DAX-0,31 % EUR/USD-0,09 % Gold+0,08 % Öl (Brent)+1,46 %

Teurer Ausstieg Harter Brexit: Banken könnten bis zu 50 Mrd. Dollar brauchen

01.08.2017, 10:45  |  4326   |   |   

Die Großbanken müssten 30 bis 50 Mrd. Dollar an zusätzlichem Kapital akquirieren, um die Kosten der neuen Standorte nach einem harten Brexit zu finanzieren, so das New Yorker Beratungsunternehmen Oliver Wyman. 

Das zusätzliche Geld entspricht 15 bis 30 Prozent des Kapitals, dass alle Bankhäuser zusammen in der Bankenmetropole London derzeit verwalten, so ein Bericht von Wyman. Darüber hinaus rechnet man damit, dass die ausgelagerten Einheiten die Betriebskosten der Bankhäuser in die Höhe treiben werden. In der Folge könnte der Umsatz um bis zu zwei Prozent zurückgehen.

Bei einem harten Brexit käme es zu einer starken räumlichen Fragmentierung des Finanzsektors, wie "Bloomberg" berichtet. Somit stehen die Banken vor dem Problem, dass sie ihre Profitabilität und gleichzeitig den Zugang zu den Finanzplätzen und den europäischen Binnenmarkt erhalten müssen. Es wird damit gerechnet, dass bei einem harten Brexit alleine in der Finanzbranche langfristig circa 35.000 Jobs wegfallen. Bislang galt Frankfurt für viele Banken als Favorit für ein Hauptquartier in Europa.

Gestern teilte die HSBC mit, dass das Bankhaus 1.000 Mitarbeiter von London nach Paris umsiedeln möchte und dafür mit Kosten in Höhe von 300 Millionen Dollar gerechnet, so "Bloomberg". Es geht um ein fünftel der Londoner Belegschaft, die zukünftig in Paris sitzen soll. Mit dem Umzug der Mitarbeiter will sich die Bank vor weiteren Verlusten durch den Brexit schützen. Im zweiten Quartal 2017 hatte die HSBC vier Millionen Dollar an Rückstellungen dafür gebildet.

Wie die Grafik zeigt, gibt es für die meisten Mitarbeiter noch keine finale Entscheidung. UBS, Goldman Sachs, Citigroup und Nomura haben sich für Frankfurt entschieden. HSBC und SocGen legten sich auf Paris fest, während Barclays seinen Mitarbeiterstab in Dublin aufstocken wird.  

Quelle: Bloomberg, The Battle for Brexit Bankers (31.07.2017).

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die Deutsche Bank 300 Mrd. Euro ihrer Bilanz von London nach Frankfurt verschieben wird, siehe hier. Dies beinhaltet den Umzug von 18.000 bis 20.000 Kundenkonten. Das Bankhaus plant die Errichtung eines neues Rechenzentrums in Frankfurt. Somit könnte auch die Deutsche Bank ihre Geschäfte und Mitarbeiter von London nach Frankfurt verlagern - bzw. aufstocken. 

Wie "The Guardian" in der vergangenen Woche berichtete, hat das US-Bankhaus Morgan Stanley ebenfalls Frankfurt als zukünftigen EU-Sitz nach dem Brexit ausgewählt. Morgan Stanley will sich für eine Lizenz in Deutschland bewerben, damit das Bankhaus auch zukünftig die Europageschäfte abwickeln kann. Bislang heißt es, dass 200 Jobs von London nach Frankfurt am Main verlagert werden. Derzeit beschäftigt Morgan Stanley in London 5.000 Mitarbeiter. London soll auch zukünftig das Hauptquartier bleiben. 

Das US-Bankhaus JP Morgan führt derzeit Gespräche mit Dublin. Im Mai 2017 hatte JP Morgan ein Bürogebäude in Dublin erworben. In dem Hochhaus könnten zukünftig 1.000 Menschen arbeiten - Fertigstellung 2018, wie "BBC" berichtet. 

Laut einer Studie von EY hatten bis Ende Juni 2017 insgesamt 59 der 222 größten Finanzunternehmen mit bedeutenden Geschäftsaktivitäten in Großbritannien angekündigt, Personal und Geschäfte ins Ausland zu verlagern. Für Frankfurt sprechen die ebenfalls in der Stadt angesiedelte EZB, die gute Infrastruktur und eine stabile deutsche Wirtschaft. 

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Neuberechnung erforderlich
In jedem Rechtsraum, in dem ein Unternehmen agiert, muss es
sich den dort jeweils geltenden Usancen und dem dort geltenden Recht
unterwerfen. Für international agierende Banken (USA+EU+Japan+China+Südafrika+…….) ist das ein alter Hut. Analog zu der dem angestrebt harten Brexit entspringenden ebenso harten EU-Außengrenze zwischen der Republik Irland und Nordirland. Nichts ist unbekannt. Neu nur, dass das nach Jahrzehnten des Zusammenwachsens plötzlich mitten in Europa auftaucht. Dank den mit Lügen und Halbwahrheiten von den Tabloids und einer handvoll unseriöser Politclowns in eine stupide Wahl gedrängten Briten. Die Verantwortlichkeiten sind klar. Die betroffenen Banken und assoziierten Rechtskanzleien und sonstigen „Zulieferer“ müssen auf die geänderten politischen Rahmenbedingungen reagieren. Sie werden eine Investitionsrechnung erstellen und danach wissen, welche Aufwendungen und Erträge in den jeweiligen Rechtsräumen aufgrund der dortigen Anforderungen für den EU-weiten Geschäftsbetrieb anfallen werden. Sie müssen dabei ihre
Ressourcen so zuweisen, dass sie beiden Rechtsräumen adäquat sind
(Absolutverbot für Briefkastenfirmen!). Fordert die EU für EU-interne und -weite
Geschäftsausübung ein bestimmtes lokales Eigenkapital, dann muss dieses im
benötigten Umfang hierhin transferiert werden. Gleiches gilt für Funktionalitäten (IT, Rechnungswesen, Aufsicht, Vertrieb, etc.) sowie entsprechendes Personal, woraus auch entsprechender Raumbedarf erwächst und über den einmaligen Verlagerungsaufwand hinaus laufende Kosten entstehen. Eine US-Bank wird also überlegen, wie sie ihre Ressourcen künftig zwischen London (für GB und Nicht-EU) und EU aufteilen muss, um in beiden Rechtsräumen legal Geschäfte machen zu dürfen. Unvorstellbar, dass 95 % der Ressourcen in London verbleiben, während nur 5 % verlagert werden sollen. Da muss die EU aufpassen. Wenn 60 % des London-Bankengeschäfts EU-relevant ist, müssen auch 60 % aller Ressourcen von dort in die EU verlagert werden. Das hat mit Bestrafung nichts zu tun. Das ist
angewandtes Recht und eine Prise Logik.

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel