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Warum Intel 15,3 Milliarden US-Dollar für selbstfahrende Autos ausgibt

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
15.03.2017, 10:00  |  669   |   |   

Intel Corporation (WKN:855681) verkündete am Montagmorgen, man wolle Mobileye (WKN:A119ES), ein israelisches Unternehmen für 15,3 Milliarden US-Dollar oder 63,54 US-Dollar pro Aktie kaufen. Einerseits ist das eine komplett überhöhte Bewertung für ein Unternehmen, das 2016 gerade mal 358,2 Millionen US-Dollar Umsatz erzielt hat.

Andererseits könnte dieser Kauf sehr sinnvoll für Intel sein. Hier sind die Gründe.

Warum Intel diesen Bereich einsteigen möchte

Es ist kein Geheimnis, dass selbstfahrende Autos kommen werden. Aus der Sicht von Intel bietet es zwei große Gelegenheiten, um Hardware und Software zu verkaufen. Die besten Autos benutzen heute einen “Teraflop” an Computerpower, wie CEO Brian Krzanich bei der Telefonkonferenz für die Analysten am Montagmorgen sagte. Das wird aber auf etwa 50 Teraflops steigen, wenn die Autos erst mit einem Level-4-System ausgestattet sind.

Einer der Gründer und Chief Technology Officer von Mobileye, Amnon Shashua, verkündete im letzten Jahr eine Partnerschaft mit BMW und Intel. Intel stimmte zu, Mobileye für 15,3 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Bildquelle: Mobileye N.V.

(Teraflop ist die Abkürzung für die Maßeinheit, mit der die Rechnerkapazität eines Computers gemessen wird. Ein Level-4-System ist ein System, das komplett alleine ohne menschliche Hilfe ein Auto steuern kann, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Die meisten solcher Systeme, die sich gerade in der Entwicklung befinden, hängen von hoch detaillierten Karten ab und können daher nur in bestimmten Bereichen eingesetzt werden.)

Daher wird für selbstfahrende Autos ein starker Anstieg bei der Rechnerkapazität in einem Auto nötig werden. Das ist eine Möglichkeit für Intel, um Hardware zu verkaufen. Der CEO erwartet, dass der Markt für diese Fahrzeugsysteme, die er selbst auch als Datenzentren auf Rädern sieht, bis zum Jahr 2020 bei über 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr liegen wird. Bis 2030 soll der Markt 70 Milliarden US-Dollar umfassen.

Eine zweite Gelegenheit für Intel liegt in den Datenzentren, die nötig werden, um selbstfahrende Autos miteinander kommunizieren zu lassen. Das ist ein weiterer großer Markt mit etwa 40 Milliarden US-Dollar Wert bis zum Jahr 2030.

Intel besitzt die Technologie und die Produkte, um die Komponenten für beiden Märkten zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen hat aber keinen vollen Zugang zu diesen künftigen Märkten über die wichtigen Unternehmen. Damit sind die großen Autobauer und deren Zuliefererunternehmen gemeint.

Hier kommt Mobileye ins Spiel.

Warum Mobileye der Schlüssel zum Automarkt ist

Das Unternehmen hat mindestens zwei Dinge, die es für Intel sehr wertvoll machen:

  • Etablierte Expertise in einem wichtigen Teil der selbstfahrenden Technologie, die in der Industrie großen Respekt genießt und
  • Bestehende Beziehungen mit den meisten Autobauern der Welt.

Alles in allem stellt Mobileye Computersysteme her, die Bilder aus Kameras zusammensetzen können. Diese sind für die Benutzung in Autos und LKWs designt. Die Systeme des Unternehmens kombinieren Hardware und Software und sind schon jetzt Teil von vielen Fahrerassistenzsystemen. Diese sind in Neuwägen weit verbreitet. Dazu gehören Funktionen wie Tempomat, Warnhinweise und Parkassistenten.

Diese Systeme verbessern heute die Sicherheit, es sind aber auch die Bausteine für die selbstfahrenden Autos der Zukunft. Mobileye ist jetzt schon ein wichtiger Player in diesem Bereich. Im letzten Jahr bildete das Unternehmen eine Partnerschaft mit Intel und mit dem Zuliefererunternehmen Delphi Automotive (WKN:A1JPLB). Delphi plant ein Level-4-System bis Ende 2019 auf dem Markt zu haben.

Der wahre Wert für Intel könnte aber in den bestehenden Beziehungen mit den Autobauern und den Zulieferern liegen. Die Kundenliste beinhaltet die größten Autobauer weltweit, mehrere LKW-Hersteller, den Großteil der größten Zuliefererunternehmen und ein paar Unternehmen, die vielleicht nicht so bekannt sind wie chinesische Autobauer und Elektroauto-Start-ups.

Warum ist das so wichtig? Die großen Autobauer haben nämlich gesehen, was mit den Mobiltelefon-Herstellern passiert ist. Daher sind sie vorsichtig, wenn sie mit großen Tech-Unternehmen Geschäfte machen. Die Chefs der Autokonzerne möchten möglichst wenig Kontrolle und damit auch Werte abgeben. Dazu gehören auch die Daten, die man nur ungern einem Unternehmen wie Alphabet überlassen würde. Das ist auch der Grund, warum das Tochterunternehmen Waymo bei den Autobauern kein so großes Interesse genießt, wie man als Beobachter vielleicht glauben könnte. Die Autobauer möchten einfach nicht mit Produkten mit niedrigen Margen in einem Markt feststecken.

Die Tech-Unternehmen verstehen auch oft nicht, worauf es in der Autoindustrie ankommt. Es ist eine Sache, eine Komponente für ein Mobiltelefon herzustellen, das dann nur ein paar Jahre halten muss. Es ist etwas ganz anderes, eine Komponente für ein Auto herzustellen, das vielleicht zehn Jahre oder länger laufen muss und gleichzeitig großen Temperaturschwankungen und Vibrationen ausgesetzt ist.

Aber Mobileye hat die Tür zu den Autobauern schon geöffnet. Sollte Intel Mobileye kaufen, dann wird Mobileye einfach in Intel integriert. Während der Telefonkonferenz mit den Analysten am Montag sagte der CTO Amnon Shashua, dass mehrere der großen Kunden von Mobileye ihm gesagt hätten, sie würden die Übernahme durch Intel als etwas Positives sehen.

Übersetzung: Sollte es zu der Übernahme kommen, stehen auch Intel die Türen zu den Autokonzernen offen.

Damit könnte Intel sofort in diesem neuen Markt antreten

Der Rivale von Intel, NVIDIA (WKN:918422) konnte in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit vonseiten der Investoren für seine Bemühungen im Bereich selbstfahrende Autos gewinnen. Dabei geht es vorrangig um den Drive PX 2 Autocomputer. Das Unternehmen kann viele der großen Autobauer und andere interessierte Unternehmen zu seinen Kunden zählen, darunter auch das chinesische Unternehmen Baidu.

Intel steht bei diesem Markt praktisch vor der Tür, konnte aber bisher kaum Erfolge erzielen. Durch eine Übernahme von Mobileye sollten sich jede Menge Türen öffnen. Es sieht jetzt nach einem teuren Deal aus, aber wenn dadurch in zehn Jahren 40 oder 50 Milliarden US-Dollar verdient werden können, was eine plausible Annahme ist, dann wird das rückblickend als ein schlauer Schachzug gelten.

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Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A und C), Baidu und NVIDIA. The Motley Fool empfiehlt BMW und Intel.

Dieser Artikel wurde von John Rosevear auf Englisch verfasst und wurde am 13.03.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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