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Mal kurz durchgerechnet DIW: Durch das Ehegattensplitting entgehen der Bundesrepublik 15 Milliarden Euro im Jahr

29.03.2017, 16:42  |  5340   |   |   

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung wollte wissen, wie viel Geld dem Staat eigentlich jedes Jahr dank des vielseits kritisierten Ehegattensplittings durch die Lappen geht. Mit 15 Milliarden Euro kommt da einiges zusammen, was man auch in anderen Bereichen investieren könnte. 

Heiraten, um Steuern zu sparen hat eher wenig mit Romantik zu tun. Dennoch vollziehen viele Paare in Deutschland diesen Schritt ganz unverblümt aus genau diesem Grund. Vor allem, wenn ein Partner weitaus mehr verdient, als der andere (was aus nach wie vor ungeklärten Gründen zumeist auf die Männer zutrifft), lohnt sich die Ehe allemal.

Ehegattensplitting heißt hier das Zauberwort und bedeutet die gemeinsame Veranlagung der zu zahlenden Einkommensteuer. Dadurch ergeben sich steuerliche Vorteile im oftmals vierstelligen Bereich. Für den Fiskus wiederum bedeutet das massive Einnahmeverluste.

Wie hoch die genau sind, wollte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) herausfinden und hat dazu eine Rechnung aufgestellt. Im Ergebnis kamen die Wissenschaftler um Studienleiterin Katharina Wrohlich auf eine Summe von 15 Milliarden Euro, auf die der Bund jedes Jahr durch das Ehegattensplitting verzichtet. 

Arbeitsmarkteffekte

Doch damit nicht genug. Dank des verminderten Arbeitsanreizes für die Partner, die weniger verdienen - also in der Regel die Frauen - lässt sich auch ein Stück weit der ständig proklamierte Fachkräftemangel erklären. Würde die häufig als Diskriminierung empfundene Steuerregel abgeschafft, so dürfte das den Ökonomen zufolge zu einer "spürbaren Erhöhung" des Arbeitsangebots führen ("FAZ"). Konkret rechnen sie mit einem Anstieg des weiblichen Arbeitsvolumens von zwei Prozent. 

Als Alternative schlagen die Autoren eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag vor. Das würde bedeuten, dass beide Partner unabhängig voneinander veranlagt werden, unter der Prämisse, dass wenn einer der Partner kein zu versteuerndes Einkommen hat oder eines der beiden Einkommen unter dem Grundfreibetrag liegt, der andere Partner den nicht ausgeschöpften Teil von seinem zu versteuernden Einkommen abziehen könnte. 

Umverteilungseffekte

Verlierer dieser Maßnahme wären hier ganz klar die Ehepaare. Rund 900 Euro müssten Verheiratete im Jahr durchschnittlich zusätzlich an das Finanzamt abführen, das sind zwei Prozent des durchschnittlichen Nettohaushalteinkommens. Je mehr die Ehepartner dabei verdienen, umso stärker würden sie dann auch zur Kasse gebeten. Erst bei den oberen zehn Prozent würde die Belastung wieder sinken, da dort auch der Splittingvorteil geringer ist. Es ergäbe sich also ein Umverteilungseffekt nach unten. 

Die Nachteile für einige Familien haben die Forscher dabei natürlich nicht ausgeblendet. „Bei einer solchen Reform müsste berücksichtigt werden, dass viele Ehepaare bereits vor Jahren gewisse Entscheidungen betreffend der innerfamiliären Arbeitsteilung getroffen haben und diese nicht mehr ohne weiteres rückgängig machen können“, räumte DIW-Forscherin Wrohlich ein. Allerdings sehe ihr Team auch Möglichkeiten, die Gefahr einer nachträglichen Benachteiligung zu verringern. So ließe sich zum Beispiel das neue Steuersystem erst für Ehen einführen, die nach einem bestimmten Stichtag geschlossen wurden.

Was der Staat mit den daraus resultierenden Mehreinnahmen alles anstellen könnte? Nach Ansicht der Wissenschaftler sollte das Geld in den Ausbau und die Qualitätsverbesserung von Kitas und Ganztagsschulen fließen. „Das würde vor allem Familien mit Kindern – ob mit oder ohne Trauschein – zugutekommen“, erklärt Wrohlich. Auch könnte der Einkommensteuertarif allgemein gesenkt und der sogenannte Mittelstandsbauch abgeflacht werden. Profitieren würden auch hier wieder eher die Geringverdiener. 

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6 Kommentare

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Kommentare

Liebes DIW
Erklärt mir doch mal bitte :
Was ist gerecht daran , wenn der Alleinverdiener in einer Ehe mit 60000 Euro Jahreseinkommen höher besteuert werden soll als wenn beide Partner 30000 verdienen ? Das Haushaltseinkommen ist doch das Gleiche.
Das Argument Linderung des Fachkräftemangels durch vermehrte Frauenarbeit zieht ja auch seit 2015 nicht mehr denn unsere Kanzlerin hat doch mehr als 1000000 neue Fachkräfte zu uns ins Land geholt und die Wirtschaft hat darüber gejubelt. Dann stellt sie doch ein liebe Wirtschaft . ihr habt doch jetzt Potential ohne Ende .
"Mal kurz durchgerechnet..." und vor allem schnell mal dem arbeitenden Bürger das Geld aus der Tasche ziehen, fällt einem dazu ein.

Alleine die Überschrift zeigt die unverfrorene linkspopulistische Ideologie, "der Bundesrepublik entgehen 15 Mrd Euro pro Jahr". Ja, Hauptsache noch mehr Steuern auspressen.

So denkt nur jemand mit der Einstellung, dass grundsätzlich dem Staat alles zusteht, wörtlich heißt es "dem Staat gehen durch die Lappen".

Und dann fällt diesen Leuten immer nur das Eine ein, dieses Geld in die Kitas und Ganztagsschulen zu stecken. Gibt es möglicherweise auch noch andere Aufgaben des Staates. Es gäbe durchaus verschiedene Facetten einer sinnvollen Familienförderung, dazu fällt aber inzwischen nicht einmal der CDU etwas ein, ausser nach Jahren das Kindergeld um 2 Euro zu erhöhen.
Meine Frau und ich haben Kinder sehr gut großgezogen, auch ohne die heutigen Möglichkeiten. Gute Infrastruktur ist wichtig, ja. Aber der Staat sollten den Bürgern des verdiente Geld so gut wie möglich und notwendigerweise erst einmal selbst überlassen.

Und dann noch der Vorschlag, das neue Steuersystem erst für Ehen ab einem bestimmten Stichtag einzuführen! Da beschleicht einem das ungute Gefühl, dass diese Studienleiterinnen noch keine einzige Steuererklärung selbst gemacht haben. Sonst wüssten sie recht schnell, dass das deutsche Steuerdickicht nicht mehr zu durchschauen ist und mit einem solchen Schritt die Komplexität noch "leicht" verstärkt wird, abgesehen von Klagen wegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung, Verfassungsmässigkeit usw.

W.O. Redaktion, bitte das Niveau nicht noch weiter absenken. Ich würde mir sehr wünschen, dass Berichte von Institutionen wie dem DIW und anderen auch einmal kritisch hinterfragt würden. Sollte das nicht die grundsätzliche Professionalität von Journalisten ausmachen? Stattdessen wird wohl nur noch kopiert und ins Netz gestellt. So entsteht wohl "Mainstream" Presse, oder?

Schöne Grüße, O.D.
Zitat von unnerfranggeKann ich mich eigentlich gendermässig dem Schäuble entziehen?Wie würde ich besteuert.wenn ich asexuell wäre?Wichsen für das eigene Einkommen?Steuerbefreit für jeden nachgewiesenen Schuss.


Vergiss es :laugh:

- Wandere in eines der armen EU-Länder aus
- Beantrage dort die Staatsbürgerschaft
- Mach ein paar Kinder, oder lass Dir diese mittels gekaufter Geburtsurkunden bescheinigen
- Such Dir dann einen Job in Dtl. (einige private Paketdienstleister freuen sich schon darauf, Dich ausbeuten zu können)
- Und kassiere für jedes Kind das hier übliche Kindergeld

Ich wusste das bis heute auch nicht (nachzulesen z. B. bei "mmnews").
Aber EU-Ausländern die in Dtl. wohnen und arbeiten, steht auch für Kinder, die gar nicht in Dtl. leben, das volle Kindergeld zu.

Das wollte man zwar nun "angeblich" ändern, aber Brüssel meint, dass dies nicht EU-konform sei :mad:

Böser, böser Claus.
Aber dies entspricht nunmal der Realität.
>>> Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung wollte wissen ...

... wie man dem deutschen Michel (geschlechtsneutral) zusätzlich Kohle aus den Rippen leiern kann.
Endlich wieder eine Neueinnahme für unsere "schwarze Null"!Das finanzielle schwarze Loch,namens Staat,greift dann den Schwulen&Lesben in den Geldbeutel!Kann ich mich eigentlich gendermässig dem Schäuble entziehen?Wie würde ich besteuert.wenn ich asexuell wäre?Wichsen für das eigene Einkommen?Steuerbefreit für jeden nachgewiesenen Schuss.

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