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Siemens hebt ab: Flugzeuge treiben das Geschäft

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
17.03.2017, 10:58  |  1228   |   |   

Siemens (WKN:723610) ist bekannt für seine Energie-, Fabrik-, Medizin- und Bahntechnik. Aber es gibt eine Branche, die im Zuge des Konzernumbaus still und leise extrem an Bedeutung gewonnen hat: die Luft- und Raumfahrt. Meine Recherche hat Belege für aktuell erstaunlich umfangreiche Aktivitäten in diesem Sektor ergeben.

Back to the Future

Vor 100 Jahren waren die Siemens-Schuckert-Werke, ein Vorläufer der heutigen Siemens, ein bedeutender Hersteller von Luftfahrtzeugen. Unter anderem wurden großformatige Bomber und eine Art Zeppelin hergestellt. Betrieben wurden sie meist mit Benz-Motoren.

Die Identifizierung von Siemens mit der Luftfahrtindustrie geriet in späteren Jahren fast völlig in Vergessenheit, während der frühere Zulieferer zwischenzeitlich den Industriekonzern Daimler formte und mit seinem Einstieg bei Airbus (früher DASA und dann EADS) und MTU dort ein wichtiger Spieler wurde. Auch das ist Vergangenheit. Dafür hat Siemens in den letzten 10 Jahren Weichen gestellt, um ein unverzichtbarer Partner der Flugzeugbranche zu werden.

Da sowohl die zivile als auch die militärische Luftfahrt, einschließlich der Raumfahrt, kontinuierlich wachsen, stehen die Chancen gut, dass sich dieses Engagement in der Zukunft ausbezahlen wird. Kaum eine andere Branche stellt höhere Ansprüche an die Qualität und Zuverlässigkeit sowohl der einzelnen Bauteile, als auch des fliegenden Endprodukts. Je größer die Komplexität wird, desto mehr Chancen ergeben sich für Siemens.

Wo Siemens bereits jetzt mitmischt

Der entscheidende Schachzug war die Übernahme der Softwarefirma UGS im Jahr 2007 unter der damaligen Führung von Klaus Kleinfeld. Durch die Kombination mit den eigenen Produkten wurde Siemens über Nacht zum weltgrößten Anbieter von Lösungen rund um die digitale Fabrik. In den folgenden Jahren kam es zu weiteren Übernahmen, um das Portfolio zu komplettieren, zuletzt von Mentor Graphics. Heute kann Siemens alles aus einer Hand anbieten, was Ingenieure und Betriebsleiter benötigen.

Wohl die meisten führenden Unternehmen der Luftfahrtindustrie setzen auf mindestens eine Lösung der Münchener, Airbus (WKN:938914) und Boeing (WKN:850471) vorneweg. Strömungssimulationen, kollaboratives Produktdesign und Fabrikautomation sind nur drei der vielen Themen, die in diesem Bereich nachgefragt werden.

Passend zur Automatisierungssoftware (oder umgekehrt?) gibt es natürlich auch weiterhin noch die passende Hardware, darunter Wechselrichter, Schaltschränke und elektrische Antriebe. Diese Komponenten und integrierten Komplettlösungen finden branchenweit Anwendung, wie zahlreiche Fallstudien von Siemens belegen.

Wie Siemens in Zukunft ein zentraler Akteur wird

Schritte zum weiteren Ausbau der Zusammenarbeit mit der Luftfahrtindustrie sind bereits klar erkennbar. Besonders gefällt mir das Engagement im Bereich des 3D-Drucks, auch additive Fertigung genannt. Siemens stellt zwar keine eigenen 3D-Drucker her, aber wenn es um die Anwendungskompetenz geht, wird an vorderster Front mitgespielt. Dafür sprechen auch die mit den Spezialisten Materialise (WKN:A112H0) und Stratasys (WKN:A1J5UR) eingegangenen Partnerschaften.

Materialise ist ein Prototyp-Dienstleister mit eigener Software, welche den gesamten Digitalisierungsprozess und das Management der Teilefertigung vereinfacht. Die Belgier kooperieren mit fast allen großen Geräteherstellern und seit Anfang 2017 auch mit Siemens. Passenderweise befindet sich die deutsche Niederlassung in Gilching bei München. Gemeinsam wollen sie die Schnittstelle von Produktentwicklung und Teilefertigung noch enger verzahnen.

Gleichzeitig ist auch Siemens’ strategischer Partner Atos eine Partnerschaft mit Materialise eingegangen, sodass hier umfassende Kompetenz zusammenkommt. Im Oktober wurde gemeinsam ein Strukturbauteil vorgestellt, das fast 70 Prozent leichter als ein herkömmlich gefertigtes Pendant sein soll.

Stratasys gilt als einer der größten Gerätehersteller. Auch bei dieser Kooperation geht es darum, die Integration des 3D-Drucks in die Fertigungsketten zu vereinfachen und ihr damit zum Durchbruch zu verhelfen. Der Flugzeugbau wird als einer der ersten Anwendungsfelder von den erweiterten Möglichkeiten profitieren.

Insgesamt entsteht hier also eine Menge Expansions-Potenzial für Siemens. Aber das ist noch nicht alles: Während zu Schuckert-Zeiten die Motoren zugeliefert wurden, wollen die Elektrotechniker jetzt selbst zum Lieferanten werden. Gemeinsam mit Airbus wird intensiv an der Realisierung eines elektrisch betriebenen Kleinflugzeugs gearbeitet. Hierfür hat Siemens einen besonders kompakten Elektromotor entwickelt, der bereits erfolgreich in einem Forschungsflugzeug getestet wurde.

Über die letzten Monate wurde eine ganze Reihe von Siemens-Patenten rund um die Elektrifizierung des Flugzeugs veröffentlicht, was beweist, wie intensiv in diesem Bereich geforscht wird. Auch wenn daraus kurzfristig noch kein großes Geschäft wird, zeigt es doch, dass Siemens hochmotiviert ist, in dieser Branche abzuheben.

Abflug in die Wolken

Rund um die Entwicklung und Fertigung ist Siemens bereits ein bedeutender Partner des Flugzeugbaus. Über die zunehmende Digitalisierung, den 3D-Druck und die Elektrifizierung besteht großes Potenzial, um das Geschäft in dieser anspruchsvollen Wachstumsbranche mit starken Technologiepartnern weiter massiv auszubauen — auch in der Cloud.

Ist Siemens es wert zu kaufen?

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Stratasys und Daimler.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.



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