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DAX überbewertet? Aktien verkaufen? Denk zuerst hierüber nach!

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
10.03.2017, 10:15  |  1209   |   |   

Der Dow Jones Index rennt von einem Hoch zum nächsten und auch im DAX liegen viele Einzelwerte wie adidas (WKN:A1EWWW) oder Fresenius (WKN:578560) auf Allzeithoch. Grundsätzlich gibt es dümmere Zeitpunkte zum Aussteigen, vor allem für diejenigen, die zu den Spottpreisen aus dem Jahr 2016 oder noch besser vor 2013 eingestiegen sind. Trotzdem gibt es eine wichtige Sache, die sich jeder überlegen muss, der jetzt verkaufen oder sogar gegen den DAX wetten will.

So steht es im Moment um den DAX

Über die letzten Wochen war regelmäßig die Marke von 12.000 Punkten im Fokus vieler Anleger. Solche Tausenderschritte finden immer noch viel Aufmerksamkeit, obwohl sie mittlerweile überspitzt gesagt eigentlich nur noch Trippelschritte sind. Denn eine Bewegung von 11.000 bis 12.000 entspricht nur noch einem Plus von etwa 9 %. Als es im Jahr 2009 sehr schnell von 4.000 auf 5.000 ging, waren das 25 %, in 2003 von 2.500 auf 3.500 sogar 40 %.

Es ist deshalb immer aufschlussreich, sich die langfristigen Charts mit der logarithmischen Skala anzusehen. Aus dieser Perspektive erkennen wir, dass die Kursausschläge keineswegs größer geworden sind in den letzten Jahren, wie zum Teil in der Presse kommentiert wird. Vielmehr arbeitet sich der Kurs Stück für Stück nach oben, entsprechend den fundamentalen Fortschritten der Aktiengesellschaften. Alle DAX-Konzerne arbeiten im Moment profitabel (Abschreibungsorgien bei Banken und Versorgern wie Commerzbank (WKN:CBK100) und E.ON (WKN:ENAG99) dürften der Vergangenheit angehören) und können daher in die Stärkung ihrer Bilanz und ihr Wachstum investieren.

Vor einigen Wochen hatte ich den Versuch unternommen, unter den DAX-Unternehmen diejenigen zu identifizieren, die echt mal richtig teuer wirken (Artikel vom 10.1.). Ehrlich gesagt war ich ziemlich zuversichtlich, eine Handvoll präsentieren zu können. Überraschenderweise war aber das Maximum, was ich aussagen konnte, dass einige Aktien möglicherweise ein leicht erhöhtes Kursniveau aufweisen.

Auch jetzt, wo ein großer Teil der Konzerne ihre Jahres- und Quartalszahlen vorgelegt haben und viele Kurse noch etwas höher notieren, ändert sich an dieser Einschätzung nicht viel. Aber was bedeutet „leicht erhöht“ konkret für uns als Anleger?

Aussteigen kann dich teuer zu stehen kommen

Zunächst einmal ist festzustellen, dass verkaufen und wieder einsteigen Kosten verursacht, da wirft man schnell mal das ein oder andere Prozent der Anlagesumme in den Rachen der depotführenden Bank und der angehängten Dienstleister. Aber was noch schlimmer ist: Der Markt könnte nach deinem Ausstieg weiterwachsen und nie wieder so günstig sein wie heute.

Wer beispielsweise 2012 nach einem Anstieg von 20 % und einem DAX-Stand von 6.500 verkauft hat, dem sind in der Folge die Kurse regelrecht weggerannt. Beim besten Willen kann ich mir nicht vorstellen, dass dieses Niveau jemals zurückkommt. Denn wie gesagt, es geht langfristig Schritt für Schritt nach oben, weil unternehmerische Entscheidungen sich überwiegend als rentabel herausstellen (alles andere wäre traurig) und Gewinne in der Regel zumindest teilweise reinvestiert werden.

Das Problem für Pessimisten und Bären ist nämlich folgendes: Selbst, wenn sie vollkommen richtig analysieren, dass eine Aktie oder ein Index leicht überbewertet ist, heißt das noch lange nicht, dass die Kurse auch tatsächlich sinken müssen. Leicht überbewertet bedeutet nämlich lediglich, dass typische langfristige Renditeerwartungen im Bereich von 8 bis 10 % voraussichtlich derzeit nicht erzielbar sind.

Man muss sich also eventuell mit 6 % oder weniger begnügen. Das wäre beim aktuellen Zinsumfeld aber immer noch attraktiv. Was der Markt daraus macht, ist völlig unvorhersehbar. Er könnte irgendwann innerhalb kurzer Zeit eine scharfe Korrektur einleiten, um die Renditeaussichten zügig wieder in den gewünschten Bereich zu heben. In dem Fall hätten aussteigende Bären etwas zu feiern, vor allem, wenn sie den Schalter zum richtigen Zeitpunkt wieder umlegen.

Aber genauso realistisch ist die Variante, dass die Kurse einfach eine Zeitlang ein bisschen gemächlicher wachsen, bis sich alles wieder eingependelt hat. In dem Fall legen die Aktienpreise deiner Favoriten immer weiter zu und du ärgerst dich gleichzeitig über die Transaktionskosten und die entgangenen Gewinne.

Im Zweifelsfall dabei bleiben

Ein Komplettausstieg ergibt für mich deshalb auf dem aktuellen Niveau keinen Sinn. Falls du wirklich zum Schluss kommst, dass ein Einzelwert in deinem Depot über die letzten turbulenten Monate viel zu gut gelaufen ist, dann wäre es eine Überlegung wert, Kasse zu machen oder in günstigere Werte umzuschichten. Je mehr du allerdings von dem dahinterstehenden Unternehmen überzeugt bist, desto mehr solltest du bei einem solchen Schritt zögern. Die Zeit läuft gegen Pessimisten.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Fresenius.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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