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Niedrigzinspolitik Sparer als Spielball von Notenbanken (und Gerichten)

Gastautor: Dieter Fromm
17.08.2017, 12:16  |  2450   |   |   

Seit März 2015 betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Kaufprogramm für Staatsanleihen der Euro-Länder. Jetzt soll der Europäische Gerichtshof über den Fall entscheiden. Doch mittlerweile wurden Monat für Monat 80 Milliarden Euro in die Märkte gepumpt. Doch nicht nur die EZB tritt aktiv als Marktteilnehmer auf. Wie die Politik der Notenbanken Anlageerfolg und Altersvorsorge weltweit gefährden - und was sicherheitsorientierte Investoren jetzt tun können.


Ein Ende des Zinstiefs ist noch längst nicht absehbar. (© animaflora)  

Seit März 2015 läuft das sogenannte Public Sector Purchase Programme (PSPP) der EZB. Und seit dieser Zeit kaufen die Zentralbanken der Euro-Länder monatlich allein Staatsanleihen im Wert von etwa 60 Milliarden Euro auf. Weitere 20 Milliarden fließen in andere Bonds. Kritiker werfen der EZB schon seit Beginn des Programmes vor, verbotene Staatsfinanzierung zu betreiben. 

Der AfD-Gründer Bernd Lucke, der die Partei inzwischen verlassen hat, der ehemalige CSU-Politiker und Rechtsanwalt Peter Gauweiler sowie der Berliner Professor Markus Kerber haben vor dem Bundesverfassungsgericht eine Beschwerde gegen das Kaufprogramm eingereicht und nun Zuspruch für ihr Anliegen bekommen. "Es bestehen Zweifel, daran ob der PSPP-Beschluss mit dem Verbot der monetären Haushaltsfinanzierung vereinbar ist", kommentierten die Karlsruher Richter die Entscheidung. Vorerst soll das Programm bis Ende 2017 laufen, doch nicht nur die EZB versucht sich als Marktteilnehmer. 

EZB: Anleihenkäufe gefährden die Altersvorsorge
 

EZB-Chef Mario Draghi hat die Geldschleusen weit geöffnet. 80 Milliarden Euro fließen seit 2015 in die Bond-Märkte. 60 Milliarden davon entfallen auf Staatsanleihen. Massive Zinssenkungen begleiten das Programm. So senkte die EZB die Leitzinsen seit 2008 von 4,25 Prozent auf null Prozent. „Sparer, die einen Großteil ihres Vermögens in Zinsenkonten und Lebenspolicen investiert haben, sind die Verlierer“, schreibt das Flossbach von Storch Research Institute. Der organisierte Renditeverfall bei gleichzeitiger Toleranz hoher ausfallender Inflationsraten gefährden ihre Altersvorsorge.

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Fed: Kaum Hoffnung für Bond-Investoren
 

Die US-Notenbank reagierte noch schneller auf die Finanzkrise. Seit Herbst 2008 senkte sie innerhalb eines Jahres die Zinsen um gut vier Prozentpunkte auf 0,25 Prozent. Hier blieb das Zinsniveau, bis die Fed 2016 eine Zinswende in Aussicht stellte. Ein geplantes Konjunkturprogramm unter US-Präsident Donald Trump könnte diesen Plänen den nötigen Spielraum verschaffen. Die Folge: Falls die EZB bei Zinserhöhungen nicht mitzieht, steigt der Dollar und gefährdet den Aufschwung. In der Praxis passierte bisher wenig. Eine Rückkehr zu einem Zinsniveau von um die fünf Prozent wie vor der Finanzkrise halten die Flossbach-Experten ohnehin angesichts der hohen Verschuldung für „ausgeschlossen“.


Die Zentrale der amerikanischen Notenbank Fed: Hier werden Entscheidungen getroffen, an denen sich auch Europa orientieren muss. (© blvdone)

SNB: Die Schweizerische Nationalbank ist ein Großanleger
 

Die SNB investiert im großen Stil in ein globales Aktienportfolio. Sie hielt Ende des vierten Quartals 2016 allein US-Aktien im Wert von 66 Milliarden US-Dollar. Mehr als eine Milliarde Dollar waren in Apple, Alphabet, Microsoft und Exxon Mobil investiert. Insgesamt halten die Schweizer Wertpapiere im Wert von 746 Milliarden Schweizer Franken. Auch der Leitzins ist mit minus 0,75 Prozent ein Kuriosum.

BoJ: Gesetzlich verordneter Nullzins für zehnjährige Staatsanleihen 
 

Seit den neunziger Jahren hält die Bank of Japan den Leitzins bei unter ein Prozent. Sie kauft jedes Jahr Aktien im Wert von 5,7 Billionen Yen und hält japanische Staatsanleihen von insgesamt rund 3,2 Billionen Euro. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen soll gesetzlich auf null Prozent amtlich festgelegt werden.

Anlagenotstand für sicherheitsorientierte Anleger
 

Weltweit haben es Sparer also schwer. Und selbst wenn der EuGH die Geldpolitik als nicht rechtmäßig einstufen sollte, ist es fraglich, inwieweit daraus Schadensersatzansprüche abgeleitet werden können. Anleger sollten also nach Anlagealternativen Ausschau halten, die trotz des Spiels der Notenbanken solide Renditen erzielen. Gerade wer weiter auf Anleihen setzen will, braucht jetzt Anlageprofis, die die Märkte und die Notenbanken stets im Blick haben. So haben viele Rentenfonds im jüngsten Crash Geld verloren. Einzig in der Kategorie Anleihen flexibel global blieben die Renditen auch im laufenden Jahr im Durchschnitt solide.

Folgende Fonds, die Morningstar mit vier oder fünf Sternen auszeichnet, zählen im laufenden Jahr und auf Drei-Jahres-Sicht zu den Bestperformern.

1 = Augsburger Aktienbank, 2 = comdirect, 3 = DAB BNP Paribas , 4 = DWS, 5 = eBase, 6 = FFB, 7 = Fondsdepotbank, 8 = Metzler Fund Exchange

Quellen: Morningstar, moneymeets.com/fondsfinder (Stand 14.08.2017)

**Dieses Produkt hält keine vier oder fünf Sterne-Bewertung von Morningstar.

Bitte beachten Sie folgende Hinweise:  Alle genannten Fonds halten ein Vier- oder Fünf-Sterne-Rating von Morningstar. Das Mindestinvestment liegt bei weniger als 10.000 Euro. Die angegebenen Innenprovisionen und die davon abhängigen Vorteile für Sie können sich verändern. moneymeets übernimmt keine Haftung für die Vollständigkeit, inhaltliche Richtigkeit und Aktualität der Informationen.

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