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Rocket Internet mit Kohle aus Qatar

Gastautor: Daniel Saurenz
16.03.2017, 12:53  |  1096   |   |   

HelloFresh_Box_Veggie_Front_RGB_300dpiKönnten Sie einem Eskimo einen Kühlschrank verkaufen? Oder einem Milchbauern Milchpulver? Vielleicht einem Triathleten Schwimmflügel? Oder wenigstens Fleischminister Christian Schmidt ein veganes Kochbuch? Nein? Dann fragen Sie die Jungs von Rocket Internet. Die können das. Vermutlich kann Oliver Samwer sogar zaubern. Denn wie auch immer es gelang, man hat den Staatsfonds von Qatar in Hello Fresh hineingequatscht. Da kann man nur den Hut ziehen. Was wir von Hello Fresh halten, haben wir 2015 schon geschrieben. Immerhin – die Kochboxen konnte man nicht short gehen, Rocket Internet schon. Auch unser Turbo-Bear aus dem Februar HU75RL lief gegen den Markt ziemlich gut. Aber worum gehts nochmal bei Hello Fresh?

Afrika_Marokko.jpg_2Der Staatsfonds des Emirats Katar hat sich am Kochboxen-Versender Hello Fresh beteiligt, berichtet die WirtschaftsWoche. Der Fonds investierte im Rahmen einer Finanzierungsrunde im Dezember 2016 in das Unternehmen, wie Hello-Fresh-Chef Richter dem Magazin bestätigte. Rocket Internet hält 53 Prozent an HelloFresh, die zuletzt mit 2,0 Milliarden Euro bewertet wurden.

Blind?

Vielleicht hat Qatar in den Büchern die Verluste von Hello Fresh übersehen. Das kann passieren, Franz Beckenbauer übersah einst in Qatar auch die Sklaven, manchmal hat man einfach die falsche Brille auf oder das Licht steht ungünstig.

Was ist Hello Fresh?

Am Berliner Hauptbahnhof locken sie mit Rabattcoupons, in Zeitschriften oder bei Paketsendungen liegen die Angebote des Berliner Lebensmittel-Lieferdiensts Hello Fresh bei. Jede Probebestellung bedeutet dabei auch gleich einen neuen Kunden im Stamm, so arbeiten viele Internet-Start-Ups. Frohlocken konnten bei Hello Fresh aber vor allem die Gründer, denn der Unternehmenswert war nach einer Studie schon im Herbst 2015 mit 2,6 Milliarden Euro absurd hoch.

Hello Fresh liefert Kochboxen, die Zutaten und Rezepte für komplette Mahlzeiten enthalten, die die Kunden zuhause nachkochen. Einfach – oder böse – gesagt, beruht das banale Konzept darauf, kleine Essenseinheiten zu verpacken und an die Kunden zu versenden. Es scheint genügend Menschen zu geben, die nicht gerne darüber nachdenken, was sie einkaufen sollen, denn die Firma ist auf einem rasanten Wachstumskurs: Der Umsatz für 2015 wurde damals mit 120 Millionen Euro kolportiert. Der Umsatz der ersten 9 Monate 2016 lag bei knapp 440 Millionen Euro – bei gleichzeitig extrem hohem Verlust. Macht aber offenbar nix.

Und wo wir beim Thema sind: Was haben wir alle aus dem Börsengang der Mutter Rocket Internet gelernt? Rocket war im Oktober 2014 zu einem Ausgabepreis von 42,50 Euro und einem Börsenwert von astronomischen sieben Milliarden Euro an die Börse gegangen. Inzwischen ist der Preis mit 16! Euro auf dem Weg zum Rekordtief – gegen einen DAX, der parallel massiv anzog. Schlechter konnte man kaum investieren.

In einem zwar schwierigen, aber längst nicht extrem komplizierten Börsenumfeld stehen Investoren nicht auf Unternehmen wie Rocket, die laut den Schätzungen der Analysten auch 2016 noch kräftige Verluste schreiben werden. Sollten die Aktienmärkte mal richtig ins Trudeln geraten und die Anleger bei Firmen wie Hello Fresh zweimal hinschauen, so könnte die Milliardenbewertung schnell in Richtung Millionenbewertung durchgereicht werden. Oder gleich auf Null sinken.

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