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Startklar Lidl startet diese Woche in den USA und Aldi wird mit neuen Filialen nachlegen

12.06.2017, 12:35  |  3846   |   |   

Am Donnerstag wird der Lebensmittel-Discounter Lidl die ersten neun Geschäfte in den USA eröffnen. Bis zum Sommer 2018 sollen schon 100 Filialen existieren. Der Lebensmittel-Discounter Lidl setzt große Hoffnungen in den Markteinstieg in den USA.

Vor gut zwei Jahren wurde angekündigt, dass Lidl den US-amerikanischen Lebensmittelmarkt mit einem hohen Tempo erobern möchte. Jetzt wird sich zeigen, ob dieses ambitionierte Ziel in die Tat umgesetzt werden kann. Am Donnerstag eröffnen in drei US-Bundestaaten insgesamt neun Lidl-Märkte.

Der US-amerikanische Handel ist jedoch nicht ganz einfach. Auf den Export von Lebensmitteln in die USA gibt es recht hohe Zölle, was einen Preisaufschlag von bis 140 Prozent bedeuten kann. Größere Handelsbarrieren könnte zukünftig die deutschen Discounter Lidl und Aldi unter Druck setzen. Bislang waren die USA für die deutsche Nahrungsmittelindustrie der zweitwichtigste Absatzmarkt außerhalb Europas, denn das jährliche Absatzvolumen lag bei circa 1,6 Milliarden Euro. Ein weiterer Pluspunkt der USA sind die 320 Millionen Konsumenten - mit einem ähnlichen Konsum- und Geschmacksmuster wie wir in Europa ("SWR").

Der Platzhirsch ist Wal-Mart: Bruttojahresumsatz 2015 circa 208 Milliarden US-Dollar. Auf den zweiten und dritten Platz kamen Kroger mit 96 Milliarden US-Dollar und Costco mit 49 Milliarden US-Dollar. Weit abgeschlagen belegte Aldi den neunten Platz - Bruttoumsatz 2015 von circa 19 Milliarden US-Dollar ("Statista"). Bei den Filialen ergibt sich ein etwas anderes Bild, denn Wal-Mart belegte 2015 mit 5.249 Geschäfte nur den zweiten Platz - Platz 1: Seven & I mit 8.793 Filialen. Das Filialnetz von Aldi in den USA ist mit 1.950 Geschäften nicht zu unterschätzen, denn es belegte 2015 nach Albertsons - 2.320 Geschäfte - und Kroger - 3.440 Geschäfte - den fünften Platz ("Statista").

In dieses Haifischbecken stürzt sich nun Lidl. Innerhalb eines Jahres sollen 100 Lidl-Filialen existieren und in den nächsten fünf Jahren könnte es bereits 600 Geschäfte geben ("Bloomberg"). Damit wäre Lidl immernoch weit entfernt von den "Big-Playern".

Was die Anzahl der Filialen angeht, so könnte Aldi den Sprung in die Top-3 schaffen. In den kommenden fünf Jahren sollen 900 neue Aldi-Filialen in den USA eröffnen. Somit kratzt Aldi an der 3.000-Marke. 

Obwohl die Anzahl der Filialen und der erwartete Umsatz von Lidl und Aldi die US-amerikanischen Lebensmittelhändler nicht in Unruhe versetzen dürften, gibt es doch einen sensiblen Punkte, und zwar die Preispolitik. Es wird erwartet, dass es zu einer Preisschlacht kommt, in der die beiden deutschen Unternehmen Walmart & Co dazu zwingen, ihre Preise zu reduzieren. Dies könnte für die etablierten US-Konzerne durchaus unangenehm werden, denn bereits seit mehr als einem Jahren fallen die Lebensmittelpreise in den USA deutlich. Noch mehr Kunden an Lidl und Aldi zu verlieren, könnte erhebliche Einschnitte bedeuten. Zudem wird damit gerechnet, dass das Segement der Lebensmitteldiscounter bis 2020 jährlich um zehn Prozent wachsen wird, während die klassische Branche nur ein jährliches Wachstum von zwei Prozent erwartet. 

Erfolgreich scheint Aldi in den USA zu funktionieren, weil das Angebot grundlegend überarbeitet wurde. Aldi führt mehr Produkte und hat sein Angebot um Organic und Gluten-Free Produkten erweitert. Darüber hinaus verkauft Aldi frischen Fisch, hat sein Fleischangebot verbessert und mehr nationale Marken ins Sortiment aufgenommen. Ferner sollen 1.300 existierende Filialen erneuert werden. 

Wal-Mart ist bereits aufgeschreckt, denn der Konzern lässt in elf US-Bundesstaaten systematisch die Preise der Konkurrenz prüfen und drängt seine Filialleiter dazu, die Konkurrenz zu unterbieten ("DWN"). Fakt ist: Im Lebensmittelmarkt der USA tobt bereits länger ein Preiskrieg, der seit 2014 schon fast 20 Unternehmen in die Insolvenz getrieben hat. Die Eröffnung der ersten Lidl-Filialen wird das Geschäft von Aldi nicht gefährden. Jedoch könnten beide Marken in den kommenden Jahren den Lebenmittelhandel in den USA auf eine harte Probe stellen.   

Wertpapier
Walmart


2 Kommentare

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Kommentare

Ich denke der Einzelhandel (auch Lebensmittel) geht gerade in den USA den Bach runter....wegen drm Online Supermarkt? Wollen jetzt ALDI und Lidl die restlichen noch verbliebenen Supermärkte platt machen? Reicht ihnen der Markt in DE und der EU nicht? Ganz ehrlich.... ich wünsche denen wegen ihrer Gier einen total Flopp. Etwas Neues (neue Idee) in die Welt zu tragen waere was anderes....

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