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Paion, Evotec oder MorphoSys? Achtung, es gibt Besseres!

Nachrichtenquelle: Sharedeals
19.06.2017, 10:12  |  1379   |   |   
Deutsche Biotech-Werte wie Paion (WKN: A0B65S), Evotec (WKN: 566480) oder MorphoSys (WKN: 663200) erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. Doch wird sich auch hier wieder die These bewahrheiten, dass man Aktien dann abgeben sollte, wenn anscheinend alle sie wollen.

Wir kaufen weiterhin Biotech-Aktien, die am Boden liegen, aber fundamental viel zu günstig sind. Eine Kursexplosion und Neubewertung ist hier somit nur eine Frage der Zeit. Mit dieser Strategie haben unsere Leser über die letzten Monate und Jahre mehrfach Kursvervielfacher erzielt. Unser aktueller Tipp ist der beste, den wir je hatten.

Palatin Technologies (ISIN: US6960774031) hat mit Bremelanotide ein effektives und sicheres Medikament als Injektionslösung gegen HSDD (Hypoactive sexual desire disorder) entwickelt. Bei dem Krankheitsbild handelt es sich um vermindertes sexuelles Verlangen der Frau, welches die Betroffenen als belastend empfinden. Im ersten Quartal 2018 soll der Zulassungsantrag erfolgen. Ein Jahr später würde das Medikament verkauft werden.

Der Markt – milliardenschwer
Studien zufolge leiden rund 15 Millionen Frauen in den USA unter HSDD, davon etwa 10,2 Millionen vor der Menopause. Bei wiederum 5,8 Millionen dieser Frauen tritt HSDD als primäres Symptom auf. Diese Gruppe adressiert Bremelanotide (Quelle).

Bereits für den 2015 nach mehrmaligem Anlauf von der FDA zugelassenen Arzneistoff Flibanserin, bekannt unter dem Handelsnamen Addyi, schätzten Experten das jährliche Umsatzpotenzial auf bis zu 2 Milliarden US$ allein in den USA.

Filbanserin wurde nicht ohne Grund für 1 Milliarde US$ zzgl. Meilensteinzahlungen vom kanadischen Pharmakonzern Valeant erworben.

Der Konkurrent – hoffnungslos unterlegen
Dass Addyi bis dato weit hinter seinen Erwartungen zurückhängt und derzeit nur einen zweistelligen Millionenumsatz einspielen dürfte, hat insbesondere zwei Ursachen: restriktive Warnhinweise aufgrund gefährlicher Alkohol-Wechselwirkungen (K.o.-Kriterium!) sowie ein 18-monatiges Werbeverbot. Ärzte tun sich entsprechend schwer, ihren Patientinnen Addyi zu verschreiben und Apotheker benötigen eine besondere Zertifizierung, um das Medikament überhaupt vertreiben zu dürfen.

Die erwarteten Vorteile von Bremelanotide gegenüber Addyi sind:

Einnahme „as needed“ anstatt täglich (Addyi bedarf der täglichen Einnahme und benötigt mehrere Wochen „Vorlaufzeit“)
Wirkungseintritt bereits nach ~30 Minuten (bis 8-10 Stunden)
Keine gefährlichen Alkohol-Wechselwirkungen
Studiendaten lassen auf teilweise deutlich höhere Effektivität schließen
Voraussichtlich keine restriktiven FDA-Auflagen in Verbindung mit der Zulassung

Wichtig: Bremelanotide dürfte nach Zulassung über Jahre das Nonplusultra in der HSDD-Therapie darstellen, da weitere Entwicklungen meiner Kenntnis nach bislang nicht mal die klinische Phase II überstanden haben.

Phase-III-Ergebnisse
Als primäre Endpunkte für die Phase-III-Studie wurden gesteigertes sexuelles Verlangen (FSFI Desire Domain) sowie gleichzeitig verminderter Leidensdruck (FSDS-DAO) festgelegt. Beide Endpunkte wurden mit der nötigen Signifikanz getroffen:


Die komplette Auswertung der Studienergebnisse zeigte auch bei reihenweise sekundären Endpunkten massive Verbesserungen:

 

Die im Rahmen der Studie aufgetretenen Nebenwirkungen wurden als weitgehend mild bis mäßig beschrieben. (Leichte) Übelkeit trat bei mehr als jeder dritten Patienten und damit relativ häufig auf, jedoch ist dies mit der langen Therapiedauer von sechs Monaten zu erklären.

Für die allgemeine Verträglichkeit und den hohen Nutzen Bremelanotides für viele Patientinnen spricht die Tatsache, dass rund 80% der Probandinnen, welche die Studie ordnungsgemäß beendet haben, sich im Anschluss freiwillig dazu entschieden, an der Opel Label Safety Extension Study teilzunehmen und die Mehrzahl der Frauen (rund 60%) der Meinung war, Bremelanotide habe ihnen geholfen.

Quelle: 2017 AMAG Analyst Day Presentation

Umsatzerwartung
Palatins US-Lizenznehmer AMAG Pharmaceuticals erwartet für Bremelanotide schon im Jahr 2020 und damit nur ein Jahr nach Zulassung einen Umsatz von 145 Millionen US$, wie aus dem untenstehende Graphen deutlich wird. Wir gehen davon aus, dass im Anschluss Wachstumsraten von über 30% zu erreichen sind. Bis 2025 sollte demnach die Marke von einer halben Milliarde US-Umsatz übersprungen sein. Palatin erhält gemäß Lizenzvertrag hohe einstellige bis niedrige zweistellige Lizenzgebühren auf die Nettoeinnahmen. Das hieße sprudelnde Umsätze für Palatin in zumindest zweistelliger Millionenhöhe für viele Jahre (voraussichtlich bis mindestens 2033, da Bremelanotide bis hier patentrechtlich geschützt sein dürfte) – ohne gegenüberstehende Kosten.

Quelle: 2017 AMAG Analyst Day Presentation

Die fundamentale Unterbewertung und ihre Gründe
Palatin hat sich dazu entschieden, die von seinem Partner AMAG als Vorauszahlung erhaltenen 60 Millionen US$ per Rechnungsabgrenzungsposten bilanzierungstechnisch über mehrere Quartale zu verteilen. Löst man diesen Posten auf und würde Palatin sämtliche seiner Verbindlichkeiten begleichen, hätte man zum Ende des abgelaufenen Quartals über einen verbliebenen Cashbestand von circa 35 Millionen US$ verfügt.

Diese Tatsache bedeutet, dass der Markt Bremelanotide als wesentlichsten Assets des Unternehmens derzeit mit nicht mal 35 Millionen US$ bewertet, da sich die verwässerte Marktkapitalisierung Palatins bei einem Kurs von 0,35 US$ auf lediglich knapp 70 Millionen US$ beläuft (70 Mio. MK – 35 Mio. Cash = 35 Millionen Pipeline-Bewertung).

Die angegebene Marktkapitalisierung unterstellt bereits die Umwandlung aller noch ausstehenden „Pre-funded Warrants“. Per 11. Mai konnten durch diese noch 42,6 Millionen neue Aktien zu einem US-Cent ausgegeben werden. Die restlichen Warrants und Optionen haben meiner Recherche nach Ausübungskurse deutlich über dem aktuellen Börsenkurs und spielen erstmal keine große Rolle.

Quelle: Palatin Technologies Corporate Presentation May 2017

Man braucht nun kein Finanzprofi und Börsen-Prophet zu sein, um zu erkennen, dass Palatin-Aktien aktuell ein gefundenes Fressen für Value-Investoren darstellen und sich alsbald eine komplette Neubewertung einstellen dürfte. Bei unserer Betrachtung lassen wir den durchaus interessanten Rest der Palatin-Pipeline bewusst außen vor und tue so, als hätte das Unternehmen mit Bremelanotide nur ein einziges Pferd im Stall.

Auch der im Rahmen der letzten Kapitalerhöhung im Dezember von institutionellen Investoren gezahlte Preis von 0,65 US$ je Aktie ist ein Indikator für die doch sehr eklatante Unterbewertung Palatins. Immerhin sind es allein bis zu diesem Niveau über 85% Kurspotenzial.

Unten gehalten wird die Aktie derzeit vermutlich noch vor allem durch besagte Penny-Warrants, mutmaßlich aus dem Umfeld der QVT-Financial-Gruppe. Es scheint so, als bestünde hier dringender Liquiditätsbedarf. Hingegen ist mit der Vanguard Group der nach BlockRock zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt zum größten Palatin-Aktionär aufgestiegen.

Ab Juli könnte es schnell gehen
Im letzten Conference Call im Mai ließ das Management durchblicken, dass man noch über 1-2 Quartale mit Druck der Penny-Warrants rechne. Eine durchaus interessante Aussage, zumal dies bedeuten würde, dass man mit einer deutlich erhöhten Wandlungsgeschwindigkeit rechnet. Diese wiederum macht ohne stark erhöhtes Handelsvolumen und idealerweise steigende Notierungen wenig Sinn. Wir und wohl auch das Management gehen davon aus, dass in den kommenden Wochen bzw. Monate einige Kurstreiber ins Haus stehen.

Quelle: Palatin Technologies Corporate Presentation May 2017

Tatsächlich könnte insbesondere das dritte Quartal spannend werden und den Startschuss zur Neubewertung geben. Schon im Rahmen der letzten Zahlenvorlage hieß es: „We are progressing with discussions and negotiations with potential partners for other regions around the globe for bremelanotide“. Mit anderen Worten: Palatin ist dabei, sein Sex-Medikament global zu verpartnern. In der zweiten Jahreshälfte soll unter anderem ein EU-Deal unter Dach und Fach gebracht werden.

Von AMAG winken neben Erstattungen für abschließende Entwicklungskosten noch Meilensteinzahlungen in Höhe von 80 Millionen US$ bis zur Zulassung Bremelanotides in den USA sowie 300 Millionen US$ an Sales Milestones, die wir bei unserer Analyse aber völlig unberücksichtigt lasse.

Simple Rechnung – leicht verdientes Geld?
Stattdessen machen wir es ganz einfach und nehme einen aktuellen Cashwert von nur 30 Millionen US$, addiere 80 Millionen US$ von AMAG hinzu (2% davon gehen noch an den Berater weg) und komme bereits auf einen fundamental untermauerten Wert von rund 110 Millionen US$. Dies würde die jetzige Bewertung Palatins bereits um mehr als 50% übersteigen, berücksichtigt aber weder die kommenden US-Royalties (bei durchschnittlich 500 Millionen US$ Umsatz zwischen 2019 und 2033 käme man auf schätzungsweise 700 Millionen US$ Einnahmen für Palatin allein hieraus) und möglichen Sales Milestones, noch sämtliche ROW-Deals (Rest of the World). Außerdem wäre die restliche Pipeline Palatins – darunter ein vielversprechendes Herzfehler-Präparat in Phase II – mit null bewertet.

Quelle: Palatin.com

Wo ist das Risiko?
Kein Invest ist ganz frei von Risiken, schließlich kann die Welt jeden Tag untergehen. Im Falle von Palatin sehen wir maximal eine Verzögerung der Bremelanotide-Zulassung als kurz- bis mittelfristiges, minimales Risiko. Hierzu käme es wohl nur, wenn im Zuge der noch voraussichtlich bis August laufenden Verlängerungsstudie unerwartete Sicherheitsprobleme mit dem Wirkstoff festgestellt und zusätzliche Arbeiten verlangt würden. Das ist nach 17 Jahren Forschung und Entwicklung durch Palatin und mehreren Tausend Probandinnen denkbar unwahrscheinlich. Langfristig könnte es zu unter den Erwartungen liegenden Bremelanotide-Umsätzen kommen. Doch selbst dann wäre Palatin derzeit stark unterbewertet.

Natürlich macht es die Warrantsituation zudem recht schwer, den kuzrfristigen Verlauf zu prognostizieren. Werden viele Aktien quasi ohne Limit in den Markt gegeben, ohne dass eine entsprechende Käuferseite vorhanden ist, kann der Kurs kurzzeitig rutschen. Mittlerweile dürften bei Palatin aber sowohl institutionelle Profi-Investoren als auch eine Vielzahl erfahrener Privatanleger nur auf diese Gelegenheiten warten.

Kursziel
Auf Jahressicht halten wir je nach ROW-Deals Kursziele zwischen 0,70 US$ und 1 US$ für konservativ. Langfristig ist hier ein Tenbagger möglich. Die Investmentbank Cannacord Genuity behält aktuell ein Preisziel von 6 US$ aufrecht, was einem Kurspotenzial von gut 1.600% entspräche. Zwar wurde diese Einschätzung nach den letzten Zahlen noch einmal bestätigt und der zuständige Analyst war auch im Conference Call mit eigenen Fragen zugegen, jedoch würden wir diese Analyse mit der nötigen Portion Skepsis betrachten.

Interessenkonflikt: Der Autor dieser Publikation hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung Aktien des hier besprochenen Unternehmens Palatin Technologies und hat die Absicht, diese – auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei insbesondere von erhöhter Handelsliquidität profitieren. Hierdurch besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Bitte beachten Sie unseren vollständigen Haftungsausschluss und weitere Hinweise gemäß §34b Abs. 1 WpHG in Verb. mit FinAnV (D) unter: sharedeals.de/haftungsausschluss.

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