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Egbert Prior Baumot: Schadstoffdiskussion beflügelt das Geschäft

Gastautor: Egbert Prior
31.07.2017, 11:41  |  7346   |   |   

An der Baumot-Aktie – firmierte früher unter Twintec – hatten Anleger bislang keine rechte Freude. Das Unternehmen produzierte jahrelang horrende Verluste, der Kurs tauchte tief ein in das Reich der penny stocks. Als Spezialist für Abgasnachbehandlung ist das Unternehmen abhängig von politischen Entscheidungen. Seit einigen Wochen kommt Schwung in die Aktie, seit Anfang Juni explodierte die Notiz von 71 Cent auf aktuell 1,72 Euro. Über die Hintergründe sprechen wir mit Marcus Hausser. Der CEO berichtet, daß sich Baumot derzeit kaum vor positiven Medienberichten retten kann. Das Interesse gilt dem Abgasreinigungssystem BNOx, mit dem ältere Dieselfahrzeuge nachgerüstet werden können, um die aktuelle Abgasnorm Euro-6 zu erreichen. Nach gründlichen Tests schreibt „Auto Motor und Sport“: „Die Wirkung der BNOx-Anlage darf getrost als sensationell bezeichnet werden.“ Die Abgaswerte bei einem nachgerüsteten Passat lagen niedriger als bei den meisten aktuell verkauften Dieselfahrzeugen. Für Technikfreaks: Die Nachrüstung erfolgt mit einem SCR-System – Selektive katalytische Reduktion – und basiert auf dem Einspritzen einer Harnstofflösung – AdBlue. Im Endeffekt werden die gefährlichen Stickoxide in vergleichsweise harmlosen Stickstoff verwandelt. Im Zeichen von Dieselgate sei das Thema hochaktuell, meint Hausser und erwartet nach der Bundestagswahl gesetzliche Regelungen. Heute fällt das Verwaltungsgericht Stuttgart ein Urteil im Zusammenhang mit Fahrverboten in der Neckarmetropole. Vielleicht kommt sie ja, die „Blaue Plakette“, die nur noch Diesel mit Euro-6-Norm freie Fahrt gewähren würden. Für Baumot wäre das wie eine Steilvorlage mit einem Umsatzpotential im hohen zweistelligen Millionenbereich. Im Moment backen die Königswinterer kleinere Brötchen. 2016 gingen 38 Millionen durch die Bücher, das Ebitda minus 3,3 Millionen. Die endgültigen Zahlen werden in einigen Wochen veröffentlicht. Wir rechnen mit hohen Abschreibungen auf Kontech. Die Tochter wurde 2015 gekauft, kurz vor dem Bekanntwerden von Dieselgate. Plötzlich entzogen VW und Audi dem Motorenentwickler Aufträge, Kontech landete in der Insolvenz. Jetzt soll das Sorgenkind abgestoßen werden. Es gibt auch positive Meldungen. Im ersten Halbjahr machten die Rheinländer mit neuen Kunden aus dem Mittleren Osten 6 Millionen Umsatz. Darüber hinaus hat Baumot gerade mit dem BNOx die Zulassung für ein umfangreiches Umrüstprojekt der Londoner Stadtbusflotte erhalten. Insgesamt etwa 5000 Busse werden staatlich mit rund EUR 90 Mio. gefördert von fünf Nachrüstern umgerüstet, was für Baumot ein mögliches Umsatzvolumen im zweistelligen Millionenbereich ergibt. Wie Hausser berichtet, belebt die Umweltdiskussion das Geschäft. Der CEO rechnet mit steigenden Umsätzen und schwarzen Zahlen möglicherweise schon 2018. Aktueller Börsenwert 47 Millionen. Fazit: Medien feiern Hoffnungsträger BNOx. Jetzt muß es Baumot gelingen, die PS auf die Straße zu bringen.

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