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Der Unterschied zwischen Anleger und Trader

Nachrichtenquelle: FinMent
16.08.2017, 16:13  |  597   |   |   

Handeln an der Börse kann auf lange Sicht sehr erfolgreich sein. Der DAX - der Deutsche Aktienindex - hat sich zum Beispiel...

seit seinem fiktiven Startdatum am 31.12.1987 praktisch verzwölffacht. Das heißt, wenn Sie damals 100.000 Euro (bzw. 200.000 DM) eingesetzt und die Erträge zwischenzeitlich immer wieder in DAX-Werten investiert hätten, wären Sie heute Besitzer eines stolzen Vermögens von - umgerechnet - mehr als 1.220.000 Euro. 

Viele Deutsche, die sich an der Börse versucht haben, mussten allerdings gegenteilige persönliche Erfahrungen machen. Sie erlebten zum Teil herbe Verluste. Vielen stecken noch die Kurseinbrüche im Zusammenhang mit dem Neuen Markt oder bei der T-Aktie in den Knochen. Auch wer sich nach Ausbruch der Finanzkrise vorschnell von seinen Aktien trennte, musste sich mit einem kräftigen Minus abfinden. Vielleicht ist es Ihnen auch schon so gegangen. 

Das mag erklären, warum die Deutschen nach wie vor eher ein Volk von Aktienmuffeln sind. Nur jeder siebte Bundesbürger besitzt Aktien oder Aktienfonds, um die Jahrtausendwende war es noch jeder fünfte. Vielen ist das Börsengeschehen suspekt. Und dass man erfolgreich an der Börse handeln kann, scheinen eher weniger als mehr Menschen hierzulande zu glauben, obwohl die Börsendaten etwas anderes belegen. 

Spekulieren und Investieren: zwei gegensätzliche Welten

Die große Zurückhaltung mag mit einem etwas einseitigen Bild zusammenhängen. Denn vielfach wird Börsenhandel mit Spekulation gleichgesetzt. Der Spekulant versucht, Gewinnchancen am Markt unter Inkaufnahme eines hohen Risikos für sich auszunutzen. Sein Hauptinteresse besteht darin, kurzfristig von erwarteten Kursveränderungen zu profitieren. Dazu wird nach den besten Ein- und Ausstiegszeitpunkten gesucht, man versucht Trends und Trendwenden zu erkennen, um darauf aufzuspringen oder sich rechtzeitig abzusetzen. Oft wird auch mit "Hebeln" gearbeitet, um Kurschancen zu vervielfältigen, das Risiko erhöht sich entsprechend. Spekulieren hat viel mit Spielen und schnellem Handeln zu tun, letztlich geht es um Kurswetten. Im Unterschied zum reinen Glücksspiel ist aber nicht nur Glück nötig, Marktkenntnisse spielen schon eine wichtige Rolle. Das ist aber nur eine Seite der Medaille. 

Sehr viel weniger im Blick ist das Börsenhandeln im Sinne von Investieren. Beim Investment geht es nicht um kurzfristige Kursgewinne - sozusagen den "schnellen Euro" -, hier will man auf mittlere und längere Sicht profitabel an der Börse handeln. Kurzfristige Kursgewinne stehen daher nicht so sehr im Fokus. Stattdessen ist es wichtiger, dass sich Kurse nachhaltig in die gewünschte Richtung entwickeln. Für den Investor besitzen außerdem auch noch andere Ertragskomponenten Bedeutung - bei Aktien vor allem die Dividenden. Beim Investieren wird ein ausgewogenes Verhältnis von Rendite und Risiko angestrebt. Der Investor ist - anders als der Spekulant - nicht bereit, für zusätzliche Gewinnchancen fast jedes beliebige Risiko einzugehen. Stattdessen wird eher eine Risikostreuung betrieben. Investieren an der Börse findet man vor allem bei professionellen Akteuren wie Fondsmanagern. Vielen Börsenlaien fehlen dazu die Kenntnisse, aber auch das erforderliche Durchhaltevermögen. 

Der prinzipielle Unterschied zwischen Anleger und Trader

Investieren und Spekulieren machen den Unterschied zwischen Anleger und Trader aus. Während es beim Trading mehr um Spekulation in Reinform geht, steht beim Anlegen das Investieren im Vordergrund. Anleger und Trader agieren mit verschiedenen Zeithorizonten und Ansätzen. Das bedeutet nicht, dass im Rahmen von längerfristig ausgerichteten Investments nicht auch Spekulationen stattfinden können. So versucht auch ein aktives Fondsmanagement, durch Umschichtungen, Marktchancen auszunutzen. Sie besitzen aber im Vergleich zum Trading eine längerfristige Bedeutung und sind nicht ganz so erfolgsentscheidend. Der Anleger muss nicht täglich an der Börse handeln, sondern kann auch mal abwarten und "liegenlassen". Das sieht beim Trader ganz anders aus. 

Für das Handeln an der Börse gibt es zwei grundlegende "Philosophien", die sich diametral gegenüberstehen: die Charttechnik und die Fundamentalanalyse.

 

Zwei Grundlagen für den Börsenhandel: Charttechnik und Fundamentalanalyse 

Charttechniker gehen davon aus, dass alle relevanten Informationen bereits in den Kursen eingepreist sind. Es lohnt sich daher nicht, den Wert eines Papiers näher zu hinterfragen. Stattdessen wird auf sich wiederholende Kursmuster am Markt geschaut, die durch typisches Börsenverhalten bedingt sind. Wenn ein bestimmtes Kursmuster erkannt wird, leitet die Charttechnik daraus Vorhersagen über den wahrscheinlichen weiteren Kursverlauf ab. Die Chartanalyse arbeitet mit einer Vielzahl an Kursmustern und Kennzahlen, um diese zu identifizieren. Dank moderner Computertechnik kommen dafür heute ausgefeilte mathematisch-statistische Verfahren zum Einsatz. Trader agieren fast ausschließlich auf der Grundlage der Charttechnik, Charts sind ihr tägliches Handwerkszeug. 

Die Fundamentalanalyse unterstellt dagegen, dass es an der Börse immer wieder Über- und Untertreibungen gibt, so dass die Kurse nicht immer ihren "wahren" Wert widerspiegeln, sondern sich diesem allenfalls nähern. Analysten, die diesem Ansatz folgen, versuchen daher, den "wahren" oder auch "inneren" Wert zu ermitteln und mit den tatsächlichen Kursen zu vergleichen, um aktuelle Über- oder Unterbewertungen auszunutzen. Die Berechnung des inneren Wertes erfolgt auf der Grundlage veröffentlichter Informationen und mit Hilfe von anerkannten Verfahren zur Bewertung. Die Fundamentalanalyse spielt eine besondere Rolle im Rahmen des sogenannten Value Investing, bei dem gezielt in "unterbewertete" Aktien investiert wird, um von Wertaufholungen im Zeitablauf zu profitieren. Die Fundamentalanalyse ist sicher mehr etwas für längerfristig orientierte Anleger, die investieren wollen, setzt aber vertiefte Kenntnisse voraus. Ein Meister dieses Antritts ist der Multi-Milliardär Warren Buffet. 

Trader und Daytrader - Spekulation in Reinform

Im Wort "Trading" ist das Handeln bereits an sich enthalten. Trader handeln mit Wertpapieren an der Börse, um zu spekulieren und damit kurzfristig Gewinne zu erwirtschaften. Das börsentägliche Kaufen und Verkaufen, um von Preis- und Kursveränderungen zu profitieren, ist ihr Metier. Was gehandelt wird, ist dabei fast zweitrangig, Hauptsache, es finden Kursbewegungen statt. Nichts ist für einen Trader frustrierender als ein "bewegungsloser" Markt. Handelsgegenstand können Aktien sein, aber auch Devisen oder Rohstoffe. In der Regel wird mit Futures und Derivaten (zum Beispiel Optionen) spekuliert, weil diese einen eingebauten Hebeleffekt besitzen.



Ein Trader agiert auf Sicht von Tagen, allenfalls Wochen. Dazu muss er die Märkte ständig beobachten. Eine der kurzfristigsten Formen des Tradings ist das Daytrading. Dabei werden Handelspositionen binnen eines Tages eröffnet und wieder geschlossen, um selbst geringe Kursschwankungen im "Tagesgeschäft" auszunutzen. Bei den Haltedauern geht es im Daytrading allenfalls um Stunden, oft nur um Minuten, manchmal sogar um Sekunden. Noch kurzfristiger ist nur der Hochfrequenzhandel, bei dem Computer anhand von Algorithmen agieren, weil menschliches Reaktionsvermögen für Handeln im Millisekundenbereich zu langsam ist. 

Früher stand das Traden nur professionellen Börsenhändlern offen - Brokern, Börsenmaklern und Händlern in den Handelsabteilungen von Banken, Fonds und Versicherungen. Ihnen ging und geht es nicht nur ums Spekulieren, nicht selten stehen Absicherungsgeschäfte im Fokus. Mit dem Aufkommen von elektronischen Handelsplattformen und der Liberalisierung des Börsenhandels ist das Trading etwa seit der Jahrtausendwende auch für Privatleute zugänglich geworden. Es handelt sich aber um eine überschaubare "community“. Ob sie tatsächlich erfolgreich an der Börse handeln, ist eine Spekulation für sich.

Vorteile

Nachteile

  • Hoher Hebel möglich
  • Keine offenen Positionen über Nacht
  • Keine Gap Risiken

 

 

  • Sehr hohe Handelskosten
  • 4 – 12 Stunden Täglicher Aufwand
  • Sehr viel Handelserfahrung notwendig um profitabel zu handeln
  • Hohe Software und Datenfeed Gebühren
  • Unter 1% der privaten Trader verdienen Geld

 

 

Der Anleger - aktiv oder passiv investieren 

Anleger agieren dagegen an der Börse mehr auf mittlere bis längere Sicht. Bei ihnen steht der Investmentgedanke im Vordergrund. Die Perspektive beträgt hier - je nach Anlagehorizont - zwischen mehreren Monaten bis zu einigen Jahren. Dabei gibt es unterschiedliche Investmentstrategien. Ein grundlegender Unterschied ist der zwischen aktivem und passivem Investieren. 

Beim aktiven Investieren versuchen Sie, besser als der Markt abzuschneiden, in dem Sie gezielt und zum "richtigen" Zeitpunkt in "überdurchschnittlich performende" Aktien oder Aktienfonds einsteigen. Die Kunst besteht darin, diese zu identifizieren - zum Beispiel mit Hilfe der beschriebenen Fundamentalanalyse. Aktives Investieren beinhaltet ein spekulatives Element, weil Sie besondere Marktchancen für sich nutzen wollen und auf überdurchschnittliche Kurssteigerungen hoffen. Sie können in diesem Sinne verschiedene Strategie verfolgen, um profitabel handeln und anlegen zu können: 

- das Value Investing, indem Sie à la Warren Buffet in derzeit unterbewertete Titel am Markt investieren. 
- die Growth Strategie: hier setzen Sie auf besonders wachstumsstarke Werte. 
- prozyklisches Handeln: in diesem Fall investieren Sie in steigende Kurse nach dem Motto "the trend is your friend".
- antizyklisches Handeln: bei diesem Ansatz gehen Sie von bevorstehenden Trendwenden aus und steigen ein, wenn die Kurse besonders tief gefallen sind; 
- die Dividendenstrategie: hier bauen Sie auf dividendenstarke Werte, dabei sind mehr stabile Erträge als maximale Kursgewinne das Ziel. 

Das passive Investieren hält davon grundsätzlich nichts. Dieser Ansatz bestreitet, dass es auf Dauer möglich ist, den "Markt zu schlagen". Deshalb beschränkt sich die Strategie darauf, die Marktentwicklung lediglich nachzuvollziehen. Man will nicht besser, aber auch nicht schlechter abschneiden als im Marktschnitt. Die Frage des richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkts ist hier weniger relevant. Das ideale Instrument hierfür sind ETFs - Exchange Traded Funds oder börsengehandelte Indexfonds. Sie bilden einen Marktindex nach, indem Papiere genau in der Zusammensetzung und Gewichtung erworben werden, in der sie auch im jeweiligen Index stecken. Passives Investieren setzt von allen genannten Ansätzen die geringsten Marktkenntnisse voraus und kommt weitgehend ohne Spekulation aus. Es ist sozusagen Investieren in Reinform. Wichtig ist vor allem das "Durchhalten" - auch in schwachen Marktphasen. 


Vorteile

Nachteile

  • Sehr geringer Zeitaufwand
  • Geringe Handelskosten
  • Keine Software und Datenfeed Gebühren
  • Hohe Erfolgsquote bei privaten Anlegern
  • Kann Nebenberuflich umgesetzt werden
  • Geringer Hebel
  • Erfordert Geduld

 

  

 

Wissen ist der Schlüssel zum Erfolg 

Dieser kleine Überblick über den Unterschied zwischen Anleger und Trader macht Ihnen vielleicht deutlich: es gibt viele denkbare Ansätze, um profitabel an der Börse handeln zu können.

Dabei liegt der Fokus mit einem geringen Risiko Geld zu verdienen und dass am besten mit geringen Zeitaufwand. Zwar will jeder eine hohe Rendite haben, aber keiner will dafür 50% des Kapitals verlieren und schon gar nicht 10 Stunden am Tag vor dem Monitor sitzen.

Welchen Ansatz Sie auch folgen, wichtig ist immer entsprechend fundiertes Börsen-Know How. Denn erfolgreich an der Börse handeln setzt immer voraus, das Sie wissen, was Sie tun und warum Sie es tun. In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied zwischen Anleger und Trader, nur die Inhalte, Ansätze und Instrumente mögen andere sein. Einen guten Einstieg in Themen rund um den Börsenhandel finden Sie zum Beispiel hier. Börsenwissen ist sicher die beste Strategie für "Profitabel Handeln und Anlegen".

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