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7 Kennzahlen, die jeder Gold- und Silberinvestor kennen sollte

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
30.03.2017, 17:30  |  1999   |   |   

In der ersten Jahreshälfte 2016 war das Investieren in Gold und Silber recht lukrativ. Die Edelmetallbergbauunternehmen gehörten während dieser Zeit zu den absoluten Gewinnern an der Börse. In der zweiten Jahreshälfte rutschten sie dann allerdings wieder ab.

Was dir vielleicht aber nicht bekannt ist, ist, dass Gold über die vergangenen 20 Jahre betrachtet (1996-2015) ziemlich solide abgeschnitten hat – Daten von J.P. Morgan Asset Management zufolge betrug seine durchschnittliche Jahresrendite 5,2 %. Dies ist besser als die durchschnittliche Jahresrendite eines Eigenheims von 3,4 % oder die durchschnittliche Jahresrendite einer Investition in Öl von 3,3 %, außerdem auch deutlich höher als die Inflation von 2,2 % und die mickrigen 2,1 %, die Investoren jährlich über diesen Zeitraum durchschnittlich einfuhren. Gold und Silber sowie die Unternehmen, die die Edelmetalle fördern, können also für Langzeitinvestoren tatsächlich eine entscheidende Rolle spielen.

Jedoch hat die Sache einen Haken. Wenn du langfristig in Gold und Silber investieren willst, musst du diese folgenden Kennzahlen im Schlaf beherrschen. Einige Kennzahlen sind makroökonomischer Natur und treffen in gleicher Weise auch auf Gold- und Silberbergbauunternehmen zu, andere sind wiederum sehr konkret.

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1. Der Leitzins

Auf makroökonomischer Ebene ist wohl die wichtigste Kennzahl, die Investoren von Gold- und Silberaktien kennen müssen, der Leitzins, der (wenig überraschend) von Bundesbanken festgelegt wird. Der Leitzins beeinflusst den Kauf und Verkauf von physischem Silber und Gold.

Im Allgemeinen sind Opportunitätskosten für Gold und Silber eine treibende Kraft. Wenn Renditen auf zinsbringende Vermögensgegenstände wie Bonds, CDS und Sparkonten niedrig sind, dann verlieren Investoren nicht besonders viel, wenn sie auf die nahezu garantierten Renditen, die diese Anlagen abwerfen, verzichten und stattdessen in Gold oder Silber, die gar keine Renditen abwerfen, investieren. Wenn andererseits Zinssätze in Zeiten einer strafferen Geldpolitik wieder steigen, werden Renditen auf verzinsliche Anlagegegenstände attraktiver. Dies erhöht die Opportunitätskosten einer Investition in Gold und Silber und schadet gleichzeitig in der Regel dem Preis beider Edelmetalle. Für Investoren von Gold und Silber ist es also lebensnotwendig, zu verstehen, welche Rolle Opportunitätskosten spielen.

2. Die Inflationsrate

Ein weiterer wichtiger makroökonomischer Faktor ist die nationale Inflationsrate. Höhere Inflationsraten (damit meine ich Raten von über 4 – 5 %) sollen der Theorie nach eine positive Auswirkung auf Gold und Silber haben, während niedrige Inflationsraten oder deflationäre Zeiten für Edelmetalle nicht besonders günstig sind.

Die zugrundeliegende Idee ist einfach: Wenn die Wirtschaft wächst, erhöhen Bundesbanken die Geldmenge und dies verwässert den Wert der bereits im Umlauf befindlichen Geldes und macht Produkte und Dienstleistungen, einschließlich Gold, teurer. Dann sollte der Wert einer Unze Gold zumindest auf dem Papier – so sagt es die Wirtschaftsliteratur – ansteigen.

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Aber man sollte noch anmerken, dass Zinssätze und Inflation einen gegenseitigen „Push-Pull-Effekt“ haben können. Oftmals verhalten sie sich genau gegensätzlich. Höhere Inflationsraten, die in der Regel gut für Gold und Silber sind, können auch von Zinserhöhungen der Bundesbanken begleitet werden. Für Edelmetalle wären dies keine guten Nachrichten, da die Opportunitätskosten dann steigen. Die Push-Pull-Dynamik ist etwas, das du im Hinterkopf behalten solltest.

3. Der Spotpreis von Gold und Silber

Diese Kennzahl klingt vielleicht zu banal. Wenn du in Gold und Silber investierst, wirst du dir sicherlich den Spotpreis für eine Unze der beiden Edelmetalle genauestens kennen.

Der Grund, weshalb ich den Spotpreis hier als gesonderte Kennzahl führe, ist, um Investoren davor zu warnen, sich nicht von den täglichen Schwankungen der Edelmetallpreise verrückt machen zu lassen. Wenn Gold- und Silberbergbauunternehmen ihre Quartalsergebnisse präsentieren, basieren sie ihren Umsatz aus dem Verkauf der Edelmetalle auf dem durchschnittlichen Preis dieser Metalle über einen Zeitraum der vergangenen drei, sechs oder zwölf Monate.

4. Nachhaltige Gesamtförderkosten

Hinsichtlich spezifischer Unternehmenskennzahlen sollten dir besonders die nachhaltigen Gesamtförderkosten ein Begriff sein.

Die nachhaltigen Gesamtförderkosten eines Bergbauunternehmens erlauben einen präzisen Blick auf die tatsächlichen Betriebskosten einer Mine. Zusätzlich zu den direkt anfallenden Kosten in der Mine, Lizenzgebühren, Produktionsabgeben, Nebenprodukteinnahmen, Werteberichtigungen der Lagerbestände und weiteren an der Mine anfallenden Kosten, enthalten nachhaltige Gesamtförderkosten allgemeine Verwaltungskosten, Explorations- und Forschungskosten und Investitionsaufwendungen – nur, um einige zu nennen. Die nachhaltigen Gesamtförderkosten eines Edelmetallbergbauunternehmens mit dem derzeitigen Preis von Gold und Silber oder dem durchschnittlichen Preis über das vergangene Quartal zu vergleichen, kann dir einen guten Überblick darüber verschaffen, wie profitabel ein Unternehmen ist.
Derzeit gehört Barrick Gold (WKN:870450) wohl, was nachhaltige Gesamtförderkosten betrifft, zu den effektivsten Unternehmen. Der Goldförderer hat seine Prognosen für seine nachhaltigen Gesamtförderkosten im Jahr 2016 gleich drei Mal nach unten korrigiert. Für dieses Jahr schätzt Barrick diese Kosten auf 720 – 770 US-Dollar je Unze. Beim heutigen Goldpreis würde dies also eine Gewinnmarge von 500 US-Dollar je Unze Gold bedeuten – eine äußerst starke Ertragskraft.

5. Verbindlichkeiten

Eine weitere unternehmensspezifische Kennzahl, auf die Gold- und Silberinvestoren achten sollten, sind Verbindlichkeiten.

Verbindlichkeiten sind für Investoren sehr schwierig zu interpretieren, da sie oft notwendig sind, um teure Expansionen von bestehenden Minen oder die Erschließung neuer Minen zu finanzieren. In vielen Fällen können Edelmetallbergbauunternehmen ganz gut mit ihren Verbindlichkeiten umgehen, aber natürlich sind hierbei der Rückzahlungsplan und die Fälligkeit der Schulden entscheidend. Da die meisten Edelmetallförderer über irgendeine Form von Schulden verfügen, ist es wichtig zu verstehen, über welchen Zeitraum sich die Tilgung eines Kredits erstreckt. Wenn ein Bergbauunternehmen keinen ausreichend hohen Cashflow oder keine ausreichenden bestehenden Cash-Reserven hat, um die Schulden vollständig zurückzuzahlen, könnte dies zu einem großen Problem werden.

Barrick hatte Ende 2013 mehr als 13 Mrd. US-Dollar Schulden. Zwar haben die Schulden die Operationen des Unternehmens nicht lahmgelegt, jedoch haben die Aufwendungen zur Rückzahlung der Schuldenbeträge sowie die mangelnde finanzielle Flexibilität für einige Probleme gesorgt. In den vergangenen zwei Jahren hat Barrick nicht betriebsnotwendige Vermögensgegenstände verkauft und seinen Schuldenberg so auf etwa 8 Mrd. US-Dollar gesenkt. Damit konnte das Unternehmen seine jährlichen Zinsaufwendungen reduzieren und gleichzeitig finanziell flexibler handeln.

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6. Der operative Cashflow

Außerdem sollten Investoren über den operativen Cashflow von den Gold- und Silberbergbauunternehmen, in die sie investieren, bescheid wissen.

Zwar können Verbindlichkeiten helfen, Expansionen und Explorationen zu finanzieren, jedoch ist es letzten Endes der operative Cashflow, mit dem Schulden beglichen und Betriebskosten gedeckt werden. Selbst wenn ein Bergbauunternehmen nicht profitabel ist (was bei Abschreibungen oder anderen einmaligen Aufwendungen jederzeit passieren kann), besteht in der Regel keine Gefahr, solange ein Unternehmen einen positiven operativen Cashflow generiert. Ein positiver operativer Cashflow ebnet den Weg für künftige Explorationen und eröffnet die Möglichkeit einer Dividende, die einige Gold- und Silberbergbauunternehmen ausschütten.

7. Reserven und die Exploration von Ersatzreserven

Zu guter Letzt sollten Investoren von Gold- und Silberaktien die Reserven der Edelmetallunternehmen, in die sie investieren, kennen. Die verbleibenden Ressourcen im Boden dienen als Anhaltspunkt für Investoren, herauszufinden, wie lange eine Mine noch profitabel betrieben werden kann.

Genauso wichtig sind auch Ersatzreserven. Selbst wenn Bergbauunternehmen Edelmetalle aus dem Boden fördern und ihre Reserven somit reduzieren, sind sie auch ständig dabei, neue Bereiche von bestehenden Minen sowie separate Projekte, die neue Ressourcen eröffnen könnten, zu erforschen. Die solidesten und erfolgreichsten Bergbauunternehmen sind oftmals in der Lage, ihre Reserven jährlich komplett zu ersetzen. Bergbauunternehmen mit starken Reserven und einer effektiven Exploration von Ersatzreserven werden sich langfristig von der Konkurrenz abheben.

Wenn du dich mit diesen sieben Kennzahlen intensiv auseinandersetzt, stehen deine Chancen darauf, dass du beim Investieren in Gold- und Silberaktien Erfolg hast, wohl deutlich höher als der Durchschnitt.

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The Motley Fool hält keine der erwähnten Aktien. 

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 26.3.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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