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Lass dich nicht vom „Tech“-Label täuschen. Apple ist eine Buffett-Aktie

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
21.03.2017, 12:00  |  1009   |   |   

„Ich glaube nicht, dass wir verrückt geworden sind“, sagte Charlie Munger, der stellvertretende Vorsitzende von Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2), einem Reuters-Bericht zufolge vor kurzem beim alljährlichen Treffen des Daily Journal. Worauf er sich bezog? Berkshire Hathaway kauft nun auch Aktien von Airlines und des Tech-Unternehmens Apple (WKN:865985) – eigentlich zwei Geschäftsbereiche, von denen Buffett sagte, dass er niemals in sie investieren würde.

Neben IBM ist Apple Berkshire Hathaways einzige „Tech“-Aktie. Da nun die Tech-Branche sich so gut wie in alle Bereiche des Alltagslebens erstreckt, ist es fast unvermeidbar gewesen, dass Buffett und Berkshire ihre Meinung ändern und mehr Aktien von Technologie fokussierten Unternehmen kaufen.

Im Laufe einer jahrzehntelangen Investitionskarriere muss man sich der Zeit anpassen und Buffett hat uns dies wiederholt demonstriert.

Buffett galt als scharfer Kritiker von Airline-Aktien, hat aber vor kurzem verkündet, dass er vergangenen Sommer in gleich mehrere investiert hat. Er hat außerdem einst gesagt, dass seine Lieblingsunternehmen ohne viel Kapital auskommen – doch dann kaufte er kapitalintensive Stromversorgungs- und Schienenverkehrsunternehmen. Blickt man sogar noch weiter zurück, so verfolgte Buffett einst den Ben Graham „Cigar Butt“-Value-Investing-Stil – bis Charlie Munger ihm geholfen hat, sich auf „hochqualitative“ Unternehmen mit „wirtschaftlichen Wallgraben“ zu konzentrieren.

Die Wallgraben-Philosophie zieht sich konsistent durch Buffetts gesamte Berkshire-Investitionsära. Was er und Munger am meisten meiden ist Veralterung. Wenn Buffett eine Aktie kauft, hält er sie seinem berühmten Zitat zufolge am liebsten „auf ewig“. „Wenn du nicht bereit bist, eine Aktie zehn Jahre zu halten, solltest du nicht einmal daran denken, zehn Minuten an ihr festzuhalten“, schrieb er in seinem Aktionärsbrief von 1996.

Dies ist der Grund, warum Buffett bis vor kurzem Tech-Aktien gemieden hat. Zwar hat er die gesellschaftlichen Vorteile von Technologie niemals kleingeredet, jedoch ist Tech-Investing oft schwierig, da (a) die spezifischen Produkteigenschaften für technisch weniger versierte Verbraucher nur schwer ersichtlich sind; (b) Technologie sich schnell verändert, und das bedeutet, dass einst starke Unternehmen schnell an Bedeutung verlieren können; und (c) Technologie mit der Zeit besser, aber gleichzeitig auch günstiger wird, was zu einem Deflationsdruck beim durchschnittlichen Verkaufspreis und der Kommerzialisierung führt und so auf die Renditen drückt. Patente bieten nur minimalen Schutz, da Technologie ältere Designs „überspringt“ und die Durchsetzung von Patentschutz schwierig (und teuer) ist. Deswegen sind die Süßigkeiten-, Getränke- und Automobilbranchen so viel einfacher.

Und so waren viele Leute überrascht, als Buffett im Februar 123 Mio. Aktien von Apple kaufte. Ist Onkel Buffett verrückt geworden? Ich sage Nein.

Zunächst würde ich anführen wollen, dass das Zeitalter der Smartphones einen subtilen soziologischen Regime-Wandel eingeläutet hat, und dabei ist dieses Zeitalter erst zehn Jahre alt. Diese handlichen Supercomputer sind heute so in unser tägliches Leben integriert, dass sie mit den einstigen Aufklapp-Handys nicht mehr viel gemeinsam haben, genau so wenig wie mit einem Switch, einer Kabelbox, einer Stereoanlage oder einem Stück Glasfaserkabel. Es ist ein Gegenstand, den Leute 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, bei sich tragen. Es enthält so viele persönliche Daten, Fotos, Videos, Emails – im Grunde genommen das gesamte Leben seines Besitzers, sodass es unmöglich scheint, ohne ihm zu leben. Wenn man also argumentiert, dass Smartphones kein reines „Tech“-Produkt sind — was ist dann Apples Wallgraben?

Bildquelle: APPLE.

Buffetts Schüler und ehemaliger Morningstar-Analyst Pat Dorsey spricht in seinem Buch „The Little Book That Builds Wealth“ über vier Elemente, die einen ökonomischen Wallgraben aufbauen können. Ich würde behaupten, dass Apple nicht nur einen, sondern gleich zwei dieser Elemente aufweisen kann: nämlich Markenstärke und Umstellungskosten.

Eine starke Marke

Während viele Menschen Markenstärke damit assoziieren, wie bekannt eine Marke ist, ist ein Markenvorsprung nur gegeben, so Dorsey, wenn ein Unternehmen das Verhalten von Konsumenten in bestimmten Bereichen ändert. Zum einen erlaubt dieser Vorteil einem Unternehmen, nahezu identische Produkte mit einem Preiszuschlag zu verkaufen und/oder die Suchkosten eines Käufers zu reduzieren.

Ein Beispiel für diese Suchkosten wäre ein preisbewusster Verbraucher, der etwas auf Amazon.de kauft, ohne einen Blick auf andere Webseiten zu werfen, da Amazon den Ruf eines billigen Händlers hat.

Apple hat sich beide dieser Vorteile über die vergangenen drei Jahrzehnte erarbeitet. Apple hat unter der Führung von Steve Jobs seine Technologie so ausgelegt, dass ihre Verwendung für Jedermann intuitiv und attraktiv ist. Während so viele Unternehmen ihre Produkte auf Grundlage ihre Features und technischen Eigenschaften vermarkten, hat Apple in den späten Neunzigern einen differenzierten und verbraucherorientierten Ansatz gewählt und seine Geräte zu Objekten der Begierde mit einem rebellischen, coolen Image gemacht. Da unser Alltag zunehmend digitaler wird, hat Apple sein beständiges Markenimage kontinuierlich weitergepflegt und gestärkt, während andere Unternehmen von einem Tech-Regime zum anderen übergingen, ohne eine beständige Markenbotschaft auszusenden.

Aus diesem Grund sind weiterhin so viele Menschen bereit, heute für Apple-Produkte einen Aufschläge zu zahlen, selbst wenn das Telefon des Unternehmens fast die gleichen technischen Eigenschaften wie das günstigere Samsung Galaxy hat. Während Apple am weltweiten Smartphone-Markt nur einen Anteil von 12,5 % hat, generierte es Schätzungen von International Data Corporation zufolge im dritten Quartal 2016 fast 91 % der gesamten Smartphone-Gewinne. Bei der Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen erklärte CEO Tim Cook, dass Apple eine größere Anzahl von Übergängern von anderen Marken in das Apple-Ökosystem beobachtete als jemals zuvor. Leute kaufen die Produkte, ohne sich großartig über sie zu informieren. Apple hat die Suchkosten seiner Verbraucher gesenkt.

Wechselkosten

Ein zweiter Wallgraben-Faktor, den Dorsey erläutert und der gerade auf das iPhone zutrifft, sind Wechselkosten – also der Preis oder der Aufwand, auf ein anderes Produkt umzusteigen. Wie Warren Buffett und Ted Weschler, einer seiner Vermögenverwalter, vor kurzem erklärt haben, ist dies der Punkt, der am häufigsten aufgegriffen wird.

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Wechselkosten machen Produkte „haftend“ und erstrecken sich in der Regel auf die Unternehmenssoftware, Datenbank und das Mainframe. Unternehmen stützen so viele wichtige Geschäftsabläufe auf diesen Produkten, dass ein Wechsel des Anbieters zu einer verheerenden Störung des operativen Geschäfts oder zu Datenverlusten führen könnte und eine Umschulung der Belegschaft erfordern würde. Deshalb sind Anbieter von Unternehmenssoftware und –hardware in der Lage, ihre Preise jährlich zu erhöhen und fette Profitmargen einzufahren.

In einem seiner seltenen Interviews diskutierte Weschler im Manager Magazin, wie Apples Produkte es schaffen, haftend zu werden. Value Walk veröffentlichte einen Auszug aus dieser Publikation mit folgenden Zitaten von Weschler:

„Da die Netzwerkgeschwindigkeit schneller geworden ist, und damit einhergehend auch die Informationen, die Menschen in diesem Netzwerk verarbeiten können, sowie immer mehr Features für Verbraucher erhältlich sind, entsteht so ein haftendes Ökosystem.“

Statistiken zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein iPhone- oder iPad-Käufer auch sein nächstes Gerät bei Apple kauft, sehr hoch ist. Er fügte noch hinzu:

„Wenn du dir erst einmal deine Apps im Apple-Store zugelegt und Tausende Fotos in der Cloud gespeichert hast und an die Tastatureingaben und Funktionalität gewohnt bist, wirst du zum haftenden Verbraucher.“

In Februar sagte Buffett in einem CNBC-Interview:

Wenn ich Sonntags ein Dutzend Kinder zum Essen ausführe, halten sie alle ihre Apple-Produkte in ihren Händen und sind kaum in der Lage, mit mir zu reden – außer, wenn ich ihnen Eis oder etwas ähnliches bestelle. Ihr Leben dreht sich um diese Geräte. Und die interessante Sache ist, dass sie diese Geräte lieben.

Je wichtiger die Funktionen der Smartphones werden, desto höher wird der Aufwand, zu einem anderen Smartphone-Anbieter zu wechseln. Angesichts der Tatsache, dass Apples Ökosystem ein weitgehend geschlossenes ist – zumindest mehr als das anderer Smartphone-Hersteller – ist der Wechselaufwand noch höher.

Apple baut seinen Graben auf Grundlage begehrenswerter, bedienerfreundlicher Produkte, die Verbraucher auf der Suche nach einem neuen Smartphone anlocken und junge Menschen an das Ökosystem des Unternehmens, das mit der steigenden Abhängigkeit von Smartphones immer haftender wird, binden.

Angesichts dieser zwei mächtigen Wallgraben-Faktoren erkennt man schnell, warum sich Buffett einen großen Biss in den Apfel gegönnt hat.

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The Motley Fool hält und empfiehlt Aktien von Amazon, Apple und Berkshire. The Motley Fool hält folgende Optionen: Long Januar 2018 $90 Calls auf AAPL und Short Januar 2018 $95 Calls auf AAPL. 

Dieser Artikel wurde von Billy Duberstein auf Englisch verfasst und am 17.3.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.



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