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Daimler ruft eine Million Autos zurück – müssen sich die Aktionäre sorgen?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
06.03.2017, 19:48  |  601   |   |   

Am Freitag hat es der Autobauer Daimler (WKN: 710000) mal wieder in die Schlagzeilen geschafft. Diesmal aber nicht wegen neuer Sportwagen oder innovativer Ladekonzepte für Elektroautos, sondern wegen des Alptraums aller Autoproduzenten: einem Rückruf. Welche Folgen hat das für die Aktionäre?

Was ist passiert?

Daimler musste am Freitag mehr als eine Million Autos in die Werkstätten zurückrufen, weil bei mehrmaligem Starten Brandgefahr besteht. In Deutschland sind etwa 150.000 Fahrzeuge verschiedener Klassen betroffen, in den USA sind es 354.000 Wagen. Weltweit soll es in rund 50 Fällen zu Rauchentwicklung und Feuer gekommen sein, aber es gab wohl keine Personenschäden.

Daimler fordert nun alle Besitzer der betroffenen Fahrzeuge auf, sich in den Werkstätten zu melden. Durch den Einbau einer zusätzlichen Sicherung soll das Problem innerhalb einer Stunde behoben werden.

Die praktischen Folgen für Daimler

Bislang ist noch nicht sehr viel über die Details des Rückrufs bekannt. Dennoch scheint es, als seien die Folgen überschaubar. Personen sind nach bisherigen Erkenntnissen nicht zu Schaden gekommen, der Fehler ist wohl auch eher geringer Natur. Von daher ist nicht davon auszugehen, dass in den USA Milliardenklagen und teure Prozesse drohen.

Der Aufwand für die Reparatur der Autos hält sich ebenfalls in Grenzen. Bei geschätzten Kosten von 200 Euro pro Fahrzeug würde das den Daimler-Gewinn mit etwa 250 Millionen Euro belasten. Betrachtet man das Ergebnis von 8,7 Milliarden Euro im Jahr 2016, ist das nichts, was den Konzern umwirft.

Die Wirkung des Rückrufs in der Öffentlichkeit

Eines ist klar: Kein Automobilhersteller möchte mit einer Nachricht über einen Rückruf in der Presse stehen. Gerade die Premium-Produzenten legen immer Wert auf die Qualität ihrer Autos, da passt so eine Aktion natürlich nicht besonders gut. Zumal Daimler noch vor wenigen Jahren mit dem Ruf zu kämpfen hatte, dass Mercedes-Fahrzeuge besonders früh rosten.

Nun ist diese neue Rückrufaktion erst wenige Tage alt, aber das Medienecho hält sich in Grenzen. Kein Vergleich zum Dieselskandal bei Volkswagen. Es scheint so, als würde kaum jemand von den defekten Startstrom-Begrenzern Notiz nehmen. Das ist natürlich gut für Daimler, aber warum ist das so?

Immer mehr Rückrufe in der Automobilindustrie

Die Anzahl der Rückrufe in der Automobilindustrie ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Waren es im Jahr 2011 noch 560.000 Autos, die in Deutschland in die Werkstätten mussten, so wuchs diese Zahl auf über 1,6 Millionen im Jahr 2015 – eine glatte Verdreifachung. Woran liegt das?

  • Die Technik in den Fahrzeugen wird immer komplizierter und damit anfälliger.
  • Immer häufiger bauen nicht mehr die Produzenten die einzelnen Teile des Autos, sondern lagern das an Zulieferer aus. Damit geht Kontrolle verloren.
  • Durch den Wettbewerb in der Branche steigt der Kostendruck, somit gibt es weniger Zeit, die Produkte vollausgereift auf den Markt zu bringen.

Die steigende Zahl der Rückrufe führt dazu, dass die Verbraucher zunehmend abstumpfen und die einzelnen Vorgänge kaum noch zur Kenntnis nehmen, wenn sie nicht persönlich betroffen sind. Es ist mehr oder weniger normal, dass Fehler passieren.

Die Automobilproduzenten ihrerseits betonen bei Rückrufen in der Presse auch gerne, wie besorgt sie um ihre Kunden sind und dass sie sich für deren Sicherheit verantwortlich sehen.

Die Folgen für die Aktionäre

Insgesamt also scheint diese Rückrufaktion für Daimler keine großen Auswirkungen zu haben. Die Rufschädigung wird nur sehr gering, wenn überhaupt, zu spüren sein. Der finanzielle Verlust ist für den großen Konzern Daimler verkraftbar, um hier nicht den strapazierten Begriff der Porto- oder Kaffeekasse zu benutzen.

Ereignisse wie diese bieten manchmal sehr gute Einstiegsmöglichkeiten für den Foolischen Investor. Wenn der Markt auf schlechte Nachrichten panisch reagiert, kommt es zu Kurseinbrüchen. Da sich aber an den langfristigen Aussichten für die Gesellschaft nichts geändert hat, können Anleger mit langem Horizont diese Verkäufe der „zittrigen Hände“, wie man das an der Börse gerne nennt, für sich zum günstigen Einkauf nutzen.

Am Freitag aber ergab sich diese Möglichkeit nicht. Der Kurs der Aktie stieg sogar leicht auf knapp 70 Euro. Der Markt hat also den Rückruf kaum zur Kenntnis genommen und schon abgehakt. Das sollten auch die Anleger tun und sich auf Dinge wie die Zukunft der Branche mit autonomen Fahren und Elektromobilität sowie Daimlers Beitrag dazu konzentrieren.

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Peter Roegner besitzt keine der im Text erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Daimler.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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