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Buffett ist raus bei GE: Was das für die Siemens-Aktie bedeutet

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
18.08.2017, 08:00  |  8257   |   |   

Warren Buffetts Investmentarm Berkshire Hathaway (WKN:A0YJQ2) ist nun komplett ausgestiegen bei General Electric (WKN:851144), dem erbitterten Konkurrenten von Siemens (WKN:723610). Fällt der alte Fuchs damit ein Urteil über die gesamte Branche der Elektrotechnik-Konglomerate oder missfällt ihm die Strategie von GE? Ich habe mir das mal genauer angeschaut.

So verlief das GE-Investment

Im Herbst 2008, als die Finanzkrise voll hereinbrach und die Bilanzen vieler Konzerne schwer angeschlagen waren, sprang Warren Buffett in die Bresche und bot seine Milliarden an. Dazu muss man Folgendes wissen: Während Siemens lange Zeit als „Bank mit angeschlossenem Elektroladen“ verspottet wurde, war GE damals aus bilanztechnischer Sicht tatsächlich primär ein Finanzdienstleister. Das Bankgeschäft war so groß, dass GE Capital als systemrelevant betrachtet wurde.

Jedenfalls investierte Berkshire 3 Mrd. US-Dollar in Vorzugsaktien mit garantierter Dividende in Höhe von 10 % und sicherte sich zudem Kaufoptionen für weitere Aktien. Das Problem: Er war ein bisschen zu früh dran. Bis März 2009 crashte die Aktie weiter nach unten und verlor noch gut zwei Drittel ihres Werts. Seither wackelt der Kurs wie auch der Gesamtmarkt nach oben. Seit 2013 bewegt er sich oberhalb des Einstiegskurses von 2008, aber ohne jegliche weitere Aufwärtsdynamik. Der Gewinn des Investments liegt daher primär in den Dividenden. Aber das ist wenig befriedigend für eine Holding, die eher Renditen jenseits der 20 Prozent pro Jahr gewohnt ist.

GE hat ein riesiges Umbauprogramm hinter sich, das selbst die ewigen Restrukturierungen bei Siemens in den Schatten stellt. Der langjährige Boss Jeff Immelt zerschlug den Finanzdienstleistungsbereich und trimmte den industriellen Bereich auf digital. Warren Buffett interessiert sich aber offenbar mehr für den abgespaltenen Teil, denn an Synchrony Financial (WKN:A117UJ) hält er noch Aktien im Wert von rund einer halben Milliarde US-Dollar.

Die Auswirkungen auf Siemens

Nicht nur Anleger in den USA legen großen Wert auf die Meinung von Buffett und vollziehen dessen Entscheidungen gerne nach. Kein Wunder, steht die Aktie von GE weiter unter Druck, nachdem sie vom Zwischenhoch zum Jahreswechsel bereits über 20 % verloren hat. Da Siemens der wichtigste Wert in der Peer-Group, also der Liste vergleichbarer Unternehmen, von GE ist, steht zu befürchten, dass davon auch etwas auf den Münchener Konzern überschwappt.

Der wichtigste Punkt ist daher, zu verstehen, was wohl Buffetts Motivation für den Verkauf war. Dass er an der Privatkundenbank Synchrony beteiligt bleibt, gibt vielleicht einen Hinweis. Im Finanzdienstleistungsbereich kennt Buffett sich aus wie in seiner Westentasche. Dort hat er einige seiner besten Deals gemacht. Die digitale Welt ist ihm hingegen fremd. Meines Erachtens zu Unrecht trauert er deshalb verpassten Chancen bei den heutigen Internetgiganten nach (für mehr hierzu siehe mein Kommentar vom 11.05.).

Dass sich traditionelle Konglomerate wie Siemens und GE jetzt auch immer mehr zu Digitalkonzernen wandeln, spielt ihm nicht gerade in die Karten. Von daher könnte der Schritt einfach eine Folge der Einsicht sein, dass Berkshire die Zukunft dieser Konzerne schwer einschätzen kann.

Ein anderer Punkt ist bedingt durch die Unsicherheit über den zukünftigen Kurs. John L. Flannery, ein Wegbegleiter des zurückgetretenen Immelt, hat Anfang August offiziell übernommen und muss erst noch beweisen, dass er neuen Schwung in den für viele etwas träge wirkenden Koloss bringen kann. Gut möglich, dass die Führungsriege von Berkshire ihn persönlich kennt und Zweifel an seinen Fähigkeiten hat.

Flannery ist ein Betriebs- und Finanzwirt, der seit 30 Jahren bei GE ist und an vielen Übernahmedeals beteiligt war. Unter anderem spielte er eine zentrale Rolle beim Kauf der Energie-Sparten von Alstom (WKN:A0F7BK), ein Frontalangriff auf das Europageschäft von Siemens, dem weitere Deals etwa in der Windkraftsparte folgten. Das zeigt mir, dass er die Rivalität mit den Deutschen sehr ernst nimmt.

Sicherlich wird er auch auf den zuletzt angekündigten Investitionen im Umland von München aufbauen, wo insbesondere die heißen Themen Additive Fertigung (3D-Druck) und Industrie 4.0 intensiv bearbeitet werden sollen. Dort will eigentlich Siemens die Nase vorne haben und hofft auf Milliardengeschäfte.

Ruhe bewahren

Mit Sicherheit lässt sich natürlich nicht sagen, was der Ausstieg von Berkshire bei GE für Siemens bedeutet. Aber ich denke, dass die Beweggründe eher bei GE als bei der Gesamtbranche zu suchen sind. GE steht nach dem radikalen Umbau nun mit einem neuen Chef da und die digitale Zukunft des Konglomerats ist für Buffett und Co. kaum einschätzbar.

Bei Siemens hat Joe Kaeser die Strategie hingegen schon lange festgezurrt und setzt sie konsequent um. Mit der gesunden Rivalität mit GE sollten die Münchener auch in Zukunft gut umgehen können, zumal das Digitalportfolio weit reifer wirkt als bei den Amerikanern.

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