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Auto Aktien; VW; Daimler; BMW Crash-Test für Auto-Aktien

Gastautor: Jörg Wiechmann
17.08.2017, 09:00  |  678   |   |   

Vor wenigen Tagen gab Elon Musk, Chef des Elektroauto-Pioniers Tesla, den Startschuss für die Auslieferung der ersten 30 Fahrzeuge des Tesla Model 3. Mit einem Preis ab 30.000 Euro soll das neue Tesla-Mittelklasse-Modell den weltweiten Durchbruch für Elektrofahrzeuge bringen. Innerhalb eines Jahres will Musk die Produktion von 50 Stück im Juli dieses Jahres auf 500.000 Stück im Jahr 2018 hochfahren. Ob diese Herkulesaufgabe gelingt, um den weit enteilten Kurs der Tesla-Aktie zu rechtfertigen, wird sich zeigen. Fest steht jedoch: Tesla sorgt derzeit für positive Schlagzeilen von denen deutsche Autobauer nur träumen können. Die sehen sich seit Aufkommen des Diesel-Skandals bei VW vor rund 2 Jahren zunehmend als Buhmann der Nation. Nicht nur, weil mittlerweile bei quasi allen Herstellern Zweifel an den realen Abgaswerten jenseits der Prüfstände aufgekommen sind. Seit kurzem stehen nun auch noch Kartell-Vorwürfe im Raum. Die Aktien von VW, Daimler, BMW und Porsche wurden davon heftig ausgebremst. Genau genommen befinden sie sich sogar schon seit 2 Jahren im Rückwärtsgang. Zu Recht? Ohne Frage: Wo Gesetze gebrochen und sogar betrogen wurde, müssen Strafen verhängt und Manager zur Verantwortung gezogen werden. Nicht jeder Autohersteller, dessen Fahrzeuge auf der Straße mehr Abgase ausstoßen als auf dem Prüfstand, ist aber ein Betrüger. Zumindest so lange nicht, wie der Gesetzgeber bewusst entsprechend großzügige Ausnahmen zulässt und die Aufsichtsbehörde deren weiträumige Ausnutzung seit Jahren billigt. Zu erwarten, dass die Autoindustrie sich in einer Art Selbstgeißelung restriktiver verhält, als es das Gesetz verlangt, wäre, wie zu erwarten, dass Autofahrer freiwillig dort 70 km/h fahren, wo 100 km/h erlaubt sind. Aus Umwelt-, Sicherheits- und Lärmschutzgründen wäre das sicherlich gut – dennoch ist es weltfremd. Für zukünftig bessere Umweltstandards ist daher nicht zuerst die Industrie gefragt, sondern allen voran die Politik. Den Diesel oder gar den Verbrennungsmotor dabei gleich komplett zu verbannen und nur noch auf Elektro-Mobilität zu setzen, wie es einige Umweltschützer fordern, ist aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Zwar stoßen Elektro-Autos selbst keine Abgase aus – die Energie zum Aufladen der Batterien, kommt aber aus der Steckdose und demzufolge zum größten Teil aus Kohle und Atomkraft. Eine vollständige Umstellung der bundesweit rund 63 Millionen Autos auf Elektroantrieb würde rund 250 Millarden kWh Strom jährlich benötigen. Dieser ließe sich wahlweise produzieren durch den Neubau von 48 klimaschädlichen Kohlekraftwerken. Oder durch eine Vervierfachung des Bestandes an Atomkraftwerken. Bei 24 notwendigen neuen Meilern stünde mindestens einer davon vermutlich in Sichtweite der eigenen Haustür. Selbst wenn das gewollt wäre und zudem durch echte energiesparende Maßnahmen wie Carsharing flankiert würde: Von einzelnen Unternehmen sind milliardenschwere und hochriskante Mammutprojekte wie der bundesweite Aufbau von Carsharing-Flotten und einem flächendeckenden Netz an E-Tankstellen nicht zu stemmen. Dies kann nur gelingen, wenn die deutsche Autoindustrie an einem Strang zieht. Die jüngsten Kartellvorwürfe werden die Lust der Autokonzerne zu technischen Kooperationen und der gemeinsamen Entwicklung von Industriestandards allerdings kaum befördern. Egal ob Kartellvorwürfe, Abgasskandal oder Elektrifizierung: Entscheidend ist, dass die derzeit emotional sehr aufgeladene Debatte wieder etwas mehr Sachlichkeit gewinnt. Schließlich geht es dabei nicht allein um die Zukunft der Autoindustrie, sondern aufgrund des hohen Stellenwertes der Branche hierzulande auch um die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands.

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