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Und Tschüss Walt Disney: Märchenfabrik läuft Netflix davon

09.08.2017, 12:49  |  5780   |   |   

Walt Disney hat im dritten Quartal des Finanzjahres 2017 zehn Prozent weniger Gewinn erwirtschaftet als im gleichen Quartal des Vorjahres. Der Quartalsumsatz blieb fast gleich hoch wie ein Jahr zuvor. Bereits vor einem Jahr hatte Walt Disney die Mehrheit an der Streamingfirma BAMTech übernommen und wird nun seine Filme von Netflix abziehen. 

Ab 2019 werden Disney- und Pixar-Filme nur noch über den konzerneigenen Streamingdienst laufen, so die jüngste Konzernstrategie von Walt Disney. Bis dahin laufen die jünsgten Disneyproduktionen auf Netflix: Zu den Filmneuheiten 2017 gehören: "Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales" (Mai 2017), "Beauty and the Beast" (März 2017), "Star Wars: The Last Jedi" (Dezember 2017), "Thor: Ragnarok" (November 2017) und "Cars 3" (Juni 2017).

Die eigene Plattform wird die Heimat für alle neuen Disneyfilme sein - beginnend mit "Toy Story 4", "Frozen 2" und "The Lion King". Der neue Disney Streamingdienst kommt nicht nur in den USA auf den Markt, sondern auch in anderen Ländern. Ein Problem für Disney könnten die unterschiedlichen Streamingrechte für Filme und TV-Sendungen mit Abnehmer im Ausland darstellen. In Großbritannien ist das Unternehmen hingegen schon einen ganzen Schritt weiter, denn Disney betreibt bereits den Streamingdienst Disneylife.  

Die Grundlage für den eigenen Streamingdienst bildet ein erneutes Investment in das Unternehmen BAMTech in Höhe von 1,58 Milliarden Dollar. Damit ergänzt Walt Disney seine 33 Prozent an dem Unternehmen um weitere 42 Prozent. Bereits vor einem Jahr hatte Walt Disney den ersten Deal für rund eine Milliarde US-Dollar eingetütet - bestehend aus zwei Teilzahlungen: Die erste erfolgte im August 2016 und eine zweite im Januar 2017. In diesem Zusammenhang wurde BAMTech vom Mutterkonzern MLB Advanced Media getrennt. Wie das Nachrichtenmagazin Forbes seinerzeit berichtete, hat BAMTech mehr als 7,5 Millionen Abonnenten und somit könnte Disney im Streamingbereich schnell wachsen. Bislang übertrug BAMTech u.a. Baseballspiele und Time Warner´s HBO Produktionen.  

Walt Disney ändert bei BAMTech das Konzept insofern, dass BAMTech ab 2018 unter der Marke ESPN einen Streamingdienst für Sportübertragungen auf den Markt bringt. Es sollen Baseball, Eishockey und Fußball übertragen werden, während Disney keine Rechte für NFL-Football hat. In einer zweiten Phase kommt ab 2019 der Disney-Streamingdienst auf den Markt.

Lange Zeit hatte Disney, ebenso wie andere Firmen, auf Kabelnutzer gesetzt, jedoch sind die Zahlen stark rückläufig. Einst hatten die US-Kabelanbieter ein hervorragendes Leben, denn es gab kaum Alternativen. Doch inzwischen brechen die Kundenzahlen erheblich ein. Immer mehr Nutzer entscheiden sich für Streamingdienste, um sich ihr Programm selbst zusammenzustellen.

Das Netflix zu einem harten Konkurrenten für Walt Disney werden könnte, zeigt sich daran, dass der derzeit größte Streaming-Anbieter sein Angebot in rasender Geschwingkeit ausbaut. Die teuren Eigenproduktionen könnten jedoch zum Problem für Netflix werden, denn sie werden vor allem mit Fremdkapital finanziert, wie das Nachrichtenmagazin Neue Zürcher Zeitung berichtete.

Im jüngsten Netflix-Aktionärsbrief hieß es, dass man nicht genügend flüssige Mittel erarbeite, um damit die geplanten Investitionen zu decken. Auch Dividenden sind eher unwahrscheinlich. Laut der NZZ liegt das Problem von Netflix nicht in der Erfolgsrechnung, sondern in der Bilanz und einer geringen Eigenkapitalquote von nur 19 Prozent. Investoren sind somit gewarnt und die Netflix-Aktie reagierte auf die Ankündigung von Walt Disney mit einem nachbörslichen Kursrutsch von rund fünf Prozent.

Jedoch dürfte für Netflix das Eis dicker sein, als manch ein Analyst denkt, denn allein in den USA hat der Streamingdienst 51,92 Millionen Abonnenten und viele Kabelfernsehanbieter wollen mit Netflix kooperieren, wie Forbes berichtet. Auf der anderen Seite sitzt Walt Disney fest im Sattel: Der Konzern ist mit einem Umsatz von 56 Milliarden Dollar und 195.000 Mitarbeitern eines der größten Unternehmen der USA. 

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