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Marktkommentar: David Brett (Schroders): Eine Bilanz – 10 Jahre nach Beginn der globalen Finanzkrise
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Marktkommentar David Brett (Schroders): Eine Bilanz – 10 Jahre nach Beginn der globalen Finanzkrise

Nachrichtenquelle: Asset Standard
17.08.2017, 00:00  |  629   |   |   

Kaum zu glauben, aber seit Ausbruch der globalen Finanzkrise sind zehn Jahre vergangen. David Brett fasst die wichtigsten Entwicklungen zusammen.

Kaum zu glauben, aber seit Ausbruch der globalen Finanzkrise sind zehn Jahre vergangen. Ausgelöst wurde sie durch den Zusammenbruch des Immobilienmarkts in den USA, und sie führte zur tiefsten Rezession seit Menschengedenken sowie zum Beinahe-Kollaps des Finanzsystems.

Banken gingen Pleite, staatsnahe Institutionen mussten gerettet werden, die Aktienmärkte stürzten ab und Länder mussten unter finanzielle Rettungsschirme schlüpfen. Die Nachwirkungen sind heute noch in Form eines mageren Wirtschaftswachstums und politischer Verwerfungen spürbar: Brexit und sogar die Wahl von Trump lassen sich auf diese Krise zurückführen.

Wie die globale Finanzkrise begann

Die globale Finanzkrise begann mit dem Subprime-Hypothekenmarkt in den USA, d. h. das Segment der Branche, das an Schuldner mit schwacher Kredithistorie und häufig geringen Mitteln für den Schuldendienst Kredite vergab.

Diese Subprime-Hypotheken wurden anschließend in Tranchen unterteilt, mit herkömmlichen Hypotheken neu verpackt und an die Anleger als Anlageprodukt verkauft. In der Überzeugung, dass die Risiken gestreut worden waren, dachten viele, dass dabei schon nichts schiefgehen würde.

Kurzfristig funktionierte dieses Vorgehen auch und half, einen Immobilienpreisboom zu befeuern. Langfristig entstanden jedoch Probleme, die ihren Anfang in zunehmenden Zahlungsausfällen unter den Kreditnehmern hatten.

Der Immobilienmarkt brach ein, und die neu verpackten Hypothekenanlagen wurden toxisch.

Am schlimmsten war, dass niemand wusste, wer eigentlich die faulen Eier hielt. Die Banken wurden daher sehr skeptisch, wenn es darum ging, sich gegenseitig Geld zu leihen. Die Welt stand vor dem Abgrund.

Ein Schlüsseltag zu Beginn der Krise war der 9. August 2007, als die Gefahr des systemischen Risikos offensichtlich wurde. Die französische Bank BNP Paribas setzte den Handel mit drei Fonds aus, die am US-Hypothekenmarkt engagiert waren. Sie machte dafür ein „vollständiges Austrocknen der Liquidität“ verantwortlich.

Nachfolgend beschäftigen wir uns kurz mit den Hauptereignissen der Krise, analysieren die nachfolgenden Geschehnisse am Markt und interpretieren die sich für die Anleger ergebenden Konsequenzen.

Wann Was geschah
April 2007 Erste Anzeichen für Schwierigkeiten am US-Immobilienmarkt, nachdem New Century Financial, ein Spezialist für Subprime-Hypotheken, Konkurs anmeldet.
August 2007 Die französische Bank BNP Paribas setzt Handel mit drei Fonds aus, die am US-Hypothekenmarkt engagiert sind. Sie macht dafür ein „vollständiges Austrocknen der Liquidität“ verantwortlich.
September 2007 In Großbritannien stehen Anleger Schlange, um ihr Geld aus Northern Rock abzuziehen – der erste Ansturm auf eine Bank in Großbritannien seit 1866.
März 2008 JP Morgan erklärt sich einverstanden, die Investmentbank Bear Stearns zu übernehmen, die sich aufgrund ihres Engagements in ausfallenden Subprime-Investments kurz vor dem Zusammenbruch befindet.
Juli 2008 Die Behörden stützen die beiden größten Kreditgeber Fannie Mae und Freddie Mac in den USA, zwei staatsnahe Unternehmen, die Hypotheken von Banken aufkaufen.
September 2008 Die US-Bank Lehman Brothers geht Pleite. Weltweit kommt es zum Zusammenbruch von Banken und Unternehmen. In Großbritannien wird HBOS von Lloyds übernommen.
Oktober 2008 In den USA wird de facto ein Gesetz zur Rettung des Finanzsystems verabschiedet. Die britische Regierung unternimmt Schritte zur Rettung des Bankensystems.
November 2008 Der Internationale Währungsfonds gewährt Kredite zur Stabilisierung von Ländern wie Island und der Ukraine.
Dezember 2008 – Januar 2009 Globale Volkswirtschaften rutschen in eine Rezession. Zentralbanken nehmen auf konzertierte Weise Zinssenkungen vor, um der Krise zu begegnen.
März 2009 Die globalen Aktienmärkte erreichen die Talsohle im Zuge der Krise. Zinsen in den USA und Großbritannien werden auf Rekordtiefs gesenkt. Beide Länder beginnen mit einer massiven quantitativen Lockerung.
Juni 2009 Laut OECD befindet sich die Weltwirtschaft nahe der Talsohle ihrer schlimmsten Rezession der Nachkriegsgeschichte.

Was ist an den Märkten geschehen, und haben sie sich mittlerweile erholt?

Der VIX

Der erste Hinweis, dass etwas nicht stimmte, hätte am „Angstbarometer“ abgelesen werden können. Der Chicago Board Options Volatility Index, kurz VIX, ist ein Maß für die Anlegerstimmung am Markt.

Je höher der Index, desto stärker sind die Anleger davon überzeugt, dass es kurzfristig zu einem den Markt bewegenden Ereignis – ob gut oder schlecht – kommen wird.

Die nachstehende Abbildung zeigt, dass der VIX in der zweiten Jahreshälfte 2007 bereits Hochs erklommen hatte, die seit Zerplatzen der Internetblase Anfang 2000 nicht mehr verzeichnet worden waren. Bis Anfang 2010 hatte der Index ein deutliches Allzeithoch erreicht, da die Konsequenzen der Krise den Fortbestand der Eurozone in Frage stellten.

Da Regierungen und Zentralbanken aber intervenierten, um das Schlimmste zu verhindern, ging auch der VIX wieder zurück. Das Anlegervertrauen nahm wieder zu. Derzeit befindet sich der VIX nahe historischen Tiefs.

Dies deutet darauf hin, dass die Anleger keine Anzeichen für eine bevorstehende extreme Marktvolatilität erkennen können.

Rückgang der Anleiherenditen

Eine der alarmierendsten Folgen der Krise war der lang währende und stetige Rückgang der Anleiherenditen.

Die Zentralbanken hielten eine Reduzierung der Kreditkosten für unabdingbar und senkten daher die Zinsen drastisch. Einige begannen mit Programmen der quantitativen Lockerung: Sie schufen auf elektronischem Wege Geld und nutzten dies zum Kauf von Anleihen.

Die höheren Anleihekurse hatten den gewünschten Effekt einer Reduzierung der Anleiherenditen. Die Anleihekurse haben erhebliche Auswirkungen auf die breiteren Kreditkosten in der Wirtschaft, daher auch die Notwendigkeit, sie zu reduzieren.

Aber selbst Jahre nach der Senkung der Leitzinsen gingen die Anleiherenditen weiter zurück. Dafür waren zum Teil neue Lockerungsprogramme anderer Zentralbanken verantwortlich, aber auch sorgengeplagte Anleger, die sich in Anleihen flüchteten, um dort ihr Geld zu parken.

Diese Entwicklung nahm extreme Züge an. Wie die Abbildung zeigt, gingen die Renditen auf japanische und deutsche Staatsanleihen 2016 auf negatives Terrain zurück. Das heißt, dass Anleger dafür, dass sie in die Papiere investierten, Zinsen zahlten, anstatt sie zu erhalten.

Die Renditen auf japanische, deutsche und britische Staatsanleihen verharren weiterhin bei unter 1 %. Darin kommt die Einschätzung der Anleger zum weiteren Zinsausblick in diesen Regionen zum Ausdruck. Die Renditen auf US-Staatsanleihen sind indes auf über 2 % gestiegen, da die US-Notenbank Fed damit begonnen hat, die Zinsen anzuheben.

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