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Rohstoffe: Risikoaversion und Dollarschwäche im Blickpunkt
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Rohstoffe Risikoaversion und Dollarschwäche im Blickpunkt

Gastautor: Eugen Weinberg
18.05.2017, 12:45  |  1778   |   |   

Edelmetalle: Der schwache US-Dollar bzw. starke Euro – der EUR-USD-Wechselkurs notiert auf einem 6-Monatshoch – gibt den Edelmetallpreisen weiterhin Unterstützung. Der US-Dollar neigt wegen des politischen Chaos in den USA und der sich häufenden Skandalmeldungen über den US-Präsidenten Trump zur Schwäche. Im Zuge dessen ist auch die Risikoaversion merklich gestiegen. Daneben weist der Euro eine gewisse Stärke auf, da zum einen das Vertrauen in die Euroraum-Konjunktur zunimmt. Zum anderen erwartet die Mehrheit der Marktteilnehmer mittlerweile eine erste Zinserhöhung der EZB vor Mitte 2018 – eine Einschätzung, die unsere Volkswirte nicht teilen. Gold profitiert von dieser Gemengelage und steigt heute Morgen auf ein 2½-Wochenhoch von über 1.260 USD je Feinunze. Es hat gestern zudem die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie überwunden, was zusätzlichen Auftrieb gab. Im Fahrwasser von Gold wurde Silber mit nach oben gezogen und hat zeitweise wieder die Marke von 17 USD je Feinunze überwunden.

Unterdessen wird offenbar ein in den letzten Wochen sehr beliebter Trade – Kauf Palladium und Verkauf Platin – rückabgewickelt. Während Platin seit einigen Tagen zulegt, steht Palladium zunehmend unter Druck. Gestern stand zeitweise ein Minus von 2% zu Buche. Die Preisdifferenz zwischen Platin und Palladium hat sich im Zuge dessen wieder auf rund 160 USD je Feinunze ausgeweitet. An der Comex bestanden in der letzten Berichtswoche bei Platin rekordhohe Netto-Short-Positionen, während die Netto-Long-Positionen bei Palladium noch nahe dem Allzeithoch lagen. Bei beiden Edelmetallen war daher von dieser Seite mit einer Gegenbewegung zu rechnen.

Produktidee: Faktor-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CD5 B2V Long Gold Future Faktor: 3
CD5 B32 Short Gold Future Faktor: -3

Energie: Brentöl handelt am Morgen bei 52 USD je Barrel. Gestern Nachmittag war der Preis nach der Veröffentlichung der US-Lagerdaten zwischenzeitlich bis auf 52,6 USD gestiegen. Die US-Rohöllagerbestände sind in der letzten Woche laut US-Energieministerium um 1,75 Mio. Barrel gefallen. Dies war der sechste Lagerabbau in Folge. Da das API am Vorabend einen Anstieg der US-Rohölvorräte berichtet hatte, reagierten die Ölpreise positiv auf die Lagerdaten. Die deutlich gestiegene Risikoaversion an den Finanzmärkten hatte bislang erstaunlich wenig Auswirkungen auf die Ölpreise. Denn diese geht mit einem schwächeren US-Dollar einher, was die negativen Auswirkungen auf die Marktstimmung kompensiert. Zudem richtet sich das Augenmerk der Marktteilnehmer zunehmend auf die OPEC-Sitzung heute in einer Woche. Sollte die OPEC wie allgemein erwartet eine Verlängerung der Produktionskürzungen zumindest bis zum Jahresende beschließen und diese auch weitgehend umsetzen, wäre der globale Ölmarkt im zweiten Halbjahr deutlich unterversorgt. Die kommerziellen Lagerbestände in den OECD-Ländern würden dann wie von der OPEC beabsichtigt bis zum Jahresende auf den 5-Jahresdurchschnitt zurückkehren. Die Einhaltung der Produktionskürzungen durch die OPEC-Länder dürfte wegen des weiteren Verlustes von Marktanteilen an die US-Schieferölproduzenten allerdings bröckeln. Daher rechnen wir mit einer steigenden OPEC-Produktion im Jahresverlauf, was die Ölpreise wieder unter Druck setzen würde.

Produktidee: Unlimited Turbo-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CV0 8NN Bull Oil Brent Future Hebel: 15,0
CE9 U68 Bear Oil Brent Future Hebel: 15,7

Industriemetalle: Eine höhere Risikoaversion der Marktteilnehmer, die sich unter anderem in fallenden Aktienmärkten widerspiegelt, führt heute Morgen zu sinkenden Metallpreisen. Kupfer gibt um fast 2% auf 5.500 USD je Tonne nach, Nickel und Blei verlieren jeweils rund 1,5%. Die gestiegenen Häuserpreise in China geben den Metallpreisen keine Unterstützung. Laut Angaben des Nationalen Statistikbüros sind die Immobilienpreise im April im Vergleich zum Vorjahr um 12,6% gestiegen, etwas weniger stark als im März. Unsere Volkswirte sind der Meinung, dass gerade in den erstrangigen Städten des Landes die Preise ihren Zenit überschritten haben. Die von der Regierung und der Zentralbank eingeführten Beschränkungen auf dem Immobilienmarkt und die verschärften Regulierungen im Bankensektor würden immer mehr ihre Wirkung entfalten. Die erwartete weitere Verlangsamung dürfte auch das Wirtschaftswachstum in den nächsten Quartalen dämpfen und könnte die Metallnachfrage negativ beeinflussen. Nach zweimonatigem Rückgang ist der Eisenerzpreis in Singapur gestern um 3,4% nach oben gesprungen. Er gibt heute Morgen aber bereits wieder nach und handelt im nächstfälligen Futures-Kontrakt bei 61 USD je Tonne. Wir sehen nach wie vor Korrekturpotenzial, da der seewärtige Markt überversorgt ist. Während das Angebot in den nächsten Jahren vor allem aus Australien und Brasilien weiter steigen wird, lässt die chinesische Importdynamik nach.

Produktidee: Unlimited Turbo-Zertifikate
WKN Typ Basiswert Merkmale
CE4 PQM Bull Copper Future Hebel: 7,7
CE8 7XV Bear Copper Future Hebel: 6,8
Rechtliche Hinweise: Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise. Bitte beachten Sie zusätzlich den wichtigen Hinweis zu allen abgebildeten Charts und Kursverläufen: Frühere Wertentwicklungen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

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Gastautor

Eugen Weinberg
Leiter Rohstoffanalyse, Commerzbank AG

Eugen Weinberg leitet seit März 2007 das Rohstoff-Research-Team bei der Commerzbank. Der Diplom- Wirtschaftsmathematiker ist in Russland geboren, kam im Jahr 1999 für ein MBA-Studium nach Deutschland. Danach war er als Fondsmanager und Rohstoffanalyst bei der BW-Bank in Stuttgart beschäftigt und baute im Anschluss den Bereich Rohstoff-Research bei der DZ Bank in Frankfurt auf. Bei der Commerzbank ist er mit seinem Team maßgeblich für die Erstellung der Prognosen und der Strategien im Rohstoffsektor verantwortlich.

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