DAX-0,06 % EUR/USD+0,07 % Gold+0,09 % Öl (Brent)-0,88 %

Wie geht es bei den Tech-Aktien weiter? Blase, Strohfeuer, Kurskorrektur oder Ausverkauf bei den Technologiewerten?

13.06.2017, 10:56  |  6920   |   |   

Die kräftigen Verluste im Technologiesektor der USA am vergangenen Freitag haben sich zum Wochenstart am deutschen Aktienmarkt fortgesetzt. Angeführt von den zwei größten Dax-Verlierern Infineon und SAP büßte der Dax am Montag 0,98 Prozent auf 12 690,44 Punkte ein. 
 
Die Talfahrt der US-Technologiewerte am vergangenen Freitag hatte mit einer Warnung der US-Bank Goldman Sachs begonnen. In der Analyse zu den fünf Technologie-Giganten: Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Google, waren die Experten zu dem Schluss gekommen, dass diese fünf Wertpapiere mit ihrer Marktkapitalisierung von 600 Milliarden Dollar für eine Bewertungsblase gesorgt hätten. Es wurde der Vergleich zu 1999-2000 gezogen. Robert Boroujerdi von Goldman Sachs zog die Big 5 von vor 17 Jahren heran: Cisco, Oracle, Intel, Lucent und Microsoft. Boroujerdi kam zu dem Fazit, dass die heutigen Tech-Führer nicht so rental seien wie die Kollegen aus dem Jahr 2000. Darüber hinaus hätten die heutigen Big-5 einen wesentlich größeren Einfluss auf den Gesamtmarkt, also seinerzeit Cisco & Co ("CNN"). Die gute Nachricht von Boroujerdi war, dass die heutigen Technologiekonzerne finanziell gesünder dastehen. 

Diese Analyse von Goldman Sachs verunsicherte die Börsianer zutiefst, denn es wurde gesagt, dass diese fünf Papiere sowohl den S&P 500 als auch den Nasdaq 100 auf Höchststände getrieben hätten. Ferner hatte Goldman moniert, dass die geringen Kursschwankungen einiger Werte Anleger wohl blind gemacht hätten für geschäftszyklische und wettbewerbsrechtliche Risiken.

Last but not least sorgten Spekulationen über die geringe Qualität des zukünftigen iPhone 8 für Unsicherheit, ob Apple das Niveau halten kann ("CNN"). Innerhalb von zwei Handelstagen ging es für die Apple-Aktie um gut sechs Prozent abwärts. Sollte man jetzt wieder kaufen?

Apple

Am Sonntag stufte Abhey Lamba die Apple-Aktie von "Buy" auf "Neutral" ab und kappte das Kursziel von 160 Dollar auf 150 Dollar. Am gestrigen Handelstag sah die Citigroup Apple als "Buy" (Kursziel 160 Dollar) und auch "UBS" beließ das Papier auf “Buy” (Kursziel 170 Dollar), siehe hier. Der Experte von der Citigroup, Jim Suva, reduzierte seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende Geschäftsjahr 2016/17, erhöhte aber die Schätzungen für das kommende Geschäftsjahr, siehe hier.
 
Am Freitag gaben die Facebook-Papiere um 3,3 Prozent und die Google-Aktie um 3,40 Prozent nach. All diese Papiere setzten ihre Talfahrt in etwas gemäßigteren Tempo zum Wochenbeginn weiter fort.
 
Die Aktie von Tesla holte dagegen nach dem schwachen Freitag bereits wieder ein halbes Prozent auf und behaupten mit plus 68 Prozent ihren Spitzenplatz 2017 im Nasdaq 100. Am Dienstag stufte die Privatbank Berenberg Tesla von "Hold" auf "Buy" hoch. Das Kursziel wurde von 193 auf 464 US-Dollar angehoben: Der Hersteller von Elektrofahrzeugen habe das Potenzial, die gesamte Branche umzuwälzen, schrieb Analyst Alexander Haissl in einer Studie. Dies umfasse sowohl den Produktionsprozess als auch die Markteinführungsstrategie, siehe hier. Sobald Tesla die erforderliche Größe habe, könne das Unternehmen deutlich mehr Barmittel erwirtschaften als die etablierten Premiumhersteller, so Haissl.

Tesla


 
Der am vergangenen Freitag begonnene Kursrutsch an der Nasdaq hat zu Wochenbeginn auch auf den Dax abgefärbt. Der Dax büßte am Montag 0,89 Prozent auf 12.690,44 Punkte ein. Die zwei größten Dax-Verlierer waren Infineon und SAP. SAP gab um 3,58 Prozent nach und Infineon um 4,83 Prozent. Am gestrigen Handelstag stufte die Deutsche Bank Infineon auf "Buy" ein. Das Kursziel wurde bei 22,50 Euro belassen. Positiv bewerte der Analyst Robert Sanders die Situation für Infineon, denn die Nachfrage nach Servern soll sich in der zweiten Jahreshälfte 2017 beschleunigen, siehe hier. Von einer Blasenbildung oder Überbewertung bei SAP kann keine Rede sein. Am heutigen Handelstag zeichnet sich für das SAP-Papier ein positiver Trend ab, denn die Aktie des Software-Unternehmens ist zum Preis von 92,75 Euro in den Handel gestartet. Die Aktie liegt auf Platz fünf im oberen Drittel des Index und könnte bald am 52-Wochen-Hoch kratzen: 96,38 Euro.

Infineon Technologies

SAP


 
Ähnlich sah es gestern im TecDax aus, denn der Maschinenbauer Aixtron sorgte mit minus 7,76 Prozent für Sorgen und der Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor büßte 6,74 Prozent ein. Jedoch belässt die Deutsche Bank ihre Einstufung von Aixtron auf "Buy", denn im Chipindustrieausrüster gebe es positive Entwicklungen mit Blick auf die 3D-Sensortechnik, siehe hier. Der TecDax sank gestern um 2,69 Prozent auf 2246,84 Zähler. 
 


 
Die Kursrutsche bei den Technologiewerten sorgen für Unsicherheit. Zwar handele es sich momentan "um ein reines Technologie-Aktien-Phänomen", doch könnte sich das zügig auf andere Branchen ausweiten, kommentierte Marktbeobachter Jens Klatt, siehe hier. Es bleibt abzuwarten, ob es zu größeren Rückschlägen kommen wird oder es sich nur um eine kurze Pause nach der jüngsten Rekordrally handelt.

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

na ja, Goldman Sachs vergisst beim Big5 Vergleich, dass die Big5 im Jahr 2000 zwar Technlogiewerte waren, aber fast ausschließlich trotzdem typische Zykliker ohne große Hebeleffekte.
Die heutigen big5 sind größtenteils Internetplattformen/Handelsplätze mit unvergleichbarer Marktstellung und enormen Hebeleffekten, was entsprechende Auswirkungen auf die von Goldman aufgeworfene Rentabilität hat. Google, Amazon und Facebook haben EV/Ebitdas von 11 bzw. 13 bzw. 17 fürs kommende Jahr. Das find ich nicht unbedingt teuer, jedenfalls weit entfernt von den hohen Bewertungen im Jahr 2000.
Dennoch sollten sie natürlich auch mal um die 15% Korrekturpotenzial haben können.

Disclaimer

Weitere Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel