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Bislang unter dem Radar Brexit: EU-Luftraum für Königreich bald tabu?

29.03.2017, 13:21  |  2356   |   |   

Der Austritt Großbritanniens aus der EU wird vollzogen werden. Bislang ging es um den zukünftigen Austausch von Waren, jedoch könnte sich beim Transport von Personen einiges ändern. Großbritannien hätte nach dem Brexit womöglich nur noch einen beschränkten Zugang zum europäischen Luftverkehrsmarkt.

Gegenüber Bloomberg stellte Carsten Spohr, Lufthansa-Chef, klar, dass Deutschland und Frankreich den Briten während den Brexit-Verhandlungen keinen Sonderstatus im Luftverkehr einräumen werde. Optimistisch sieht es Ian Woodley, BMI Regional Gründer, der davon ausgeht, dass die Politik für die britischen Fluggesellschaften einen umfassenden Zugang zum europäischen Luftraum aushandeln werde ("Airliners"). Es wird deutlich, dass der Brexit auch Folgen für das Vereinigte Königreich in Bezug auf den Zugang zum europäischen Luftverkehrsmarkt haben wird. Ferner gilt für Großbritannien nach dem Brexit das Open-Sky-Abkommen mit den USA nicht mehr und es müsste mit den USA ein neues Abkommen aushandeln. 

Die Billigfluglinie Ryanair hofft unterdessen darauf, dass die britische Regierung in den Austrittsverhandlungen dem Luftverkehr eine wichtige Rolle zukommen lassen wird. Bislang sei für die Fluglinie vollkommen unklar, welche Auswirkungen der Ausstieg auf den Luftverkehr haben werde, so Kenny Jacobs von Ryanair. Vor ähnlichen Problemen sieht sich Easyjet und auch die International Airlines Group - dazu gehören British Airways, Iberia, Aer Lingus und Vueling -, die bereits ihre Wachstums- und Gewinnerwartungen bis 2020 reduziert hat.

Hintergrund für die Sorgen ist: Fluggesellschaften in Großbritannien droht der Ausschluss aus dem gemeinsamen europäischen Luftraum. Bislang konnten Fluggesellschaften aus der EU beliebig innerhalb der Staatengemeinschaft fliegen - z.B. Easyjet mit Sitz in Großbritannien von Deutschland aus Dutzende Destinationen ansteuern. Diese Privilegien könnten zukünftig wegfallen. 

Eine Möglichkeit für die Fluglinien aus Großbritannien ist, dass sie eine Basis in der EU unterhalten, dort ein Luftverkehrsbetreiberzeugnis besitzen und mehrheitlich in EU-Besitz sind. Somit müssten sich die UK-Fluggesellschaften um eine Lizenz in einem EU-Land bewerben. Auch könnte Großbritannien die Aufnahme in die European Common Aviation Area (ECAA) beantragen oder ein bilaterales Abkommen mit der EU anstreben - ähnlich wie es die Schweiz hat - Voraussetzung wäre eine Anerkennung der Freizügigkeit durch Großbritannien, was unrealistisch scheint ("Airliners"). 
 
Fakt ist, dass für viele Fluggesellschaften - mit Hauptsitz in Großbritannien - die Strecken innerhalb Kontinentaleuropas einen Hauptteil des Geschäfts ausmachen. Deshalb befürchtet Luftfahrt-Experte Thomas van der Wijngaart, dass es für UK-Airlines dramatische wirtschaftliche Folgen hätte, wenn sie ihre finanziellen und betrieblichen Strukturen ändern müssten ("Austrianaviation"). Bis es jedoch soweit ist, müssen die Gesetze und Verordnungen zum Luftverkehr geprüft werden, was sehr zeitaufwendig sein dürfte.

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