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Marktkommentar von Markus Blaschzok Keine Angst vor steigenden Zinsen

11.03.2017, 08:06  |  1306   |   |   

Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung in den USA am 15. März liegt nach den Fed Funds Futures bereits bei 88%. Die US-Notenbank plant die Zinsen von aktuell 0,75% auf 1% anzuheben. Dies wäre der höchste Leitzinssatz seit dem Jahr 2008, nachdem die US-Notenbank diese aufgrund der Immobilien- und Finanzkrise auf 0% gesenkt hatte.

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Die US-Notenbank steht kurz vor einer Erhöhung der Leitzinsen auf 1%.
 
Mit der „Taylor-Regel“ versuchen keynesianisch geprägte Ökonomen die richtige Höhe der Leitzinsen in der Geldpolitik zu bestimmen. Nach dieser müssten die Leitzinsen bereits 3,8% in den USA betragen, wovon die US-Notenbank mit 0,75% meilenweit entfernt ist. In den letzten 40 Jahren gab es noch nie eine derartige Diskrepanz in der Geldpolitik der Notenbanken. Auch aus dieser Sichtweise scheint eine Anhebung der Zinsen in der kommenden Woche angebracht zu sein. Es zeigt auch wie sehr politisch motiviert die Zentralbank zugunsten des Bankensystems und des Staats agiert und wie sie die Zinsen künstlich niedrig hält. Als die Leitzinsen zuletzt so weit von der Taylor Regel entfernt war, herrschte in der westlichen Welt nach der Auflösung des Goldstandards ein hochinflationäres Umfeld. Paul Volcker, der damalige Chef der US-Notenbank, musste dann den Marktzinsen folgen und ebenfalls die Leitzinsen der Notenbank anheben. Dass die Aktienmärkte daraufhin um fast 20% einbrachen, dürfte primär an dem gestiegenen Zinsumfeld gelegen haben. Jedoch dürfte die Leitzinserhöhung der Notenbank dem vorhergegangenen künstlichen Boom in der Wirtschaft den Todesstoß versetzt und die Rezession ausgelöst haben. Es könnte daher sein, dass es nach weiteren Zinsschritten in den USA zu einem Einbruch am Aktienmarkt kommt, wenn die Notenbanken nicht weiterhin so viel Geld drucken, wie aktuell.
 
Eine Korrektur des starken Anstiegs bei den Edelmetallen seit Jahresbeginn war längst überfällig. Korrekturen und Rücksetzer in langfristigen Aufwärtstrends sind normal und gesund. Die Märkte müssen ein- und ausatmen, wobei sie jedes Mal Kraft für ein neues Hoch sammeln. Nachdem die Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen, in dieser Woche weitere Hinweise auf eine Zinsanhebung im März gab, verstärkte sich die Korrektur bei den Edelmetallen. Der Goldpreis fiel dabei zurück auf die Unterstützung bei 1.200$ und Silber auf den alten Abwärtstrend bei 16,90$ je Feinunze.
Sollte die US-Notenbank jedoch nicht liefern, so steht im Mai die nächste Notenbanksitzung an, bei der es zu einer Leitzinserhöhung kommen könnte.

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Goldpreis korrigierte im Umfeld einer baldigen Zinsanhebung. 

Die Zinsen in den USA müssen aufgrund der Inflation weiter ansteigen

Viele Anleger fürchten, dass der Goldpreis mit einer Zinsanhebung in den USA wieder einbrechen könnte. Der Grund: Eine Binsenweisheit besagt, dass steigende Markt- und Leitzinsen schlecht für den Goldpreis wären, da Gold keine Rendite abwerfe. Anlagen, die eine regelmäßige Rendite abwerfen, würden dann hingegen attraktiver zum Gold, für das sogar Lagerhaltungskosten zu zahlen wären.
 
Diese Aussage ist nur teilweise richtig. Worauf es dabei ankommt ist, dass die realen Zinsen negativ bleiben. Und genau das sehen wir weiterhin. Die ausgewiesene Inflationsrate ist mit 2,5% weit von der inoffiziellen Teuerung in Höhe von aktuell 10,4% (nach der Berechnungsmethode von 1980) entfernt. Steigen die Marktzinsen bzw. die Leitzinsen aufgrund von Inflation, ebenso wie in den siebziger Jahren, dann ist dies natürlich sehr bullisch für die Edelmetalle und sogar ein bestätigender Faktor. Und genau dieses inflationäre Umfeld haben wir aktuell. Lediglich dann, wenn die Preise stabil sind und die Zinsen aufgrund einer starken Wirtschaftsentwicklung und starker Nachfrage nach Krediten anziehen, würde eine Anlage in den sicheren Hafen Gold unattraktiv für Investoren werden. Dieses Umfeld ist jedoch nicht gegeben und war zuletzt in den 80er und 90er Jahren zu beobachten.
 
In dem folgenden Chart sehen Sie die Leitzinsen in den USA (blaue Linie) sowie den Goldpreis (goldene Linie) seit dem Jahr 1975 gegenübergestellt. In den siebziger Jahren stiegen die Leitzinsen auf über 20% an, während der Goldpreis um das Zwanzigfache anstieg! Auch in den Jahren 2004 bis 2007 wurden die Leitzinsen massiv erhöht und dennoch verdoppelte sich der Goldpreis.

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Gold stieg in der Vergangenheit trotz steigender Zinsen.
 
In dem aktuell zunehmend rezessiven und gleichzeitig inflationären (stagflationären) Umfeld geraten die Volkswirtschaften real immer tiefer in wirtschaftliche Probleme und stünden sofort vor einem Crash, wenn die monatlichen Injektionen neuen Papiergeldes seitens der Zentralbanken stoppen würden. Gleichzeitig herrscht ein stark inflationäres Umfeld, das es in dem aktuell globalen Ausmaß bisher noch nicht gegeben hat. Wenn die Zinsen steigen, dann nur aufgrund der Inflation, die im Hintergrund längst massiv in die Teuerung einfließt. Die offiziellen statistischen Warenkörbe verschleiern dies noch, doch sind in diesem Fall die steigenden Zinsen ein Grund Gold zu kaufen – jedoch in keinem Fall es zu verkaufen. Wie Sie sehen, kommt es immer darauf an, warum die Zinsen ansteigen und nicht ob diese steigen. Da wir diesmal ein ähnliches Umfeld wie in den siebziger Jahren haben, wird der Goldpreis mit den steigenden Leitzinsen womöglich noch einmal um das zehn- oder zwanzigfache ansteigen. 
 
Daher lautet unser Rat weiterhin Gold und Silber in Preisrücksetzern zu kaufen und sich auf die kommende Hochinflationsphase vorzubereiten, die durch die steigenden Leitzinsen und die steigende Teuerung in den statistischen Warenkörben bereits angekündigt wird. Die Bundesbank hat vermutlich nur sehr wenig Gold und auf staatliche Unterstützung darf man daher nicht bauen. Jeder muss für sich selbst eigenverantwortlich einen Goldschatz anlegen, um sich vor den kommenden Gefahren für die Altersvorsorge und sein Vermögen zu schützen.

Die EZB steckt in der Falle

Obwohl die Teuerung in Deutschland – ähnlich der in den USA – zuletzt deutlich über das alte Ziel von 2% anstieg, denkt die Europäische Zentralbank nicht über Zinsanhebungen nach. In dieser Woche entschied diese, den Leitzins weiterhin bei 0% zu belassen. Gleichzeitig wolle man die Zinsen mindestens bis Ende 2017 auf diesem Niveau belassen, wobei weiterhin bis Jahresende monatlich 60 Mrd. Euro neues Baumwollgeld gedruckt werden soll. Anstatt wie in den USA eine restriktivere Geldpolitik an den Tag zu legen, denkt die EZB sogar darüber nach die Käufe in Dauer und Volumen noch auszuweiten!
 
Was bedeutet das für den Sparer im Euroraum? Ganz einfach: Seine Ersparnisse lösen sich jeden Tag ein Stück mehr in Luft auf. Der Euro verliert an Kaufkraft und wer sein Geld nicht rettet, wird womöglich am Ende des Tages mit leeren Händen dastehen, obwohl man sein Leben lang gearbeitet hat. Da die US-Notenbank untätig bleibt und sogar die Zinsen anhebt, muss stellvertretend die EZB in die Bresche springen und Geld mitdrucken. Das Bankensystem ist heute weltweit verzahnt und der Bankrott einer Bank in Deutschland, ist der Verlust einer Bank in den USA, die dann wieder Bankrott gehen könnte. Weiterhin steht die Europäische Union vor einer Zerreißprobe und wenn die EZB mit billigem Geld nicht an allen Ecken und Enden kittet, droht das künstliche Gebilde auseinanderzubrechen. Das würde das Ende der EZB selbst sowie des Euros bedeuten. Draghi wird es in diesem Umfeld nicht wagen, die Geldpolitik zu verschärfen. Dies bedeutet aber auch, dass der Euro weiterhin an Wert und Kaufkraft verlieren wird, was die Ersparnisse der Europäer entwertet. Deshalb ist es für uns Europäer noch wichtiger jetzt in Gold und Silber zu investieren, da diese noch relativ günstig sind. Eins ist sicher: Die Rechnung für die Politik der EU und der EZB werden wir Bürger erhalten, weshalb man sein Vermögen besser in Sicherheit bringen sollte.



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