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Die Deutsche Bank verbrennt dein Geld besser als Snap

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
08.03.2017, 09:29  |  796   |   |   

Es ist ein ungleiches Duell: der deutsche Bankenprimus gegen die aufstrebende amerikanische Chat-App — und doch werden beide an der Börse ähnlich bewertet. Auch beim Verlustemachen sind sie auf Augenhöhe, wenn man sich die vergangene Geschäftsentwicklung ansieht. Aber was bringt die Zukunft? Ich habe ein paar aufschlussreiche Fakten zusammengetragen und zeige auf, dass sich die Chancen-Risiken-Profile von der Deutschen Bank (WKN:514000) und von Snap (WKN:A2DLMS) fundamental unterscheiden.

So gut verbrennt Snap

Snapchat wächst und das extrem schnell. Die Jugend ist begeistert von dieser mobilen App, die einfach mehr Spaß und Unterhaltung bringt, als herkömmliche Kommunikations-Tools wie Skype oder ICQ (kennt das noch jemand?). Selbst das bisher unerreichbar wirkende Facebook (WKN:A1JWVX)-Imperium wackelt bedenklich in dieser Altersgruppe.

Da Facebook an der Börse mittlerweile mit schwindelerregenden 398 Mrd. US-Dollar (alle Kurse vom 7. März) bewertet wird, könnte man meinen, dass die 25 Mrd. von Snap ein Schnäppchen sind. Andererseits hat Facebook den beschwerlichen Weg an die Spitze schon längst hinter sich und ist heute hochprofitabel.

Snap muss hingegen noch lange riesige Summen in seine Entwicklung investieren. Ob das Unternehmen überhaupt irgendwann Gewinne schreiben wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig ungewiss, was das Management im Börsenprospekt auch offen zugab. Allein 2016 fielen mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar Nettoverlust an.

Wie bei den meisten Online-Plattformen soll auch hier primär das Werbegeschäft irgendwann Abhilfe verschaffen. eMarketer schätzt, dass der globale Online-Werbekuchen von 195 Mrd. US-Dollar (2016) auf 335 Mrd. US-Dollar (2020) anschwellen wird. Das zeigt, dass neben den bereits etablierten Plattformen wie Google und Facebook sowie deren jeweiligen chinesischen Pendants durchaus noch Platz für einen weiteren Spieler wäre.

Allerdings wollen sehr sehr viele App-Entwickler dorthin kommen und die meisten bleiben dabei auf der Strecke, wie die Erfahrung zeigt. Selbst das seit Jahren unglaublich medienpräsente Twitter (WKN:A1W6XZ) schafft es nicht, vernünftige Zahlen vorzulegen.

Weil Snapchat stark auf Bild- und Videoinhalte setzt, muss auch massive Rechenzentrumskapazität vorgehalten werden. Um die App weltweit betreiben zu können, gehen allein an Google 2 Mrd. US-Dollar über einen Zeitraum von 5 Jahren. Als Backup soll eine weitere Milliarde an den Konkurrenten Amazon AWS gehen. Da wird noch einiges an Geld verbrannt!

Hierzulande denkt man beim Thema Geldverbrennen ja eher an Banken.

Die Deutsche Bank zum Vergleich

Für viele Anleger wirkt die Deutsche Bank wie ein Fass ohne Boden. Operative und juristische Probleme trafen auf widrige externe Umstände, bis zwischenzeitlich sogar über einen Zusammenbruch spekuliert wurde. Heute ist sie gerade noch 24 Mrd. Euro wert.

Kurz bevor Snap im Jahr 2011 gegründet wurde, sammelte das Bankhaus über eine Eigenkapitalerhöhung gut 10 Mrd. Euro ein. 2013 wurden 3 Mrd. und im Folgejahr weitere 8,5 Mrd. nachgelegt, also zusammen circa 21,5 Mrd. Euro über wenige Jahre — und jetzt steht für viele überraschend (Aktienkurs minus 14 % seit der Ankündigung) schon die nächste Runde über etwa 8 Mrd. Euro an. Das sind Dimensionen, da könnte Snap sicherlich noch über viele Jahre ein Feuerwerk abbrennen.

Aber das betrifft vor allem die unrühmliche jüngere Vergangenheit der Bank. Entscheidend für Anleger ist jetzt, was die Zukunft bringt und ob wir dem Chef John Cryan vertrauen. Dieser hat über die vergangenen Quartale mit dem eisernen Besen durchgekehrt, um endlich Ordnung in den Laden zu bekommen. Gleichzeitig wurden Risiken abgebaut und Strukturen vereinfacht.

Wichtig war daneben, dass die Deutsche Bank trotz der ganzen Skandale ihre Bedeutung als zentraler Partner der auf Hochtouren laufenden deutschen Exportindustrie nicht verloren hat. Die Industriekonzerne schätzen ihre weltweite Expertise, die in diesem Umfang kein anderes einheimisches Institut aufweisen kann. Darauf lässt sich jetzt aufbauen, denn auch an einer weiteren Front sind die Aussichten positiv.

Auch wenn seine Apps längst nicht so viele Nutzer wie Snapchat finden, ist das Traditionsunternehmen digital erstaunlich gut unterwegs. Im sogenannten Digital Readiness Index von Neuland lag es deutlich auf dem ersten Platz unter den Banken und Sparkassen in Deutschland. Im letzten Jahr wurden zudem 400 Fachkräfte in einer Digitalfabrik zusammengezogen, um aufstrebenden Fintechs mit eigenen Innovationen selbstbewusst entgegenzutreten.

Im besten Fall wird die kommende Kapitalerhöhung daher die letzte sein und der Konzern in der Folge endlich wieder in die Gewinnerspur kommen. Schon für 2018 erwarten Analysten wieder Milliardengewinne. Auch für solide Dividenden sollten dann wieder Mittel übrig sein.

Was brennt also besser?

Anleger von Snap können hingegen voraussichtlich noch sehr lange auf Dividenden warten. Wahrscheinlicher ist, dass sie noch das eine oder andere Mal zur Kasse gebeten werden, um das weitere Wachstum zu finanzieren. Was am Ende dieser Reise steht, kann zum heutigen Zeitpunkt keiner sagen. Dass Snap eines Tages zu den amerikanischen Tech-Schwergewichten aufschließen wird, ist sicherlich eine Möglichkeit.

Ich bin aber überzeugt, dass das Insolvenzrisiko größer ist. Meine Mathematik wäre die folgende: Im optimalen Fall verzehnfacht sich der Aktienkurs über die kommenden 5 bis 10 Jahre. Im schlechtesten Fall erleben Anleger trotz weiterer Kapitalspritzen einen Totalverlust. Würde man dem Erfolgsfall mehr als 10 % Eintrittswahrscheinlichkeit zuweisen, dann könnte Snap eine interessante Depotbeimischung sein — entscheide selbst.

Die Deutsche Bank hat hingegen allem Anschein nach das Schlimmste hinter sich. Die kommende Kapitalerhöhung wird nicht zum Verbrennen gebraucht, sondern zur Stärkung der Bilanz nach der Postbank-Integration und um die Gewinnmaschine wieder zum Laufen zu bringen. Mit einer Verzehnfachung des Aktienkurses sollte dort aber auf absehbare Zeit niemand rechnen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.



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