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Goldesel oder Milliardengrab? IoT-Plattformen von Telekom, SAP, Bosch und Siemens

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
21.03.2017, 08:00  |  2154   |   |   

Das Problem für Anbieter von Cloud-Plattformen ist, dass vorab riesige Summen in gigantische Rechenzentren investiert werden müssen. Die Rückflüsse tröpfeln hingegen nur langsam in Form von periodischen oder nutzungsabhängigen Entgelten wieder herein. Erst wenn die Kundenbasis eine kritische Masse übersteigt, locken die ganz großen Gewinne.

In Deutschland treten gleich vier große Spieler an, um zumindest beim Thema Internet der Dinge (engl. Internet of Things, kurz IoT) der sonst oft übermächtigen Konkurrenz aus Übersee die Stirn zu bieten. Aber gibt es Platz für alle und können sie unter den verschärften Wettbewerbsbedingungen langfristig profitabel bestehen? Wenn nicht, dann drohen hohe Abschreibungen. Deshalb könnte es sich lohnen, sich diesen umkämpften Markt einmal genauer anzuschauen.

Das macht die einheimischen Cloud-Größen stark

Die Deutsche Telekom (WKN:555750) mit ihrer Sparte T-Systems ist der Haus- und Hoflieferant vieler deutschen Konzerne jeder Größe, wenn es um die Implementierung von moderner IT geht. Aus dieser Position heraus ist sie ein natürlicher Ansprechpartner für den Umzug in die Cloud und die Realisierung von IoT-Lösungen. Zur Stärkung des Angebots holten sich die Bonner Huawei ins Boot.

SAP (WKN:716460) hat den Quasi-Standard für betriebliche Software gesetzt und steht deshalb ebenfalls in Geschäftsbeziehung mit vielen großen und mittleren Unternehmen. Die Walldorfer haben bereits viele Kunden auf ihre Cloud-Plattform gezogen und können diese einfach Schritt für Schritt um IoT-Funktionalität erweitern. Zudem ist SAP Partnerschaften mit vielen Konkurrenten eingegangen, um die Reichweite zu erhöhen.

Bosch wiederum ist einer der größten Anbieter von vernetzbaren Dingen weltweit. Nicht nur in Deutschland hat fast jeder Haushalt eine Bohrmaschine, ein Küchengerät oder eine Waschmaschine der Stuttgarter. Hinzu kommen die Fahrzeugelektronik, die Klimatechnik und die Fabrikautomation. Auch die passende Software und Sensorik werden erfolgreich von eigenen Töchtern entwickelt. Keine Frage, auch für Bosch drängt es sich geradezu auf, eine eigene IoT-Plattform zu etablieren.

Siemens (WKN:723610) hat zwar kaum noch Produkte für Endverbraucher im Angebot, aber dafür eine umso stärkere Position in den Fabriken dieser Welt. Mit seiner marktführenden Software-Suite rund um die digitale Fabrik und der in allen Branchen eingesetzten Automatisierungstechnik ist der Konzern prädestiniert dafür, sich beim Industriellen Internet zu engagieren. Hinzu kommt die Möglichkeit, auch Züge, Magnetspintomographen und Windturbinen an die eigene Cloud anzubinden.

Offenbar haben alle vier Kandidaten eine ausgezeichnete Ausgangsposition, obwohl sie aus recht unterschiedlichen Ecken kommen und mit ganz verschiedenen Stärken aufwarten. Ob sie den Heimvorteil ausspielen können, ist aber trotzdem nicht ausgemacht. Eine Reihe von ausländischen Anbietern macht sich nämlich ebenfalls hierzulande breit.

So umkämpft ist der deutsche IoT-Markt

Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland dank seiner breit aufgestellten industriellen Basis der führende Markt für das Industrielle Internet sein wird und dank der drei großen Oberklasse-Autobauer auch beim vernetzten Fahrzeug den Ton angibt. Ebenso besteht dank der Energiewende gutes Potenzial, wenn es um intelligent aufgerüstete Stromnetze geht. In anderen IoT-Bereichen wie der Heimvernetzung oder Smart Cities sind zwar Asien und Amerika stärker einzuschätzen, aber zwei bis drei bedeutende Segmente, das hat schon Gewicht.

Deshalb sind deutschlandweit viele Aktivitäten zu beobachten. Beispielsweise wird das „Watson Internet of Things“-Forschungszentrum von IBM in München angesiedelt und General Electric hat gleich mal seine eigene Cloud mit der von Bosch verknüpft, um sich besser gegen Siemens behaupten zu können. Auch mit SAP will GE die Zusammenarbeit beim Internet der Dinge vertiefen und das europäische Forschungszentrum in Garching wurde kürzlich ausgebaut, um das Thema Vernetzung und Digitalisierung verstärkt in Angriff zu nehmen.

Ebenso bei München hat Intel bereits 2014 ein IoT-Lab gegründet. Cisco will eine halbe Milliarde US-Dollar in Deutschland investieren, um die Implementierung von IoT-Lösungen zu beschleunigen. In Düsseldorf ist es Vodafone (WKN:A1XD9Z), die im Februar ein Entwicklungszentrum eröffnet hat, um bei der Vernetzung von Dingen ganz vorne dabei zu sein. Auch Konkurrent Telefónica Deutschland (WKN:A1J5RX) stellt zur CeBIT erste Ergebnisse der frisch in Berlin gegründeten Tochter Telefónica NEXT vor.

Zudem ist natürlich mit den globalen Cloud-Platzhirschen Google, Amazon und Microsoft zu rechnen, die ihre internationalen Rechenzentren ständig erweitern und bereits große Partnernetzwerke aufgebaut haben. Microsoft arbeitet beispielsweise mit thyssenkrupp bei der Vernetzung und dem Monitoring der Aufzüge und Rolltreppen zusammen.

All diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass es zu einem höchst intensiven Wettbewerb kommen wird.

Also eher kein Goldesel?

Ich denke mal, ein Milliardengrab wird das IoT-Geschäft für keinen der einheimischen Anbieter. Jede Plattform kann auf eigenen Stärken aufbauen, die sie von der Konkurrenz abheben. Zudem wird immer deutlicher, dass der Gesamtmarkt gigantisch groß wird. Da sollte es schon Platz geben für rund ein Dutzend Unternehmen. Ein gutes Zeichen ist auch, dass keiner auf einen Alleingang setzt. Alle nutzen konsequent offene Standards und es wird auch viel kooperiert.

Trotzdem denke ich nicht, dass es das ganz große Ding wird für Siemens und Co. Man muss das Thema meines Erachtens ganzheitlicher betrachten: Wer einigermaßen erfolgreich in der IoT-Cloud unterwegs ist, der bleibt relevant und kann daher insgesamt auf gute Geschäfte hoffen. Wenn die jeweilige Plattform an sich dann noch ein Zubrot abwirft, ist das doch positiv. Viel mehr sollte man im Schnitt nicht erwarten.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Teresa Kersten ist Angestellte von LinkedIn und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. LinkedIn ist Teil von Microsoft. Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- und C-Aktien) und Amazon. The Motley Fool besitzt Aktien von General Electric. The Motley Fool empfiehlt Cisco Systems und Intel.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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