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Mythos „Mit Kriegsbeginn fallen die Kurse“

Gastautor: Dominik Weiss
16.08.2017, 15:50  |  307   |   |   

Der verbale Schlagabtausch zwischen Donald Trump und Kim Jong-un ist aktuell allgegenwärtig. Beängstigend sind sowohl nordkoreanische Raketentest als auch die Rhetorik Trumps. Halten diese gegenseitigen Drohungen an, darf man sich über wachsende Unsicherheit oder eine Korrektur an den Börsen nicht wundern.

Beide Länder laufen gerade auf eine Sackgasse zu, die zu einem handfesten militärischen Konflikt führen kann. Anleger sollten auf eine diplomatische Lösung hoffen, aber auch mögliche Auswirkungen von militärische Krisen, Kriegen und Konflikten auf ihre Vermögensanlage in Betracht ziehen. Deshalb geben wir einen kurzen historischen Abriss.

Der Erste Weltkrieg hatte verheerende Auswirkungen auf die Börse, denn die wenigsten hatten mit dem Ausbruch des Krieges gerechnet. Nach der Kriegserklärung von Österreich-Ungarn an Serbien am 28. Juli 1914 brachen die Aktienkurse ein. Zwei Tage später zog man die Reißleine. Die wichtigsten deutschen Börsen wurden über weite Strecken des Krieges geschlossen. Als sie 5 Jahre später wieder öffneten, hatten deutsche Aktien und Anleihen 90 Prozent ihres Wertes verloren.

Im Zweiten Weltkrieg sind die Kurse sowohl in Deutschland, Frankreich als auch in den USA zunächst gestiegen. Seit 1941 wurden in Deutschland jedoch Kurskontrollen und ab 1943 sogar Kursstopps eingeführt. Da niemand bereit war, Aktien zu diesen hohen Kursen zu kaufen, kam der Handel an den deutschen Börsen fast vollständig zum Erliegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg realisierten deutsche Anleger im Zuge der Währungsreform Verluste von 90 Prozent und mehr. Von 1948 bis 1954 erwirtschafteten Aktionäre aber trotzdem eine jährliche Rendite von durchschnittlich 4,6 Prozent (siehe Grafik).

Quelle: Global Financial Data, CDAX in Reichsmark später Deutsche Mark

Für weitere statistische Auswertungen seit 1945 greifen wir auf die militärischen Operationen der Vereinigten Staaten zurück, die mehrere Monate andauerten und ohne UN-Mandat erfolgten. Die durchschnittliche Wertentwicklung 6 Monate vor und 6 Monate nach Kriegsausbruch bzw. Beginn der Militärintervention ist in nachfolgender Grafik zusammengefasst. 

Quelle: MARS Asset Management, S&P 500 in USD, https://de.wikipedia.org

Die Wertentwicklung war vor und nach Beginn einer militärischen Auseinandersetzung in der Vergangenheit im Durchschnitt positiv. In dieser historisch langfristigen Auswertung sind selbstverständlich Ereignisse mit sehr negativen Aktienrenditen bei Kriegsausbruch (z.B. Korea 1950) sowie Ereignisse mit sehr positiven Aktienmarktbewegungen (z.B. Libyen 1986) enthalten. Im Mittel ziehen Militäraktionen außerhalb des eigenen Territoriums die Aktienmärkte nicht nach unten – weder in den Monaten davor noch danach. 

Eine sehr ausgiebige Kriegshistorie hat auch Frankreich. Einen heftigen Schock versetzte die Revolution von 1848 den Aktienmärkten. Den Ersten Weltkrieg überstanden Aktien ebenfalls nur mit einer Halbierung und den Zweiten Weltkrieg mit einem Absturz von 60%. Dennoch stiegen französische Aktien seit 1800 während Kriegszeiten häufiger als sie fielen. 

FAZIT: Aktien haben sich in den Monaten vor und nach Kriegsbeginn im Durchschnitt gut behauptet. Die Auswirkungen während der Kriegszeiten sind dagegen nicht ganz klar und hängen von zahlreichen Einflussfaktoren (z.B. regionaler Begrenzung, eigenes/fremdes Territorium, Inflation, Währungsreform) ab. Werterhalt durch Aktien in Kriegszeiten ist deshalb eher ein Münzwurf als eine Strategie.

 

Jens Kummer, Managing Partner Mars Research

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