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Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Meisterschaften - Jetzt zyklische oder defensive Aktien kaufen?

Gastautor: Guido vom Schemm
15.03.2017, 11:41  |  1201   |   |   

Der Dow Jones eilt von einem Allzeithoch zum nächsten, der DAX hat sich in den letzten Monaten ebenfalls gemausert. Aktieninvestments scheinen wieder en vogue zu sein. Vor allem die Aktienkurse von zyklischen Unternehmen konnten aufgrund der erfreulichen Wirtschaftsdaten und des „Trump-Effekts“ stark zulegen. Sollten Anleger jetzt noch auf den zyklischen Aktienzug aufspringen oder sich doch auf die defensiven Dividendenwerte verlassen?

In Zeiten des wirtschaftlichen Wachstums steigt die Nachfrage nach Bau- und Rohstoffen für Immobilien- und Infrastrukturprojekte. Investitionen nehmen zu und der Bedarf an Finanzdienstleistungen steigt stetig. Dies sorgt auch für höhere Löhne, was sich positiv auf das Konsumverhalten auswirkt. In diesen Zeiten haussieren zyklische Aktien u.a. aus den Branchen Finanzen, Grundstoffe, Industrie sowie Technologie. Dem gegenüber stehen defensive Unternehmen, welche weitgehend unabhängig von Konjunkturzyklen Gewinne und Umsätze steigern können. Hier finden sich Unternehmen aus den Branchen Pharma/Gesundheit, Konsum/Lebensmittel und Handel.

Über Jahre hinweg waren solide Branchen die Lieblinge der Aktienanleger. Unternehmen, welche auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Renditen versprachen, stiegen in der Gunst der Anleger. Auch zahlreiche Zinsjäger schichteten von Anleihen in diese Dividendenwerte - getreu dem Motto „Dividenden sind der neue Zins“ - um. Doch in den letzten Monaten wendete sich das Blatt. Immer mehr Investoren setzen auf die Zykliker. Der zunehmende Risikoappetit, die positiven Wirtschaftsdaten und die in den USA mit der Trump-Wahl gehegten Hoffnungen auf Wirtschaftswachstum und enormen Infrastrukturinvestitionen sorgen aktuell für diesen Trendwechsel.

Zyklische Aktien sind in einer Aufschwungsphase deutlicher performanter als die defensiven Langeweiler. Voraussetzung ist aber, der Anleger kann den Trend voraussagen und rechtzeitig das Pferd wechseln. Wenn Anleger den Konjunkturzyklus jedoch falsch einschätzen oder zu spät einsteigen, löst sich die erhoffte Überperformance schnell in Luft auf und sorgt hingegen für Ernüchterung und schmerzhafte Kursverluste. Zyklische Aktien sind auch nichts für schwache Nerven, da die Volatilität meist deutlich höher ist.

Im Schnitt dauerten Konjunkturzyklen in den USA fünf Jahre, und der längste Zyklus aller Zeiten gerade einmal zehn Jahre. Der derzeitige Aufschwung hält jetzt schon acht Jahre an und dürfte sich rein statistisch betrachten im Endstadium befinden.

Von der fundamentalen Bewertung her sind zyklische Aktien auch schon sehr teuer. Beispielsweise die deutschen IT-Dienstleister, welche inzwischen fast durchweg KGVs von 25 und mehr aufweisen. Auch in den USA werden für Technologiewerte teilweise absurde Preise bezahlt. Jüngstes Beispiel war der Börsengang von Snap Inc., der Muttergesellschaft des sozialen Netzwerks Snapchat. Anleger bezahlen derzeit mehr als das 60fache des in 2016 erzielten Umsatzes.

Historisch zeigt sich eine starke Outperformance der Zykliker exemplarisch im Aufschwung zwischen 2003 und 2007. Als in der anschließenden Finanzkrise die Wirtschaftsdynamik weltweit einbrach, büßten die Kurse der zyklischen Titel innerhalb kurzer Zeit sämtliche Gewinne der fünf Jahre zuvor ein. Seit 2009 ging es wieder aufwärts. In den USA haben schon in den letzten Jahren eher die Zykliker outperformt.

Jetzt noch in zyklische Aktien umzuschichten, kann zum Bumerang werden. Einerseits befinden sich die Aktienmärkte in einer langjährigen Hausse, andererseits erscheint der aktuell herrschende, von den Mainstreammedien und Banken befeuerte Optimismus für weiteres Wirtschaftswachstum trügerisch. Schaut man sich die Wirtschaftsdaten, vor allem in den USA, etwas genauer an, so wird schnell deutlich, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Oder wie würden Sie ein US-BIP-Wachstum von 1,6% für 2016 und prognostizierte 1,3% für das erste Quartal 2017 bezeichnen?

Der konjunkturelle Wind ändert sich nicht selten schlagartig und erwischt viele Anleger auf dem falschen Fuß. Es ist eben alles andere als einfach, den Konjunkturzyklus richtig einzuschätzen. Wer nicht ständig umsatteln will, sollte lieber zu defensiven Werten greifen. Investoren sollten jetzt den Kapitalschutz über die Renditemaximierung stellen – für den Fall, dass der Konjunkturzyklus wieder Achterbahn fährt.

 

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