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Im Interview Dr. Philipp Herzog von Württemberg: Kunst als Anlageobjekt

20.06.2017, 09:13  |  6066   |   

Bei Sotheby's in London wird am 21. Juni 2017 das Gemälde “Bild mit weissen Linien”, von Wassily Kandinsky aus dem Jahr 1913, versteigert. In Zeiten von Niedrigzinsen suchen Anleger nach Anlagealternativen, abseits von Gold, Dividendenpapieren und Immobilien. Dr. Carsten Schmidt, wallstreet:online, im Gespräch mit Dr. Philipp Herzog von Württemberg, Chairman von Sotheby's Europe zum Thema “Kunst als Anlageobjekt”.

In der aktuellen Niedrigzinsphase suchen Anleger nach alternativen Investments. Dennoch hieß es im vergangenen Jahr, dass die Blase am Kunstmarkt geplatzt sei. Wie schätzen Sie das derzeitige Interesse an Kunst als Anlageobjekt ein? 

Dr. Philipp Herzog von Württemberg: Soeben komme ich von der Art Basel – eine der bedeutendsten Kunstmessen der Welt, wenn Sie wollen das Epizentrum des Kunstmarktes. Die Sammler waren konzentriert, die Stimmung ausgelassen, die Qualität der Werke war gut, die zu den richtigen Preisen angeboten wurden. Oder lassen Sie uns auf die Ergebnisse der Maiauktionen blicken, die als Gradmesser für den Markt gelten: In einer Woche setzte Sotheby’s in seinen Auktionen in New York, Genf, Paris und London 816 Millionen Dollar um, dies entspricht einem Wachstum von 15 Prozent zu den gleichen Auktionen im Vorjahr. Dabei durchbrach ein Werk von Basquiat die 100-Millionen-Dollar-Marke und wurde für ein Rekordergebnis von 110 Millionen Dollar an einen japanischen Sammler verkauft. Das Interesse für Kunst als Anlage ist allgegenwärtig, solange sie marktfrisch und von guter Qualität ist, und zudem eine gute Provenienz, also Herkunft, aufweist. Kunst ist en vogue. Dies bestätigt auch die Nachfrage für die impressionistischen und modernen Werke in der Abendauktion in London, sei es für Giacometti, Kandinsky, Cézanne oder Miró. 

Jean-Michel Basquiat: Untitled, 1984. Auktionsergbnis 110,5 Millionen Dollar.
 
In der New Yorker Frühjahrsauktion wurde ein Gemälde von Basquiat für den Spitzenpreis von 110,5 Millionen Dollar versteigert. Für Nachkriegs- und Gegenwartskunst werden Höchstpreise aufgerufen. Gibt es derzeit noch interessante Nischen, die für Anleger interessant sind?

Dr. Philipp Herzog von Württemberg: Unbedingt. Hierzu zählen Druckgrafik, Design, Fotografie und auch das 19. Jahrhundert birgt schöne Entdeckungen, so ein fast zeitgenössisch anmutendes Werk des dänischen Symbolisten Hammershoi, das für beeindruckende 1,87 Millionen Dollar in die Sammlung eines dänischen Museums wechselte. Oder in der bevorstehenden Tagesauktion der Modernen am 22. Juni können Anleger große Namen für kleines Geld ersteigern, wie eine farbenprächtige Papierarbeit von Schmidt-Rottluff oder eine wunderschöne Picasso-Keramik; Liebhaber von Skulpturen können bei Barbara Hepworth fündig werden: Ihre schönen Skulpturen sind eine Mischung aus Gegenwart und Moderne. 
 
Nicht jeder Kunstinteressierte ist ein Kenner der Branche. Auf welche Fallstricke sollten Anleger achten, die gerne Kunst erwerben möchten?

Dr. Philipp Herzog von Württemberg: Grundsätzlich können Fallstricke vermieden werden, wenn folgende, wenn Sie wollen, Faustregeln, beachtet werden: Schulen Sie in erster Linie Ihr Auge, indem Sie sich Auktions- und Ausstellungskataloge anschauen, besuchen Sie Ausstellungen, Vernissagen, suchen Sie das Gespräch mit unseren Experten, mit den etablierten Sammlern, gehen Sie auf Kunstmessen, auch auf unsere Auktionen, die öffentlich sind, und eignen Sie sich Wissen an. Last but not least: Die Begeisterung und Liebe für die Kunst ist elementar. Die Freude an der erworbenen Kunst, mit ihr zu leben, ist die schönste Rendite.
 
Was müssen Anleger beachten, die an einer Ihrer Auktionen teilnehmen möchten? 

Dr. Philipp Herzog von Württemberg: Wenn sich Anleger oder Sammler für eine unserer Auktionen interessieren und ein Objekt aus 70 Sammelkategorien ins Auge gefasst haben, ist es gut, zu wissen, dass dieses mit einer Losnummer gekennzeichnet ist und einen Schätzpreis hat. Dieser gibt eine Preisspanne an, den unteren und oberen Schätzpreis, und spiegelt den Marktwert des Objektes wider; ermittelt wird er von unseren Experten. Zudem gibt es vier unterschiedliche Möglichkeiten, ein Gebot abzugeben: Durch die persönliche Anwesenheit im Auktionsraum, schriftlich, telefonisch – hier bietet der Kunde über einen Sotheby’s-Mitarbeiter – oder online. Um online mitbieten zu können, haben wir das BidNow-Programm installiert, um allen Besuchern zu ermöglichen, die Auktionen live online mitzuverfolgen und ihre Gebote in Echtzeit von überall auf der Welt abzugeben. Es folgt die Registrierung für die Auktion. Erst nach dieser wird dann eine Bieternummer vergeben, mit welcher der Anleger in der Auktion nach Aufruf seines Loses sein Gebot abgeben kann, bis der Auktionator das Los an den Höchstbietenden zuschlägt. Bei Interesse helfen jedoch auch gerne meine Kollegen in den deutschen Niederlassungen. 

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