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Lebenserwartung Besserverdienende sind gesünder und leben länger

Gastautor: Rainer Zitelmann
04.07.2017, 20:55  |  995   |   |   

"Lieber arm und gesund als reich und krank" lautet ein Sprichwort, das Menschen, die nicht reich sind, trösten soll. Die Wahrheit: "Arme" haben eine Lebenserwartung, die fast 11 Jahre niedriger ist als die von "Reichen".

Im 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung erfahren wir, dass 38,2 Prozent der Deutschen mit einem geringen Einkommen ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut bezeichnen, aber 56,9 Prozent der Personen mit einem hohen Einkommen. Die Einkommensgrenzen wurden für diese Untersuchung bei 60 und 200 Prozent des Einkommensmedian gezogen.

Gesundheitszustand
Noch beunruhigender und eindeutiger ist die Kehrseite: Etwa jeder siebte (13 Prozent) Geringverdiener bezeichnet seinen allgemeinen Gesundheitszustand als "weniger gut" oder "schlecht". Diese Personen sind in mindestens drei von fünf Bereichen eingeschränkt, also beispielsweise beim Treppensteigen, bei der Verrichtung anstrengender körperlicher Tätigkeiten, durch seelische oder emotionale Probleme bei Alltagsaktivitäten oder durch körperliche und soziale Probleme bei sozialen Aktivitäten. Bei Personen mit einem relativ hohen Einkommen bezeichneten nur 2,4 Prozent, also nur etwa jeder vierzigste, den Gesundheitszustand als "weniger gut" oder "schlecht".

Nicht nur im subjektiven Befinden, sondern auch objektiv gibt es erhebliche Unterschiede, insbesondere in der Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, an Diabetes mellitus zu erkranken oder eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung zu bekommen. Das Risiko bei Personen, die von Armut betroffen sind, ist zwei bis drei Mal höher, so das Robert Koch-Institut.

Lebenserwartung
Auch bei der Lebenserwartung gibt es erhebliche Unterschiede. Laut einer Studie des Robert Koch-Institutes sterben Männer, die an oder unter der Armutsgrenze leben, im Schnitt 10,8 Jahre früher als wohlhabendere Männer. Männer, die weniger als 60 Prozent des Netto-Äquivalenzeinkommens beziehen, haben eine Lebenserwartung von 70,1 Jahren, Männer, die über 150 Prozent des Nettoäquivalenzeinkommens verdienen, haben dagegen eine Lebenserwartung von 80,9 Jahren. Bei Frauen liegen die Zahlen bei 76,9 und 85,3 Jahren.

Riskanteres Gesundheitsverhalten
Früher - oder in anderen Teilen der Welt - sind ungesunde Wohnverhältnisse, zu wenig Geld für Ernährung oder mangelnde medizinische Versorgung die Hauptursachen dafür, dass arme Menschen kränker sind und eine geringere Lebenserwartung haben. Doch in den modernen westlichen Wohlstandsgesellschaften haben sich die Gründe verschoben. Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, ungesundes Essen und Bewegungsmangel sind bei Personen mit geringerem Einkommen und geringerer Bildung häufiger als bei Besserverdienenden und Gebildeten. Beispiel Rauchen: Als ich im vergangenen Jahr zwei Monate in den USA gelebt habe, war ganz deutlich, dass gebildete und wohlhabende Amerikaner selten rauchen. Insgesamt ist die Zahl der Raucher in den USA auf einen historischen Tiefstand von 15 Prozent gesunken. Bei gering gebildeten Amerikanern liegt die Raucherquote aber noch immer bei 40 Prozent, also fast drei Mal so hoch wie im Bevölkerungsdurchschnitt.

In Deutschland gibt es diesen Zusammenhang auch. Hier rauchen zwar noch mehr Menschen als in Amerika - 27 Prozent der Männer und 20,8 Prozent der Frauen. Aber insbesondere in der Altersgruppe der 30- bis 44jährigen ist der Anteil der Raucher in der unteren Bildungsgruppe nach Angabe des Bundesministeriums für Gesundheit mit 48 Prozent (Männer) und 37 Prozent (Frauen) deutlich höher als bei den Personen mit höherer Bildung.

Beim Thema "Rauchen" wird deutlich, dass Gesundheit und Einkommen/Bildung zwar zusammenhängen, dass aber Geldmangel nicht der wesentliche Grund für das ungesunde Verhalten ist. Im Gegenteil: Wer eine Packung Zigaretten am Tag raucht, zahlt dafür fast 200 Euro im Monat. Der Mitgliedsbeitrag in meinem Fitnessstudio beträgt nur 20 Euro. Und auch Alkohol ist teurer als frisch gepresster Orangensaft und Fast Food teurer als Selberkochen. Ungesundes Verhalten ist oft sogar teuer als gesundes Verhalten.

Sozialpolitische Ungerechtigkeit?
In der ARD-Tagesschau am 2. März 2017 wurde der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Rolf Rosenbrock zu dem Thema interviewt. Er witterte eine große soziale Ungerechtigkeit: "Die armen Menschen, die ihr Leben lang Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt haben und dann im Durchschnitt vielleicht noch vier oder fünf Jahre die Rente genießen können, finanzieren im Grunde genommen die Rente der Wohlhabenderen, länger Lebenden mit. Und das ist, wenn man genau hinguckt, natürlich ein sozialpolitischer Skandal erster Güte." Dass dies so ist, kann man nicht bestreiten, obgleich der Befund ein wenig dadurch relativiert wird, dass Raucher und Übergewichtige zu ihren Lebzeiten wesentlich höhere Kosten für die Krankenversicherung verursachen als Nichtraucher und Normalgewichtige.

Aber was ist die Konsequenz aus der vermeintlichen "sozialen Ungerechtigkeit", dass arme Menschen wegen der kürzeren Lebenserwartung die Rente der Wohlhabenden finanzieren? Soll man die Wohlhabenden dazu animieren, zwecks Herstellung von "sozialer Gerechtigkeit" mehr zu rauchen, weniger Sport zu treiben und mehr Fast Food zu essen, damit sich ihre Lebenserwartung an die der Geringverdiener angleicht? Oder wäre nicht der bessere Weg der, dass Geringverdiener beispielsweise weniger rauchen, weil das einer der Hauptfaktoren ist, der über die Lebenserwartung entscheidet?

Pressestimmen und Leseproben zum Buch "Reich werden und bleiben" von Dr. Dr. Rainer Zitelmann finden Sie hier: http://www.reichwerdenundbleiben.net/



3 Kommentare

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Kommentare

Für mich steht eher die dierekte Proportionallität zwischen Niedriglohnsektor --- Lebenserwartung und Rentensystem.

Ein Schelm wer dabei böses denkt, wir erhöhen auf Basis selbiger Daten das Renteneintrittsalter und sparen somit bei der Auszahlung an die ärmsten welche dann eh aufstocken müßten über Vater Staat.

Sehr clever aber das begreift der größte Teil des dummen Wahlvolkes leider nicht.!
Aus meiner Erfahrung an der Basis der Gesellschaft kann ich nur folgendes feststellen. Das Morbiditätsrisiko und dementsprechende Mortalitätsrisiko der Menschen ist keine Funktion des Geldes oder des Einkommens in unserer Gesellschaft, sondern in erster Linie eine Funktion der Auffassungsgabe und des Intellektes und der Intelligenz.

Korrekterweise müssten die Verfasser solcher Propagandaberichte nach dem Scheme "Besservedienende" usw. die wahren Zusammenhänge aufdecken, was sie geflissentlich nicht tun.

Der Hauptfaktor der zu einer Gesundheitsschädigung führt ist neben mangelndem Intellekt und Intelligenzminderung vor allem Disziplinlosigkeit.

Viele - auch Geringverdiener - haben gar nicht vor ihre wissentlich - auf jeder Zigarettenpackung sichtbargemachten - gesundheitsschädigenden Verhaltensweisen abzustellen. In einer Gesellschaft die ihrer väterlichen Identifikationsfiguren in zwei Weltkriegen beraubt wurde, ist das nicht einmal überraschend, was vermutlich auch den Unterschied zwischen dem Raucheranteil in den USA und in Deutschland zuindest in Teilen erklären würde. Diese großte Trauma des 20 Jahrhunderts zieht sich wie ein roter Faden durch die Familiengeschichten der Nation und wird noch ein bis zwei Generationen vermutlich brauchen bis es vreschwunden ist.

Doch wenn nun behauptet wird, dass das Einkommen der Massstab für Gesundheit sei, dem ist nicht zu helfen.

Es ist doch wohl vielmehr so, dass die zentrale Ursache für das erhöhte Morbiditätsrisiko und Mortalitätsrisiko der Intellekt und die Intelligenz sind, die wiederrum zu entsprechenden Einkommensabschlägen oder Aufschlägen führen. Man kann auch sagen - dumme Menschen sterben früher - kluge leben länger.

Dieser Unterschied macht sich natprlicherweise nun denn in der Mehrzahl der Fälle auch bei den Einkommen bemerkbar.

Nun muss ein minderbegabter Teilnehmer der Gesellschaft nicht zwangsläufig "arm" bleiben, so denn er bereit ist mit Disziplin und Fleiß jene Defizite seines Intellektes in produktiver Form auszugleichen - denn schliesslich gibt es auch noch sowas wie einen EQ - einen Emotionsquotienten und die Erfahrungsintelligenz.

Wer bereit ist Erfahrungen zu sammeln, die andere nicht bereit sind zu sammeln - sprich Risiken einzugehen die jenseits des Komfortbereiches sich ausloten lassen - und die soziale Hängematte verlässt, der dürfte am Ende nicht nur gesundheitlich davon profitieren, sondern auch im Hinblick auf sein Einkommen. Denn in der Wirtschaft wird auch die Erfahrung in aller Regel mit Aufgeldern belohnt

Daher gilt meines Erachtens - die Gesundheits und der Gesundheitszustand der Gesellschaft folgt ihrer Intelligenz. Die Einkommensnterschieder sind dabei Folge des intellektuellen Unterschiedes und des Lebenswandels der untersuchten Griuppen - und nicht die Ursache.
Die Frage Die sich mir in Dem Zusammenhang stellt:

Führt da(nn) eine bessere Gesundheit zum besserverdienen,
oder Das besserverdienen zu einer besseren Gesundheit?
(inkl. Lebenserwartung, etc.)

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