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Keine leichte Kost Katar: Wüstenstaat könnte in eine Krise stürzen

06.06.2017, 15:06  |  3853   |   |   

Große Staaten haben die Beziehungen zu Katar abgebrochen: Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Jemen, Malediven und Libyen. Es soll der schwerwiegendste diplomatische Konflikt seit 1991 sein. Was sind die Konsequenzen für die Wirtschaft?

Die Kampagne hat ihren Ursprung in Bahrain. Katar unterstütze Terrorgruppen und finanziere bewaffnete Gruppen, die mit Iran in Verbindung stünden, subversiv tätig seien und in der Region `Chaos´ säten, hiess es in Manama ("NZZ"). Riad folgte auf dem Fuss mit der Bekanntmachung, man habe aus Gründen der nationalen Sicherheit die Beziehungen zu Doha abgebrochen. Binnen Minuten folgten die Emirate und Ägypten. Das ägyptische Außenministerium gab bekannt, alle Häfen und Flughäfen seien für Verkehrsträger aus Katar geschlossen.

Wie die "NZZ" schrieb, erkauft sich die Diktatur Katars wohl seit Jahren ein modernes Image: Moderne Hochhäuser, Fußballclubs und große Kunstsammlungen. Nun fliegen mal wieder die Fetzen. Das Verhältnis zwischen Katar und den anderen Golfstaaten ist schon seit Langem angespannt: Bereits vor drei Jahren hatten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain für einige Monate ihre Botschafter aus Doha abgezogen ("Stern").

Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen dürfte Katar trotz seines Reichtums aus Öl und Gas schwer treffen, auch weil die wirtschaftlichen Kontakte davon betroffen sein werden. Alle Nachbarstaaten ließen die Grenzen sperren. Die Verbraucher haben sich wohl mit Grundnahrungsmittel wie Reis, Eier oder Milch eingedeckt und es wird von Panikkäufen berichtet. Lebensmittel aus Saudi-Arabien können nicht mehr hinein. Ob die Panik vor Ort tatsächlich so gross ist, wie derzeit berichtet wird, ist unklar. Ebenso liegen die Folgen für die internationalen Wirtschaftsbeziehungen noch im Dunkeln. Fakt ist, dass ExxonMobil, Total und Shell gemeinsam mit dem Staat Katar das grösste Gasfeld der Erde im Persischen Golf unterhalten und aus den gemeinsamen Joint Ventures exportieren sie das verflüssigte Erdgas vor allem nach Asien, aber auch Großbritannien.

Infografik: Katars Außenhandel | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Katar hatte sich in den vergangenen Jahren bei bekannten Großkonzernen wie: Volkswagen (17 Prozent), Deutsche Bank, Tiffany, der British-Airways-Mutter IAG, den Großbanken Barclays und Credit Suisse beteiligt. Daraüber hinaus gehören dem Wüstenstaat das Londoner Kaufhaus Harrods und er hält eine zehnprozentige Beteiligung am New Yorker Empire State Building.

Fakt ist, dass Katar mit seinen Unternehmensanteilen - solange es keine internationalen Sanktionen gibt - machen kann, was es will. Es wird zu keinen Notverkäufen kommen, solange Katar kein Geld braucht. Trotzdem belastet der diplomatische Bruch Saudi-Arabiens und anderer arabischer Staaten mit Katar die Börsen in Fernost. Am gestrigen Handelstag gab der katarische Aktienindex QE All Share um 7,3 Prozent nach - es war der größte Tagesverlust seit Dezember 2014 ("ARD"). Der Ölpreis gab weiter nach. Die richtungsweisende Sorte Brent verbilligte sich um 0,5 Prozent auf 49,23 Dollar je Barrel (159 Liter). 

Im Streit Katars mit seinen Nachbarländern und Ägypten haben sich offenbar mindestens vier Schlichter angeboten. Der kuwaitische Emir Scheich Sabah al-Ahmad al-Sabah forderte den katarischen Emir am Montagabend auf, Bemühungen zur Entspannung der Lage eine Chance zu geben. Ein türkischer Regierungsmitarbeiter sagte, Präsident Recep Tayyip Erdogan sei "aktiv" in die Lösung der diplomatischen Krise eingebunden ("PR"). Daneben haben auch Trump und Putin sich als Schlichter angeboten. Trump wolle mit allen Beteiligten sprechen, um die Situation zu beruhigen, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses am Montag in Washington ("Handelsblatt").

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