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Internationale Abhängigkeiten Angst auf schwedisch: Leitzins bleibt bei -0,5 Prozent

05.07.2017, 11:07  |  2628   |   |   

Die schwedische Notenbank hatte gestern ihren Leitzins unverändert bei minus 0,50 Prozent belassen. Vermutlich könnte der Leitzins im Sommer 2018 erstmals angehoben werden und in der zweiten Jahreshälfte 2019 auf über Null steigen. 

Die schwedische Notenbank hatte gestern ihren Leitzins unverändert bei minus 0,50 Prozent belassen und das Anleihenkaufprogramm auf dem aktuellen Niveau gelassen. Demnach wird die älteste Notenbank der Welt ihre Wertpapierkäufe bis Ende 2017 im Volumen von 15 Mrd. Kronen fortsetzen. Im zweiten Halbjahr 2016 wurden Wertpapiere im Wert von 45 Milliarden Kronen gekauft. Im Dezember 2016 hatte die Notenbank beschlossen, im ersten Halbjahr 2017 zusätzliche öffentliche Wertpapiere im Wert von 30 Milliarden schwedische Kronen zu kaufen. Damit setzt die Notenbank ihre lockere Geldpolitik fort. 
 
Die erste Zinsanhebung soll laut den Währungshütern nicht vor Sommer 2018 erfolgen. Auf der einen Seite sorgt sich die schwedische Notenbank, dass die Krone zu stark werde und somit den Aufschwung gefährden könnte. Dabei läuft die Wirtschaft rund und die Inflation war zuletzt auf 1,7 Prozent gestiegen - was eigentlich bereits gute Voraussetzungen für eine Abkehr vom negativen Leitzins wären -, so die andere Seite. 
 
Auf die gestrige Entscheidung reagierte die Krone zunächst mit Verlusten. Mikael Sarwe, Stratege bei der Nordea Bank, nannte die Entscheidung “Dependence Day” (“Bloomberg”). Sarwe forderte dazu auf, endlich den Mut zu haben und sich von der globalen Geldpolitik abzugrenzen und einen eigenen Weg zu gehen. Jedoch hat Stefan Ingves, Vorsitzender der schwedischen Notenbank, klar gemacht, dass er nichts ändert, bevor nicht die EZB ihre Geldpolitik ändert. Ingves sagte in einem Bloomberg-Interview: “When you are next to an elephant, you have to be careful”.

Bereits im ersten Halbjahr 2017 hatten viele Ökonomen in Schweden die Geldpolitik der schwedischen Zentralbank kritisiert. Sie sahen unter anderem die Gefahren, dass die Immobilienpreise wegen des billigen Geldes weiter anziehen und die Zentralbank durch ihre expansive Geldpolitik das Schuldenkarussell befeuert. Ein Misstrauen gebenüber der schwedischen Zentralbank kam im Dezember 2016 zum Ausdruck, denn damals setzte das Parlament erstmals seit 20 Jahren eine Untersuchungskommission zur Überprüfung der Notenbank ein. Zur Debatte steht, ob Eingriffe an den Devisenmärkten als Mittel der Geldpolitik eingesetzt werden könnten. Es geht auch um die Unabhängigkeit, die die Zentralbank bisher genießt. Mit einem Ergebnis wird Mitte 2019 gerechnet. 

Während der gleichbleidene Leitzins einige Enttäuschungen hervorrief, sehen andere in der Stagnation das Potenzial für den baldigen Umkehrkurs ("NYT"). Vor nunmehr mehr als einem Jahr hatte die schwedische Notenbank den Leitzins von minus 0,35 auf minus 0,5 Prozent gesenkt. Damals hatten die Ökonomen lediglich mit einem Schritt von 0,1 Prozent gerechnet ("Handelsblatt"). Trotz rekordniedriger Zinsen und einem massiven Anleihekaufprogramm blieb die Inflation seither unter der erwünschten Zwei-Prozent-Marke.
 
Vermutlich könnte der Leitzins im Sommer 2018 erstmals angehoben werden und in der zweiten Jahreshälfte 2019 auf über Null steigen. Eine internationale Zinswende der führenden Volkswirtschaften rückt scheinbar in greifbare Nähe, denn nachdem die US-amerikanische Notenbank Fed die Zinsen erhöht hatte, könnten ihr die kanadische Notenbank, die Bank of England und die tschechische Notenbank folgen. Die Finanzwelt wird am 20. Juli 2017 genau auf die Ausführungen von EZB-Chef Mario Draghi hören, denn dieser hat mit seiner Bemerkung in der vergangenen Woche bereits für Wirbel gesorgt und die Märkte kurzzeitig in Schwingungen versetzt.
 
Ingves sagte, dass es derzeit ein zu hohes Risiko für Schweden sei, wenn man den Leitzins zu früh erhöht. Man sei abhängig von dem, was andere Zentralbank tun, nicht zuletzt die EZB, so Ingves.

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