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Trump plant angeblich Lockerung der Bankenregulierung

Gastautor: Sebastian Hell
24.05.2017, 13:28  |  918   |   |   

Eine der ersten großen Maßnahmen des designierten US-Präsidenten Donald Trump war Anfang Februar 2017 die Anordnung, dass geltenden Vorgaben zur Regulierung des Bankenwesens abermals auf den Prüfstand gestellt werden sollten. Das Ziel – glaubt man den Medienberichten – sind vor allem geplante Deregulierungen, um der Bankenbranche wieder mehr Raum zur Entfaltung zu gewähren, als es unter der Regierung Obama der Fall war. Dabei gibt es ausreichend Kritiker, denen die bestehenden Regeln bereits nicht weit genug gehen vor dem Hintergrund der Finanzkrise ab dem Jahr 2006. Dennoch möchte Präsident Trump den Geldhäusern mehr Freiheiten geben. Und das obwohl selbst von Seiten der Zentralbanken in den USA Kritik laut wird.

Will sich der US-Präsident nicht an seine Zusagen erinnern?

Fast scheint es so, als verfolge Trump einen Plan, bei dem es in erster Linie darum geht, alles anders zu machen als sein Amtsvorgänger. Interessanterweise hatte es noch im Wahlkampf geheißen, man wolle die Wall Street im Auge behalten, was gerade im Zusammenhang mit Selbstmorden von Kreditnehmern hervorgehoben wurde, deren Immobilien infolge des Zusammenbruchs des Kreditmarktes zwangsversteigert wurden. Doch keine Spur mehr von den Vorwürfen bezüglich eines vermeintlich korrupten und manipulativen US-Bankensystems. Schon mit der Berufung Steven Mnuchins, seines Zeichens früherer Banker im Hause Goldman Sachs, als Finanzminister zeigte sich frühzeitig, welchen Kurs die Trump-Regierung vermutlich einschlagen würde. Deregulierung statt Regulierung? Vieles deutet darauf hin.

Regulierungs-Rückabwicklung als Chance für Anleger?

Die Frage in diesem Kontext ist aber: Was wird die mögliche neue Ausrichtung der Bankenregulierung für Anleger und  Verbraucher allgemein bedeuten? Und welche Folgen könnte das Vorgehen Trumps und seiner Regierung auf die internationale Politik haben? Insbesondere das sogenannte „Dodd-Frank-Gesetz“, welches maßgebliche Reformen für den Handel an der Wall Street beinhaltet, steht scheinbar auf dem Spiel, wie Trump selbst durchblicken ließ, als er mitteilte, dass am Ende der Überprüfungen vermutlich ein großer Teil des Regelwerks auf der Strecke bleiben werde. Für Spekulanten und Anleger könnte eine neue Regulierungspraxis bzw. die Rückabwicklung der bisherigen Richtlinien natürlich durchaus neue Chancen mit sich bringen.

Die Regellockerungen könnten dafür sorgen, dass zwischenzeitlich ausgesprochene Verbote – beispielsweise im Zusammenhang mit Leerverkäufen und ähnlichen Handelsansätzen – wieder zurückgenommen werden könnten.

Skeptiker warnen vor erneuter Kreditkrise bei Rücknahme der Regulierungsvorgaben

Spannend ist die aktuelle Lage eben deshalb, weil der US-Präsident aus den Reihen der Republikanischen Partei mit einem Gegenwind zu kämpfen hat; auch bei den regional zuständigen Zentralbank-Chefs zeigt man sich nicht keineswegs begeistert von den Aussichten zur drohenden Deregulierung. Schon jetzt warnen etlichen Experten vor einer lascheren Regulierung der Banken. Vielmehr sorgt man sich bereits mit Blick auf zukünftige Belastungen der Steuerzahler, sollte es aufgrund der Korrekturen erneut zu Krisen innerhalb der Finanzbranche kommen. Innerhalb der Bankenlandschaft macht man sich hingegen ganz andere Gedanken. Dort fürchtet man eher, der Widerstand gegen die erhofften Gesetzesänderung könnte dazu führen, dass die Maßnahmen überschaubar ausfallen könnten.

Zieht Großbritannien im Rahmen der Brexit-Planung nach?

Auch in Europa mehren sich die Stimmen, die sich für eine Verschärfung des bestehenden Regulierungssystems stark machen. EZB-Vize Vitor Constancio etwa ist einer derjenigen, die sich noch mehr Regulierung für die Bankenwelt wünschen. Und das scheinbar aus gutem Grund, wenn man nach Großbritannien schaut. So fürchten Analysten in Europa, der Brexit könnte im Vereinten Königreich ebenfalls eine Lockerung der Regulierungsbestimmungen nach sich ziehen. Schließlich wird es in Zukunft nach dem Ausstieg aus der Europäischen Union Anreize brauchen, um London wie gehabt für Banken und Unternehmen als Zentrum der europäischen Finanzwelt zu bestätigen.

Europas führender Banker gegen mögliche Lockerung

EZB-Chef Mario Draghi hatte in weiser Voraussicht schon mehrfach geäußert, Lockerungen der Regulierung könnten vor allem dazu führen, dass alten schlechten Gewohnheiten der Bankenwelt erneut Tür und Tor geöffnet werden. Unterstützung erhält Draghi unter anderem von Gewerkschaftsvertretern und Bankern aus Deutschland, auch wenn dies manchen Beobachter etwas überraschen mag. Doch dort spricht sich beim besten Willen nicht jeder Verantwortliche für die 100-prozentige Freiheit aus, denn schwarze Schafe gibt es nun einmal überall. Und diese könnten die Branche abermals in Misskredit bringen.

Auch der IWF sieht Risiken bei lockereren Regelwerken

Das Interesse auf Anlegerseite für die Pläne Trumps erklärt sich in vielen Fällen aber sicher eher daraus, dass die potentielle Deregulierung neue Chancen hinsichtlich der Produktauswahl schaffen könnte, nachdem zuletzt Finanzderivate wie CFDs weltweit zunehmend unter politischen Beschuss gerieten. So könnten die USA aus Sicht manches Beobachters die Federführung übernehmen, so dass beispielsweise Großbritannien den Banken nach dem Brexit ebenfalls wieder mehr Freiräume einräumen könnte. Vielleicht aber wird sich am Ende auch der Internationale Währungsfonds (IWF) durchsetzen, bei dem man sich eindeutig gegen eine „Verwässerung und Zurückdrehung“ der Regulierung ausspricht. So hält man dort vor allem strikte Richtlinien in puncto Liquidität für die weltweite Bankenwelt für unverzichtbar.

Jedoch: Trump hat trotz des Drucks, der zunehmend auf ihn ausgeübt wird, schon mehr demonstriert, dass er imstande ist, gegen Widerstand eigene Entscheidungen durchzusetzen – notfalls mittels Dekret, wie es seit seiner Amtseinführung schon mehrfach getan hat.



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Kommentare

Kritische Positionen(Derivate,Eigenhandel,riskante Kredite) sollen mit mehr EK unterlegt werden. Was ist daran schlimm? Trump passt das nicht.Ihm reichen die 2% EK wie vor 08.Sehr riskant für uns alle!
Seit 2000 ist der Umfang im US-Derivate Handel, von 90,7 auf 640,5 Mrd US Dollar gestiegen.Ein Anstieg von über 600 %!
Kein Wunder das die US Banken da Druck machen? Nur...ist das zielführend...?
Wir haben doch immer wieder gesehen,wie sich Banken im Derivate Handel verspekulieren:1995:http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9158551.html, 2008:https://de.wikinews.org/wiki/Milliardenverlust_bei_Soci%C3%A9t%C3%A9_G%C3%A9n%C3%A9rale
2012:http://www.stern.de/wirtschaft/news/fehlspekulationen-von-jp-morgan--lord-voldemort--verzockte-zwei-milliarden-dollar-3845994.html

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