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Die Türkei ringt mit den Schulden

Gastautor: Daniel Saurenz
05.05.2017, 11:00  |  1865   |   |   

Börse_Türkei3Im ersten Teil des Beitrags über die Türkei standen neben der hohen Inflation auch die aktuellen Konjunkturdaten im Fokus. Während die Wirtschaft in der Eurozone floriert (Tipp: EUROSTOXX 50 Capped Bonus  PR2PS4)  ergibt sich in der Türkei ein geteiltes Bild zwischen den offiziellen Zahlen und dem tatsächlichen Zustand der Wirtschaft. Positiv lässt sich zwar vermelden, dass sich die türkische Lira ein wenig zu erholen scheint, allerdings bergen besonders die hohen Auslandsschulden erhebliche Risiken für die türkische Wirtschaft. 

Trotz der schlechten Konjunkturdaten ist die Lira seit Erdogans Erfolg beim Referendum auf Erholungskurs. Zuletzt notierte sie bei rund 3,60 Lira je Dollar. Investoren setzen darauf, dass Erdogan wegen des knappen Ausgangs des Referendums zumindest auf kurze Sicht keine vorgezogenen Neuwahlen ankündigen dürfte, weshalb die politischen Risiken ein wenig abgenommen haben. Trotz des jüngsten Kursanstiegs ist die Lira aber um 50 Prozent weniger wert gegenüber dem Dollar als im Januar 2013 und notiert damit nicht weit entfernt vom Rekordtief. Gegenüber dem Euro hat die Lira im gleichen Zeitraum um mehr als 40 Prozent abgewertet. Umso genauer haben Investoren die Auslandsschulden der Türkei, also von Staat, privaten Haushalten und Unternehmen, im Auge. Zuletzt waren sie zwar leicht gesunken auf umgerechnet 404,2 Milliarden Dollar, davon 87 Milliarden gegenüber spanischen Banken und 42 Milliarden gegenüber französischen.

Börse_TürkeiDamit beläuft sich die Auslandsverschuldung auf 49 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das ist im internationalen Vergleich zwar ein relativ niedriger Wert, allerdings soll er laut Schätzungen im laufenden Jahr auf 57 Prozent nach oben schießen. Zinsen von 10,4 Prozent für zehnjährige türkische Staatsanleihen zeigen daher klar, für wie riskant Investoren ein derartiges Engagement halten, zumal die Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody‘s türkische Anleihen als Ramschanleihen einstufen und die Lira weiter abwerten könnte.

Kein Ramsch, sondern vielfältige Produktideen finden Sie wie gewohnt in unserer ISIN-Liste. Wer weiter auf eine positive Entwicklung in der Eurozone setzt, schaut sich zum Beispiel den EUROSTOXX 50 Discount Call mit WKN PR01C5 an. Besonders stark im Aufwind: der spanische IBEX 35, passend dazu der Call mit der WKN DX309X. Kostengünstig handeln können Sie diese und andere Produkte übrigens beim günstigen Onlinebroker DEGIRO.

Zurück zur Türkei und den enormen Auslandsschulden des Landes. Diese dürften etlichen Experten Kopfzerbrechen bereiten, vor allem die Auslandsschulden der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors. Diese Schulden sind auf umgerechnet rund 210 Milliarden Dollar nach oben geschossen – das ist mehr als eine Verdreifachung gegenüber dem Jahr 2009 und birgt damit enorme Risiken. Denn eine Abwertung der Lira um 50 Prozent gegenüber dem Dollar bedeutet, dass die Unternehmen später doppelt so viele Lira aufwänden müssen, um ihre Kredite auf Dollar-Basis zu bedienen.

Das Geld fehlt an anderer Stelle für Forschung und Entwicklung, Investitionen oder höhere Löhne und belastet damit die Wirtschaft enorm.
Trotz gegenteiliger Beteuerungen trüben sich die Perspektiven für die Wirtschaft zusehends ein, weshalb die Appelle der Türkei um Wirtschaftshilfe aus Deutschland umso drängender werden dürften. In dem Konjunkturumfeld könnte die Erholung der Lira bald auslaufen und die Währung in Richtung der Rekordtiefs abtauchen. Dann könnte die Sorge vor einer Schuldenkrise, gerade bei Unternehmen, deutlich hochkochen.

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