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Neue Bohrungen Nach Preisstabilisierung: Österreich dreht Ölhahn wieder auf

10.04.2017, 14:17  |  5165   |   |   

Seit rund zwei Wochen zieht es den Ölpreis wieder gen Norden, am Montag gab es das Barrell Brent für 55,66 US-Dollar. Nicht nur die großen Förderländer freuen sich über diese Entwicklung. Auch kleinere Nationen mit Ölvorkommen lassen sich zu neuen Probebohrungen hinreißen. Zu ihnen gehört auch Österreich, wo demnächst die neueste Technik zum Einsatz kommen soll.

Wie es in so vielen Bereichen des Lebens der Fall ist, gilt auch für der Ölwirtschaft: Des einen Leid des anderen Freud. So sorgten diverse außerplanmäßige Produktionsausfälle in Kanada und Lybien zuletzt für ordentlich Auftrieb beim Ölpreis, wie die Commerzbank der "Deutschen Presse-Agentur" mitteilte. Am Montag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni bereits 55,65 US-Dollar - 41 Cent mehr als am Freitag. Und auch bei längerer Betrachtung scheint sich ein Trend hin zur langsamen Erholung vom Rekordtief aus dem Januar letzten Jahres abzuzeichnen. 

Daran, dass es nochmal zu jenen Preisen kommt, die vor dem großen Ölcrash herrschten, glauben natürlich die Wenigsten. Trotzem sorgte der jüngste Anstieg für eine Portion frischen Optimismus in der Branche. Einige Länder, die nicht OPEC-Mitglied sind und damit keinen Drosselungsvorgaben unterliegen, schicken sich an, demnächst wieder mehr schwarzes Gold aus ihren Böden zu pumpen. Bekanntermaßen und ausschlaggebend für die weitere Kursentwicklung sind das die USA. Weniger in Verbindung mit der Rohölförderung gebracht und eher von geringerer Bedeutung ist Österreich. Trotzdem ist der Wirtschaftszweig seit einigen Monaten dort wieder verstärkt in den Fokus geraten. 

Wie das "Handelsblatt" berichtet, plane der internationale Ölkonzern OMV mit Sitz in Wien in den nächsten Monaten zwölf Bohrungen in der Alpenrepublik durchzuführen. Laut Firmenchef Reinhardt Oswald könnten es aber auch 50 werden, zumindest dann, "wenn der Öl- und Gaspreis stimmt." 170 Millionen Euro will sich der Förderer das Projekt "Öl made in Austria" in den nächsten zwei Jahren kosten lassen. Dabei setzt das Unternehmen auf sogenannte "Designbohrungen", mit denen sich sogar Kurven im Gestein erfolgreich passieren lassen. Somit können die kilometertiefen Vorkommen mit einer einzigen Bohrung ganz präzise erreicht werden. Wenn alles klappt, könnte der Produzent damit rund zehn Prozent des heimischen Erdöl- und Erdgasbedarfs abdecken. 

Mit der fortgeschrittenen Technik schafft es der Konzern zudem, den Zeitpunkt bis zum endgültigen Versiegen der Quellen immer weiter nach hinten zu schieben. Bisher rechnet man mit 15 bis 20 Jahren, in denen noch ausreichend Reserven in den Lagerstätten schlummern - ähnlich sieht es mit den deutschen Vorräten aus. Indem mittels Injektion von tonnenweise gereinigtem Wasser in den Lagerstätten ein beständiger Überdruck erzeugt wird, will man allerdings versuchen, so viel Öl wie möglich aus dem Boden zu pressen. Bislang scheint das Prinzip zu funktionieren. „Wir sind Weltklasse in der Pflege von Lagerstätten“, sagte Oswald.

Die Internationale Energieagentur (IAE) betrachtet den neuen Ölrausch dennoch mit Sorgen. Ob die Nachfrage in der Zukunft damit auch noch bedient werden kann, ist nämlich fraglich. Vor allem in Asien drohe ein sprunghafter Anstieg der Preise, sollte es zu ersten Anzeichen von Engpässen kommen. 

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