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Martin Schulz Agenda 2010-Kritik
Schulz kann nicht logisch denken

Gastautor: Rainer Zitelmann
09.03.2017, 11:30  |  1476   |   |   

Die SPD zieht mit der Kritik an der Agenda 2010 in den Wahlkampf. Um seinen Gesinnungswandel zu kaschieren, erklärt Sozialpopulist Martin Schulz, damals sei die Agenda richtig gewesen, heute sei sie falsch, weil es uns ja heute viel besser gehe. Ein besonders dummes "Argument"…

Wir alle kennen das aus dem Alltag: Wir haben ein Problem und erkennen die Ursachen. Wir beseitigen die Ursachen des Problems und irgendwann ist auch das Problem weg. Es geht uns wieder gut und wir vergessen, was die Gründe dafür sind, dass es uns wieder gut geht.

Ein Freund von mir hatte Probleme mit der Bandscheibe, bekam Krankengymnastik verschrieben. Die machte er brav und sehr regelmäßig, viele Monate. Die Therapie schlug an, seine Schmerzen waren deutlich gelindert - ja, fast weg. Nun wurde er nachlässig, machte seine Übungen nicht mehr. Und die Schmerzen kamen wieder.

Schulz argumentiert, die Agenda 2010 sei im Jahr 2003, als sie von Gerhard Schröder verkündet wurde, angesichts der damals sehr hohen Arbeitslosigkeit sinnvoll gewesen. Er steht vor dem Dilemma, dass er erklären muss, warum er damals die Agenda 2010 unterstützte und sie heute wieder zurückdrehen will. Dem "Spiegel" sagte Schulz, er habe die Agenda 2010 unterstützt, denn diese Reformen seien "die richtige Antwort auf eine Phase der Stagnation" gewesen. Dass es heute in Deutschland Rekordbeschäftigung gebe, sei eben auch Gerhard Schröder zu verdanken, so räumt er ein. Heute sei die Situation jedoch eine ganz andere, weil wir heute keine hohe Arbeitslosigkeit mehr hätten und es Deutschland wirtschaftlich besser gehe als damals. Deshalb (!), so sein komplett unlogischer Schluss, müsse man die Agenda nun in wesentlichen Punkten zurücknehmen.

Für mich klingt das so, wie wenn ein Mensch, der durch eine Ernährungsumstellung 20 Kilo verloren hat, erklärt: "Damals war ich dick, da war die Umstellung der Ernährung notwendig. Jetzt bin schlank, da kann ich wieder nach Herzenslust Pizza, Pommes und Torte essen. Warum soll ich darauf verzichten, wo ich doch gar nicht mehr dick bin?"

Besprechungen aus "Spiegel", "Handelsblatt" und Rundfunkinterviews zu Zitelmanns neuem Buch "Psychologie der Superreichen" finden Sie hier: http://psychologie-der-superreichen.de/presse

Lesen Sie das Interview von Dr. Dr. Rainer Zitelmann mit der WELT am 11.März über sein neues Buch: "Die Psychologie der Superreichen": "Habitus ist nicht wichtig"



4 Kommentare

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Kommentare

Zitat von pegasusorionWo ist also Ihre Logik???


Die Frage ist: Cui bono? (lateinisch für „Wem zum Vorteil?“).

Aus einer Buchbeschreibung (Psychologie der Superreichen: Das verborgene Wissen der Vermögenselite) auf Amazon:

>>> Der Autor, selbst Multimillionär, hat intensive Gespräche mit 45 Hochvermögenden geführt.

Die Sorge mancher Menschen ist nunmal, dass da tatsächlich mal jemand daher kommt, der die Umverteilung von fleißig nach reich umkehren könnte, zumind. teilweise.

Die SPD alleine wird dies wohl nicht einleiten (wollen).
Das Schreckgespenzt heißt Rot-Rot-Grün (Vermögenssteuer).

Ich gebe zu, dass mir bei dem Thema "Rot-Rot-Grün" auch etwas mulmig wird.
Dies hat aber ganz andere Gründe.
Doch, Schulz denkt logisch: Wenn ich viel Geld (um-)verteile, dann gewinne ich die Wahl. Ob ich mir das leisten kann ist vollkommen egal. Was für Privatpersonen gilt, gilt für Staaten offensichtlich nicht. Als Alternative zum Schulden machen käme dann noch eine höhere Besteuerung in Frage - diese Option behält man sich dann aber lieber für die Zeit nach der Wahl vor.
Wenn Sie sich genug bewegt haben während des Abnehmens hat sich Ihr Stoffwechsel geändert man kann dann bei Beibehaltung der Bewegung auch wieder Pizza und Pommes essen.

Herr Dr. Zittelmann wer bezahlt in 20-30 Jahren eigentlich die rentenzuschüsse für die prekären Beschäftigungen durch die Agenda 2010.

Da Sie ja von deren Wirken überzeugt sind beweisen Sie mir doch die Vorzüge anhand einer Kosten-Nutzen Rechnung angelegt auf 30 Jahre natürlich mit eingerechnet das:

1. Riester völlig daneben gegangen ist und meist nur der Versicherung nützt

2. Die Niedrigzinsphase nicht zum sparen einlädt

3. Versicherungsbeiträge Rentenversicherung sinken durch geringeres Brutto und der Anspruch der Rente natürlich auch


Wo ist also Ihre Logik???

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