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Mehr Gewinne durch Gebühren: Deutschlands Banken spielen mit dem Feuer

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
10.04.2017, 09:32  |  844   |   |   

Den Banken reicht es. Nach einem Jahrzehnt Dauerkrise, Unbeliebtheit und kaum vorhandener Gewinne, will man in Deutschland endlich einen der letzten Hebel umlegen, mit dem man noch Geld verdienen kann.

Deutsche Banken wollen von ihren Kunden in Zukunft immer öfter Gebühren für Leistungen verlangen, die früher umsonst waren. Wenn sich das mal nicht als die falsche Strategie herausstellt.

Unter uns, für mich sieht das wie der Anfang vom Ende aus, denn Banken holen sich mit dieser unbeliebten Maßnahme ein trojanisches Pferd in die eigenen Mauern, das sie ihre Existenz kosten könnte. Hier erfährst du warum.

Keine Bankdienstleistung ist jemals wirklich umsonst

Erst einmal muss man sich an dieser Stelle natürlich eine einfache Wahrheit verinnerlichen, die man im Alltag gerne vergisst. In Wirklichkeit ist natürlich keine Bankdienstleistung umsonst, auch wenn man nicht direkt dafür bezahlt. Gezahlt wird an anderer Stelle. Wer also ein kostenfreies Konto bei seiner Bank hat und immer nur kostenlos abhebt, sollte sich vor Augen führen, womit eine Bank überhaupt Geld verdient.

Die Antwort findest du auf deinem aktuellen Preis- und Leistungsverzeichnis. Wenn du dein Geld schön auf die Bank trägst mag es zinslos, aber wenigstens umsonst sein, doch sobald du dir etwas leihen willst oder, eine besonders schlechte Idee, deine Kreditkarte überziehst, werden schnell saftige Zinsen fällig. Damit verdienen Banken einen Großteil ihres Geldes.

Kein Wunder, dass sie also verzweifelt nach neuen Einnahmequellen suchen, denn durch Konkurrenz und Minuszinsen fällt es zunehmend schwer, mit der Differenz zwischen Einlagezins und Kreditzinsen Geld zu machen. Deswegen müssen dringend neue Einnahmequellen her.

Die neue bunte Welt der Bankgebühren

Der Hauptgeschäftsführer des Privatbankenverbands, Michael Kemmer, hat vor wenigen Tagen kurz und prägnant das Ende der „Kostenlos-Kultur“ prophezeit und tatsächlich mehren sich die Meldungen, dass immer mehr Geldhäuser nicht nur Negativzinsen an ihre Kunden weitergeben, sondern auch Gebühren für Dienstleistungen verlangen, die früher kostenlos waren.

Wir reden hier auch nicht von speziellen oder aufwendigen Dienstleistungen, sondern von einfachen Dingen, wie dem Abheben am bankeigenen Geldautomaten. Selbst dafür wird jetzt immer öfter Geld verlangt. Interessant ist an dieser Stelle, dass früher Gebühren für Abhebungen und Einzahlungen gesetzlich verboten waren. Besonders kostenlose Auszahlungen sind einleuchtend, schließlich verlangt man nur zurück, was einem rechtmäßig gehört.

Anleger sollten sich aber nicht darauf einstellen, dass dieses Modell Banken zu neuer Profitabilität verhelfen wird. Ganz im Gegenteil, es könnte zu einem Überlebenskampf führen.

Wenn das mal nicht nach hinten losgeht

Das Problem an den Gebühren ist, dass Bankkunden nun einen guten Grund haben, ihre alte Loyalität in Frage zu stellen. Und neue Zahlen belegen, dass viele jetzt genau das tun. Eine Umfrage von YouGov hat gezeigt, dass im vergangenen Jahr einer von zehn Deutschen seine Hauptbankverbindung gewechselt hat und eine gleich hohe Zahl will dies im Laufe der nächsten zwölf Monate tun.

Wer also Gebühren erhebt, riskiert Kunden zu verlieren. Unter anderem deswegen weigert sich die Commerzbank (WKN:CBK100) kostenpflichtige Konten einzuführen. Stattdessen fährt man lieber einen radikalen Sparkurs. Der wiederum zeigt, dass Banken noch immense Möglichkeiten haben Kosten einzusparen und schlankere Banken auch problemlos ohne Gebühren auskommen dürften.

Wechselfreudige Kunden und ein Filialsterben öffnen allerdings Tür und Tor für eine Entwicklung, die in Deutschland schon lange auf sich warten lässt. Nämlich, dass junge oder etablierte Fintech-Unternehmen einen großen Marktanteil gewinnen. Ganz provokant gefragt, wieso machen wir nicht alle unsere täglichen Zahlungen bald über Paypal (WKN:A14R7U)? Eigentlich könnten fast alle normalen Bankdienstleistungen von schlanken und effizienten onlinebasierten Finanzdienstleistern übernommen werden. In so einem Szenario sind die Einnahmequellen für etablierte Banken verschwindend klein.

Eines ist so gut wie sicher, die nächsten Kundengenerationen haben vermutlich keine Lust für etwas in eine Bankfiliale zu gehen, was sie auch mit ihrem Smartphone erledigen können. Und die Bereitschaft, für Bankdienstleistungen auch nur einen Cent an Gebühren zu bezahlen, dürfte weiterhin gegen Null tendieren. Außerdem steigt die Online-Affinität bei Kunden mit höheren Einkommen, die potentiell besonders lukrativ sind.

Wenn die Branche denkt, sie kann es sich jetzt leisten, ihre Kunden mit neuen Gebühren zu verschrecken, könnte sich das schon bald als fataler Fehler herausstellen.

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Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Paypal.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.



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