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Naht das Ende? Libor: Skandalzinssatz könnte ausgetauscht werden

28.07.2017, 13:12  |  4042   |   |   

Die britische Finanzmarktaufsicht will den Interbanken-Zinssatz Libor abschaffen. Bis 2021 soll ein Ersatz gefunden sein, so Reuters. Aktuell basieren auf den Libor weltweit Finanzkontrakte mit einem Wert von rund 350 Billionen Dollar.

Es heißt, dass der Libor (London Interbank Offered Rate) an der geringen Zahl der teilnehmenden Institute leide. In seinen besten Zeiten hingen am Libor Finanzprodukte im geschätzten Wert von bis zu 350.000 Mrd. Dollar, so die Neue Zürcher Zeitung. Der Libor war bislang der wichtigste Index für kurzfritsige Zinsen der Welt.

Der Referenzzinssatz stand während der Finanzkrise im Mittelpunkt eines großen Manipulationssklandals und hat sich seither nicht mehr vollständig erholt. So wurde früher täglich durch eine relativ laxe Umfrage unter Banken festgelegt, zu welchem Zinssatz sie sich von anderen Banken über Nacht Geld leihen konnten. So konnten Bankhäuser mit gegenseitigen Absprachen den Libor manipulieren. Nach der Aufdeckung musste eine ganze Reihe von Großbanken Milliardenstrafen zahlen. Noch immer laufen zahlreiche zivilrechtliche Klagen. Die Deutsche Bank und JPMorgan wollen gegen Zahlungen von 77 Millionen Dollar bzw. 71 Millionen Dollar die Libor-Klagen beilegen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet. Bereits vor zwei Jahren zahlte die Deutsche Bank 2,5 Milliarden Dollar.

Nun sprach sich gestern der Chef der britischen Finanzmarktaufsicht Financial Conduct Authority (FCA), Andrew Bailey, für ein Auslaufen des Libor bis Ende 2012 aus. Gegenüber dem Nachrichtensender Bloomberg sagte Bailey: "Wir glauben nicht, dass der Libor als Benchmark in seiner aktuellen Form noch dauerhaft haltbar ist". Anschließend soll der Libor durch vertrauenwürdige Benchmarks ersetzt werden - seit 2013 reguliert die FCA den Libor und der US-Börsenbetreiber ICE ist seit 2014 für die Berechnung verantwortlich. Das größte Problem für den Libor sei, dass der relevante Markt - der Interbanken Markt - nicht mehr genügend aktiv ist, so Bailey. 

Jedoch ist das Ende noch nicht amtlich, denn wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt, räumte Bailey ein, dass der Zinssatz weitergeführt werden könnte, wenn es eine genügend große Zahl von Institutionen möchte. Als Alternative für den Libor wurde bisweilen der Zinssatz "Sonia" gennant. Die US-Notenbank denkt über einen Ersatz des Dollar Libor nach und ebenso steht der Euribor bei der EZB auf der Tagesordnung.  

 

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