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„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis China seine Märkte öffnet“

Gastautor: Thomas Gräf
13.04.2017, 15:13  |  706   |   |   

Chinas Volkswirtschaft brummt. Der Aktienmarkt öffnet seine Pforten, das beudeutet große Chancenund hohe Risiken. Lokale Expertise und Selektivität sind unabdingbar. Auf der FondsConsult InvestorKonferenz in Hamburg sprachen wir mit Wolfgang Fickus von Comgest über die Anlage in chinesische Aktien.

FR: Was macht China attraktiv für Investoren?

 Fickus: China ist die zweitwichtigste Volkswirtschaft der Welt. Seine Mittelschicht wächst dynamisch. Der Aktienmarkt hat sich über das Connect Programm rasant geöffnet. Wir haben in 2 Jahren erstmals direkten Zugang zu 1500 Unternehmen erhalten. Das ist ein gigantischer Schritt. Auf einem so großen Markt gibt es naturgemäß hochwertige Unternehmen und auch Schnäppchen, denn der Markt ist mit 10% professionellen Investoren ineffizient. Zeitungsberichte über galoppierende Verschuldung und ineffiziente Staatsunternehmen lassen sich jede Menge finden. Wenn man aber den Markt mit einem Bottom-Up-Ansatz betrachtet, ergibt sich ein völlig anderes Bild. Der chinesische Aktienmarkt ist ganz klar für aktive Investoren prädestiniert. Ein passiver Ansatz macht überhaupt keinen Sinn.

FR: Welche Risiken sehen Sie derzeit?

 Fickus: Natürlich dürfen wir nicht naiv sein: Wir haben es in China mit volatilen Märkten zu tun. Die Frage, wie man die galoppierende Verschuldung beherrscht, ist durchaus berechtigt. Jedoch dient sie nicht dazu, Konsum auf Pump zu finanzieren. Noch ist man auf ausländisches Kapital angewiesen, um das Problem zu lösen. Der Aktienhandel ist durch zahlreiche regulatorische Eingriffe unruhig, professionalisiert sich jedoch stetig. Die chinesischen Kapitalmärkte sind geprägt vom hohen Sparaufkommen. Da diese Mittel nicht ins Ausland fließen können, besteht eine Tendenz zur Blasenbildung. Damit muss man umgehen können.

FR: Welche Anlagethemen sind in China aktuell interessant?

Fickus: Wir treffen in China bereits jetzt auf eine breite Mittelschicht von rund 200 Millionen Menschen. Dazu rechnen wir Personen mit einem Jahreseinkommen ab 15.000 Euro. Die Mittelschicht wird über die kommenden Jahre auf über 500 Millionen anwachsen, d.h. der Konsum wird dynamisch wachsen. Damit steigen auch die typischen Bedürfnisse: Zugang zu Konsumgütern und modernen Kommunikationsmitteln sowie Lösungen für Gesundheit und Ruhestand.

FR: Welche Aktien bieten sich da an?

Fickus: Es gibt eine Reihe interessanter Aktien auf dem chinesischen Markt, in die sich zu investieren lohnt. Denn Wachstumsunternehmen mit hoher Qualität sind in China noch immer günstig. Spannend sind derzeit Aktien von Unternehmen, die von wachsendem Konsum und Kommunikation profitieren, aber auch Lebensversicherer und der Automobilsektor.

   So haben wir zum Beispiel Anteile von Kweichow Moutai, dem Alleinhersteller des in China beliebten Moutai-Schnaps, bei einem KGV von 12 erworben, obwohl das Unternehmen stetig wuchs und 50% Nettogewinnmarge erwirtschaftete. Heute kostet die Aktie das 20fache des Gewinns. Und SAIC Motor, Chinas größter Automobilhersteller vertreibt VW und GM Fahrzeuge, wird derzeit mit einem KGV von 9 gehandelt.

   Sehr spannend ist der chinesische E-Commerce, da sich der Markt viel dynamischer als anderswo auf der Welt entwickelt. In China explodieren die Datennetze, 500 Millionen Konsumenten kaufen bereits mit dem Smartphone. Eine interessante Aktie ist hier zum Beispiel Vipshop Holdings.

   Auch die Nettovermögen der Haushalte wachsen rasant, gleichzeitig ist der Markt für Lebensversicherungen noch stark unterentwickelt. Ein aussichtsreicher Wert ist hier beispielsweise die China Life Insurance Co.

FR: Wie geht man als Investor auf einem so schwierigen Markt vor?

Fickus: Man muss extrem selektiv vorgehen. Dazu braucht es aber einiges an Erfahrung und ein Team vor Ort. Wir sind in Hong Kong mit 5 Mann vertreten und machen seit zwanzig Jahren eigenes Research im Land. Über unseren Qualitätswachstumsansatz filtern wir sehr stark. Unser Investmentuniversum für A-Shares deckt nur 2% des Marktes ab. Dies sind Unternehmen die dynamisch wachsen, sehr profitabel arbeiten und nicht verschuldet sind. Circa 50% des Marktes sind Staatsunternehmen. Hier muss man besonders aufpassen.

FR: Wie wird sich der chinesische Markt in Zukunft entwickeln?

Fickus: Es liegt in Chinas Interesse, den Renminbi zu internationalisieren, die Kapitalbilanz allmählich zu öffnen. Dann kann chinesisches Sparkapital auch im Ausland investiert werden und Unternehmen können Technologien im Ausland kaufen, ohne um staatliche Erlaubnis zu bitten. Der Renminbi soll in den Rang einer Reservewährung aufsteigen. Der Wechselkurs orientiert sich ja bereits am Markt, was etwa zur Aufnahme in den Korb der Sonderziehungsrechte geführt hat. Der Prozess der Marktöffnung ist aus all diesen Gründen nicht mehr rückgängig zu machen.

   Trotz des Geredes über die Abwertung zum USD über die vergangenen 1,5 Jahre gehört der Renminbi in den letzten 20 Jahren zum Club der festesten Währungen der Welt. Das Connect Programm ist ein vorsichtiger Schritt in Richtung Öffnung der Kapitalbilanz, denn Chinesen können hierüber auch in Hong Kong Dollar denominierte Aktien kaufen. Die Aufsichtsbehörden haben aus dem schrecklichen Jahr 2015 gelernt. Der Aktienmarkt wird sich stetig weiter  professionalisieren.  

Wolfgang Fickus ist Mitglied des Investmentkomitees bei Comgest. Deren Fonds Comgest Growth Emerging Markets ist mit einem Drittel des Fondsvermögens in China investiert.

(TG)

 



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