Daten oder noch weniger kann man keine vernünftige Analyse durchführen.

Wenn z.B. der Dow Jones auch gestern wieder steigt und damit 13 Tage in Folge gestiegen ist, dann bleibt als Vergleichswert nur die Serie von 1987 übrig. Aber natürlich folgt daraus nicht zwangsläufig, dass es diesmal ebenfalls in wenigen Monaten zu einem Crash kommt. Aber falls es dazu käme, dann ist keineswegs gesagt, dass auch dieser zwar heftig, aber nur kurz ausfällt – und die Kurse danach noch mehr als zehn Jahre weiter steigen.

Und falls die Kurse sogar 14-mal ununterbrochen nacheinander steigen, dann wäre das ein Novum in der Geschichte des Dow Jones – aus dem man zunächst einmal gar keine Schlussfolgerungen ziehen kann.

Wenn die Charttechnik mit der Statistik…

Dem Statistiker ist es daher viel lieber, er hat eine Vielzahl gleichartiger Ereignisse, aus denen sich eine klare Wahrscheinlichkeit für ein bestimmtes Szenario ableiten lässt – die idealerweise weit weg von 50 % liegt, also dem reinen Zufallsniveau.

In der Charttechnik können wir es uns aber etwas einfacher machen. Wie ich an dieser Stelle vor zwei Wochen erläutert habe, sind charttechnische Muster meist Ausdruck einer bestimmten Stimmung unter den Anlegern. Und weil derartige Stimmungen in ähnlichen Situationen sehr oft zu ähnlichen Ergebnissen führen, kann man – mit einer gewissen Vorsicht – auch aus wenigen Ereignissen einige Schlussfolgerungen ziehen, auch und gerade wenn sie so selten sind.

Im Chart oben habe ich daher die die vier Serien mit unterschiedlichen Farben dargestellt. Blaue Linien sind all diejenigen Serien, die einfach nur einen ununterbrochenen 12-Tage-Anstieg darstellen, ohne weitere Besonderheiten. Das sind zunächst einmal alle vier Serien, aber drei davon erfüllen noch weitere Kriterien. Damit bleibt nur die Serie von 1970 als „normaler“ 12-Tage-Anstieg übrig.

Wie die Statistik den intuitiven Eindruck bestätigt

Grün markiert habe ich alle 12-Tage-Anstiege, die auf einem Allzeithoch (auf Schlusskursbasis) endeten. Hier begann der Anstieg also schon, bevor der Dow Jones auf ein neues Allzeithoch ausbrach. Das trifft auf die Serie von 1929 zu. Bei den Serien von 1987 und 2017 brach der Kurs hingegen schon mit dem ersten Tag der Serie auf ein neues Allzeithoch (auf Schlusskursbasis) aus und markierte dann logischerweise auch an allen anderen Tagen ein neues Allzeithoch. Da also drei der vier Fälle (=75 %) mit neuen Allzeithochs einhergingen, scheint eine solche Serien von ununterbrochenen Anstiegen ein sehr bullishes Signal zu sein.

Diese These wird erhärtet, wenn wir zusätzlich die kürzeren Serien berücksichtigen: Bei 11-Tage-Anstiegen gehen 5 von 7 Serien mit neuen Allzeithochs einher (=71,4 %), bei 10-Tage-Anstiegen sind es 9 von 16 Serien (=56,2 %). Erst ab 9-Tage-Anstiegen unterschreitet die Zahl der Serien mit neuen Allzeithochs die 50%-Marke (15 von 33 = 45,5 %).

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