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Keine Tea Time im Königreich? George Soros: Brexit könnte Lebensstandard absenken

20.06.2017, 13:03  |  5881   |   |   

Sinkende Löhne, weniger Konsum und steigende Schulden - Der Investor George Soros hat seine erschreckende Vision vom Brexit offengelegt. Laut Soros wird den Briten immer klarer, dass der Austritt aus der Europäischen Union den Lebensstandard erheblich verschlechtern wird.  

Starinvestor Soros sieht es kommen, dass die ökonomische Realität langsam aber sicher die falschen Hoffnungen der Briten zerstören wird("ProjectSyndicate"). Noch vor einem Jahr glaubten breite Bevölkerungsschichten den Politikern, die behaupteten, dass ein Ausstieg aus der EU wirtschaftliche Stabilität und Aufschwung bringen würde, so Soros. Jedoch sei der derzeitige Standard nur dadurch zu halten, indem die Haushalte neue Schulden machen.

Soros sagt, dass kurz nach der Ausstiegsentscheidung der Konsum kurzfristig die Wirtschaft stimulierte. Jedoch zeigen die aktuellen Zahlen der Bank of England, dass das Lohnwachstum nicht mit der Inflation auf gleicher Höhe liegt und somit den privaten Haushalten weniger Geld zur Verfügung steht - das reale Einkommen faktisch sinkt.

Aufgrund dieser Beobachtung - und der Annahme, dass sich der Trend fortsetzen wird - geht Soros davon aus, dass die Haushalte bald erkennen, dass ihr Lebensstandard sukzessive sinkt. In der Folge wird es zu Anpassungen bei den Ausgaben kommen. Soros sagt auch, dass viele Briten in diesem Zusammenhang feststellen werden, dass sie überschuldet sind und somit die Haushalte ihren Konsum weiter reduzieren. 

Ferner kritisiert Soros die Entscheidungen der Bank of England, die in seinen Augen die Bedeutung der Inflation vollkommen unterschätzt. Soros erwartet, dass die Zinsen prozyklisch erhöht werden und dies wird auf die Haushalte zurückfallen. 

Insgesamt rechnet der Starinvestor für Großbritannien mit einer Entwicklung, die auf eine Krise zusteuern könnte. Sie wird aus beiden Richtungen unterstützt: Der Wirtschaft und der Politik. Dabei steuert die Wirtschaft auf eine nicht nachhaltige Entwicklung zu. Die Politik zeigt eine beunruhigende Instabilität.  

Soros sieht den Brexit für beide Seiten: Großbritannien und die EU, als einen Lose-Lose-Vorschlag. Das Brexit-Referendum kann nicht rückgängig gemacht werden, aber die Menschen und Politiker können ihre Meinung ändern, so Soros. An erster Stelle nennt er Theresa May, die für den schlechten Wahlausgang selbst gesorgt hatte, indem sie die sogenannte "Demenzsteuer" zum Thema machte und damit die älteren Wähler vergraulte. Die jungen Wähler hatte May auch nicht auf ihrer Seite, da diese bereit sind, für gute Jobs ins Ausland zu gehen.   

Soros ist der Meinung, dass Theresa May ihre Haltung zum Brexit ändern muss, damit sie dauerhaft an der Macht bleibt. Ein wichtiger Schritt für beide Seiten, die EU und Großbritannien, wäre die Entscheidung, dass Großbritannien Mitglied des EU-Binnenmarktes bleibt - bis alle juristischen Fragen geklärt sind. Am gestrigen ersten Treffen kam heraus, dass zunächst über drei wichtige Themen gesprochen werden muss: die Rechte von Millionen EU-Bürgern in Großbritannien und Briten in der EU; die finanziellen Verpflichtungen Großbritanniens gegenüber der EU; und die Durchlässigkeit der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland und erst anschließend will die EU über das von der britischen Premierministerin Theresa May gewünschte besondere Freihandelsabkommen sprechen ("Zeit"). Der Brexit bleibt eine Zitterpartie für die Briten und somit sind Soros Sorgen und Befürchtungen durchaus berechtigt.

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Kommentare

Auf seine alten Tage will Herr Soros England nochmals in die Knie zwingen und dabei richtig Kohle machen. Dirty Old Man.
Warum sieht man immer nur bezüglich des Brexit so schwarz? Vor allem die Wirtschafts- und Finanzexperten der in England ansässigen Investmentbanken, die ihre Schlaraffenland-Situation, durch den Brexit bedroht sehen, und die völlig von Wunschdenken und Hoffnungen beseelten EU-Eurpäer überschlagen sich in Schwarzmalerei, obwohl sie seit fast einem Jahr mit ihrer Augurentätigkeit völlig falsch lagen.

Eine völlig normale, rein zyklische, minimale Abkühlung in der englischen Wirtschaft, wird als Absturz gesehen, anders als in der EU, wo eine ähnlich grosser Rückgang stattfand!

Nur das Gebilde der EU und des Euros, das auf wackligeren Beinen steht, man betrachte nur den neuen Murks in Griechenland, die bankrotte Bankenlandschaft in Italien, Portugal und Griechenland und die ebenfalls katastrophale Wirtschaftslage in so wichtigen Ländern wie Frankreich und Italien, von Griechenland und Portugal gar nicht zu reden, das Alles ist kein Thema.

Und dann an die Gigantoschulden überall, die nur noch von der EZB durch Gelddrucken bedient werden, wagt man gar nicht erinnert zu werden. Und nun macht man sich dauernd sorgen, über das arme England und die “glücklose” May?!

Ich mach mir mehr Sorgen um den Euro, wenn die Entwertung eimal losgeht, was da für gigantisches Sparkapital vernichtet wird.

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