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Grüne "Unternehmensberater" Braucht die Autoindustrie grüne Besserwisser?

Gastautor: Rainer Zitelmann
19.05.2017, 11:36  |  1614   |   |   

Vorstände von Daimler, Bosch, Audi und weitere 37 Teilnehmer treffen sich heute mit dem grünen Ministerpräsident Kretschmann auf einem Schloss, um einen "strategischen Dialog" über die Zukunft der Automobilindustrie zu führen. Meine Meinung: Das Beste, was die Politik für die Automobilindustrie tun kann, ist, sie in Ruhe zu lassen.

Die deutsche Automobilindustrie ist ein Rückrat für unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit. Sie ist das geworden dank deutscher Ingenieurskunst, nicht durch die Weisheit deutscher Politiker. Trotzdem glauben die grünen Politiker - wobei ich damit nicht nur die Vertreter der grünen Partei, sondern beispielsweise auch Angela Merkel meine - die deutsche Automobilindustrie sei auf ihre klugen Ratschläge dringend angewiesen. Es gehört inzwischen zum Standardrepertoire der Reden grüner Politiker, der Autoindustrie zu erklären, was sie versäumt habe, was sie besser machen müsse, welche Strategie sie verfolgen solle und wie ihre Produktpolitik auszusehen habe.

Verbieten und belehren
Die Grünen wollen, dass spätestens ab 2030 Benzin- und Dieselmotoren verboten werden. "Verbieten" ist ja bekanntlich ohnehin das Mantra der Grünen. Merkel verkündete immer wieder, dass bis 2020 eine Million Deutsche Elektroautos fahren sollen. Dafür wurden üppige staatliche Subventionen ausgereicht - doch nur 18.000 Deutsche ließen sich dadurch locken. Inzwischen musste Merkel einräumen, dass man das utopische Öko-Ziel nicht erreichen könne.

Ich meine: Die Politiker sollten nicht anfangen, Unternehmensberater oder Unternehmer zu spielen. Denn davon verstehen sie nichts. Sie brauchen keine Belehrungen über ihre Strategie - weder von Cem Özdemir noch von Claudia Roth oder Angela Merkel.

Kümmert euch um die wirklichen Probleme!
Das Beste was die Politik tun kann, ist die Automobilindustrie in Ruhe zu lassen. Haben die Politiker nicht genug Anderes zu tun? Was ist mit den Einbrüchen ausländischer Banden, gegen die den Politikern nicht Besseres einfällt als die Erhöhung der Mindeststrafe? Was ist mit No Go-Areas in deutschen Städten und arabischen Clans, vor denen die Politiker die Augen verschließen oder deren Existenz sie teilweise sogar bestreiten? Was ist mit Attentätern wie Anis Amri, der unter zahlreichen Identitäten lebte, im großen Stil mit Drogen handelte und schließlich in eine Menschenmenge auf dem Berliner Weihnachtsmarkt raste? Wir wissen heute, dass man dies hätte verhindern können.

Also: Es gibt genug wirkliche Probleme, um die sich die Politik kümmern könnte, aber nicht ausreichend kümmert oder nur mit symbolischen Maßnahmen reagiert. Die deutsche Automobilindustrie dagegen kann ganz gut ohne die selbst ernannten grünen Unternehmensberater zurecht kommen.

Opportunistische Autobosse
Die Autobosse sind - so wie die meisten Wirtschaftsvertreter - opportunistisch, machen gute Mine zum bösen Spiel und kommen brav zu Kretschmanns Autogipfel. Aus meiner Sicht sind solche Veranstaltungen im besten Fall eine Zeitverschwendung für alle Anwesenden. Ich würde mir mal einen mutigen Autoboss wünschen, der öffentlich sagt: "Wir brauchen die Ratschläge grüner Politiker nicht, kümmert euch um die wirklichen Probleme und lasst uns in Ruhe." Das traut sich jedoch keiner. Stattdessen kommt Daimler-Chef Zetsche zum grünen Parteitag, verkleidet sich dort als Grüner und redet ihnen nach dem Munde, während viele Delegierte johlen und ihm Plakate wie "Fahrrad statt Auto" vorhalten.

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Kommentare

Also ich kann die Heuchelei und Doppelmoral der "grünen" Ideologen und deren Ökobilanz nur noch schwer ertragen. Die Energiewende in Deutschland - ein Desaster. Bislang flossen hunderte Milliarden in ein Projekt, dass bis Dato keine effektive Reduktion der CO2 Emissionen hervorgebracht hat, eine nicht überlebensfähige, redundante elektrotechnische Infrastruktur im Land geschaffen hat, ja, die sogar dazu geführt hat, dass umweltfreundliche Gaskraftwerke in benachbarten Ländern der EU abgestellt und die Verbraucher dort mit deutschem Kohlestrom versorgt werden während wir Bürger - nicht die Industrie!, sie dafür bezahlen. Vom Niedergang der Energieversorger in Deutschland und dem bevorstehenden Leitungsbau der neuen Stromtrassen ganz zu schweigen. Und diese Milliardenausgaben nur, um möglicherweise 20% der Verursacher von Kohlendioxid um ein paar Prozent zu reduzieren? Und das Pikante. Jeder Politiker weiß dies, es wird nur totgeschwiegen und so getan als sei nichts passiert.
Und jetzt wollen genau jene "Spezialisten" von denen wohl die Wenigsten eine technisch naturwissenschaftliche fundierte Ausbildung nachweisen können, wieder die Projektplanung und Entscheidungen eines technisch äußerst komplexen Sachverhaltes übernehmen und zweifeln die Aussagen und Erfahrung jener an, die sich seit Jahrzehnten mit den verschiedensten Themen und Möglichkeiten rund um das Thema alternative Antriebstechnologien auseinander setzen? Das wäre wie wenn sich der ehemalige Chefplaner des Berliner Flughafens selbst fürs nächste Jahrhundertprojekt nominieren würde. Frei nach dem Motto: "Lass mich mal, ich kann das! Oh, ....".

Und wir hätten die eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen bis 2020 doch vermutlich leicht geschafft - ob dies seitens einer Oköbilanz über den ganzheitlichen Produktlebenszyklus von Elektrofahrzeugen gesehen von Vorteil gewesen wäre wage ich ernsthaft zu bezweifeln, wenn ein Teil von deren Anhängern nicht nur immer versuchen würde den anderen Menschen im Land die eigene Meinung aufzuzwingen, sondern wenn diese einmal selbst mit gutem Beispiel vorangegangen wären und sich ein solches Fahrzeug gekauft hätten. Falls diese Menschen auch wirklich glauben was sie den ganzen lieben Tag so predigen! War nicht ein Masserati genau jenes Fahrzeug, mit dem der Chef eines kürzlich zum wiederholten Male in die Insolvenz geschlitterten deutschen Solarunternehmens, ein studierter Agrarwissenschaftler und ein geschätztes Parteimitglied von Bündnis90/Die Grünen oft vorgefahren ist? Daran kann man doch das Problem ganz klar erkennen. Dies betont in meinem Augen wie nachhaltig und aufrichtig die Botschaften dieser Menschen in Wahrheit sind. Der Umwelt wirklich etwas Gutes tun und als Vorbild mit dem Fahrrad fahren - Fehlanzeige!

Und die Wahrheit, nämlich, dass auch Elektrofahrzeuge das Problem auf absehbare Zeit nicht lösen können und werden, insofern es bei der Stromerzeugung zu keinem ökologisch, technologischen Quantensprung wie beispielsweise eines industriellen Kernfusionsreaktors kommt, will doch keiner hören. Leider hat man hier seitens der Projektplanung vermutlich auf das vollkommen falsche Steckenpferd gesetzt.

Damit ist die ganze Diskussion wohl eher - wie formulieren die Politiker dies doch immer so schön - postfaktisches Wunschdenken und Populismus in Reinkultur.
Der Autor des Artikels geriert sich einmal mehr als ideologischer Wirtschaftslobbyist und als hässliches Gesicht des "freien Marktes".
Dass durch Automobilverkehr auch Schaden an Mensch und Umwelt entsteht, davon scheint er noch nie was gehört zu haben. Aber Hauptsache, die Aktien steigen und die eigenen Vorteile bleiben gesichert. Können die anderen doch verrecken! Und wenn da noch ein (in diesem Fall: hoch integrer!) Politiker daherkommt, um sinnvolle und notwendige Regeln treffen zu wollen, am besten einfach immer drauf, mit Halbwahrheiten und Hetze billigsten Kalibers. Die arme Industrie!

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